Tausende Lehrstellen frei

Angesichts der rückläufigen Zahl junger Leute haben Kleinbetriebe besonders große Probleme, Lehrlinge zu finden. Daher will ihnen Bildungsministerin Johanna Wanka verstärkt unter die Arme greifen.

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  • Ausbildungsstätte für Köche (hier in Rostock): So fruchtig-frisch das auf dem Bild auch aussehen mag - gerade unter den angehenden Köchinnen und Köchen hält nur die Hälfte bis zur Abschlussprüfung durch. Foto: dpa 1/2
    Ausbildungsstätte für Köche (hier in Rostock): So fruchtig-frisch das auf dem Bild auch aussehen mag - gerade unter den angehenden Köchinnen und Köchen hält nur die Hälfte bis zur Abschlussprüfung durch. Foto: dpa
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Die Gastronomie und die Metzger fanden im letzten Jahr für jede vierte Lehrstelle keinen Bewerber. Auch Klempner, Bäcker und Köche haben massive Nachwuchsprobleme. Insgesamt blieben mehr als 33 000 Ausbildungsplätze unbesetzt, so viele wie seit 15 Jahren nicht mehr. Gleichzeitig waren 15 600 junge Leute ohne Lehrstelle. Besonders erfreulich sei die sinkende Zahl von Altbewerbern, sagte Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) bei der Vorlage des Berufsbildungsberichts.

Die duale Berufsausbildung in rund 340 staatlich anerkannten Ausbildungsberufen von Änderungsschneider/-in bis Zweiradmechaniker/-in gilt als Erfolgsfaktor der deutschen Wirtschaft. Doch angesichts der demografischen Entwicklung haben die Betriebe immer mehr Probleme, Lehrlinge zu finden. Das trifft insbesondere Klein- und Kleinstbetriebe: Von ihnen können 42 Prozent ihre Ausbildungstellen ganz oder teilweise nicht besetzen, ergaben Umfragen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Bei den Großbetrieben waren es nur 17 Prozent. Machen sie wiederholt negative Erfahrungen, könnten sie sich dauerhaft aus der Ausbildung zurückziehen.

Ihnen will Wanka stärker helfen: Ab 2014 soll ein Schwerpunkt des "Jobstarter"-Programms ihres Ministeriums sein, Lehrstellenbewerber besser in Kontakt mit Klein- und Mittelbetrieben zu bringen. Dabei hat sie insbesondere Jugendliche im Auge, die den Übergang von der Schule in die Ausbildung nicht auf Anhieb schaffen. "Auch sie werden gebraucht, um den Fachkräftenachwuchs in Deutschland langfristig zu sichern", betonte Wanka.

Die Warteschleifen werden zwar deutlich kleiner, sie sind aber immer noch beträchtlich: 2012 nutzten 267 000 junge Leute Angebote wie das Berufsvorbereitungsjahr oder Bildungsgänge zum Nachholen des Abschlusses der Sekundarstufe I. Seit 2005 hat ihre Zahl um mehr als ein Drittel abgenommen.

Ein immer größeres Problem sind Jugendliche, die ihre Ausbildung abbrechen: 2012 wurde jeder vierte Lehrvertrag vorzeitig beendet. 2009 waren es erst 22 Prozent. Besonders betroffen ist das Hotel- und Gastgewerbe, wo jede zweite Restaurantfachkraft oder Koch/Köchin nicht bis zur Abschlussprüfung durchhält. Das sind genau die Berufe, die sowieso schon die größten Nachwuchsprobleme haben. Bei den Verwaltungsfachangestellten brechen dagegen nur 3,7 Prozent ihre Ausbildung ab. Die hohe Abbrecherquote hält der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) allerdings für irreführend: Über die Hälfte der Jugendlichen setzten ihre Ausbildung in einem anderen Betrieb oder einem anderen Beruf fort. Tatsächlich liege die Abbrecherquote bei 12 Prozent.

In Baden-Württemberg wurden im letzten Jahr 76 300 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen, das sind 3,2 Prozent weniger als 2011. Während Industrie und Handel mit 47 100 Verträgen fast unverändert viele junge Leute anzogen, gab es beim Handwerk mit 20 100 Lehrverträgen einen deutlichen Rückgang.

In diesem Jahr dürfte das Angebot an Ausbildungsplätzen weiter zurückgehen, erwartet das Bildungsministerium. Die Zahl der Bewerber dürfte dagegen ausnahmsweise leicht steigen, unter anderem durch doppelte Abiturjahrgänge in Hessen und Nordrhein-Westfalen. Daher wird geschätzt, dass nur 19 200 Lehrstellen unbesetzt bleiben.

Nach Ansicht der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden Ingrid Sehrbrock macht der Berufsbildungsbericht den jungen Leuten falsche Hoffnungen, dass der Ausbildungsmarkt entspannt sei. "Davon, dass keine Lehrlinge mehr zu finden sind, kann keine Rede sein." Jeder dritte Bewerber, der nach den Kriterien der Bundesagentur für Arbeit ausbildungsreif sei, habe keine Lehrstelle bekommen. Sie landeten in Warteschleifen wie Praktika, Einstiegsqualifizierungen oder berufsvorbereitenden Maßnahmen.

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