Stromnetz mit  Windkraft überflutet

Ein Orkantief zeigt die Schwächen des noch nicht für die Erneuerbaren Energien ausgebauten Stromnetzes auf. Die Preise fallen, Windparks werden abgeregelt.

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Gedrosselte Windparks, hohe Stromexporte und Doppelschichten in den Stromnetzzentralen: Das Orkantief „Sebastian“ hat das deutsche Netz mit Windstrom geflutet und die Netzbetreiber unter Druck gesetzt. Am Mittwoch zwischen 11 und 12 Uhr speisten die Windparks vor allem in Nord- und Ostdeutschland sowie in der Nordsee insgesamt über 37.800 Megawattstunden Strom in die Netze ein – mehr als die Hälfte des Verbrauchs.

Solche Tage zeigen die Grenzen eines Stromnetzes im Umbau auf: Die Stromproduktion aus Wind und Sonne schwankt stark und lässt sich schlecht speichern. Daher  werden Gas und Kohle vorerst weiter gebraucht. Deutschland produziert  parallel mit zwei Systemen – und damit am Mittwoch deutlich mehr als gebraucht wurde. Zudem fällt der Windstrom überwiegend im Norden an, hohe Nachfrage herrscht dagegen im Süden – dazwischen fehlen weiter Leitungen.

Das Überangebot setzte die Preise an der Strombörse unter Druck. Diese stürzten von rund  30 € pro Megawattstunde auf nicht mehr kostendeckende 11 € ab. Zugleich exportierte Deutschland kräftig. Die Stromnetzverantwortlichen sorgten dafür, dass das Leitungsnetz hält. Dafür weisen sie konventionelle Kraftwerke im Norden an, vom Netz zu gehen, Kraftwerke im Süden wurden hochgefahren. Die 607 Windkraftanlagen im Südwesten speisten am Mittwoch 1139 Megawatt ins Stromnetz.

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Kommentare

18.09.2017 20:39 Uhr

Zuviel Wind- oder Kohlestrom?

Ausgerechnet die Windkraft ist wieder einmal Schuld und belastet die Stromnetze. Nicht etwa die unflexiblen Braunkohle- und Atomkraftwerke, die bei hohem Wind- oder Sonnenstromaufkommen nicht entsprechend reagieren können und dann trotzdem etwa die Hälfte des Gesamtbedarfs ins Netz drücken. Da müssen stattdessen die Windkraftanlagen oder die PV abgeregelt werden. Das ist doch ein Irrsinn!

Die vergangen Regierungen unter Merkel haben einfach dabei zugesehen, wie die hocheffizienten und flexiblen Kraftwerke in den vergangenen Jahren aus dem Markt gedrängt wurden. So konnten sich praktisch nur noch die unflexiblen, meist abgeschriebenen Dreckschleudern unter den aktuellen Marktbedingungen halten. Dass das mit den fluktuierenden erneuerbaren nicht funktionieren kann, leuchtet doch wohl jeden ein.

Wer wirklich die Energiewende und Klimaschutz will, muss endlich für ein entsprechendes Marktumfeld sorgen. Die unflexiblen Dreckschleudern müssen statt der flexiblen Kraftwerke aus dem Markt gedrängt werden. Und das Pflichtverramschen des EEG-vergüteten Stroms auf dem Spotmarkt (Grabbeltisch des Energiemarktes) muss auch ein Ende haben. Also faire Wettbewerbsbedingungen auf dem Strommarkt und dabei immer das Ziel vor Augen, hin zu einer nachhaltigen, sicheren und kostengünstigen Energieversorgung. Nur so kann die Energiewende gelingen.

Wenn sich jedoch nicht endlich die Sichtweise ändert und man dabei erkennt, welcher Strom im Netz der störende ist, sehe ich für die weitere Entwicklung wirklich schwarz.

Rüdiger Höwler
Rechberghausen

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