Stromlücke macht Sorgen

Engpässe im Stromnetz sind keine Seltenheit mehr. Die Energiewende gefährdet die Versorgungssicherheit. Der Biberacher Handtmann-Gruppe wird dieses Risiko zu groß: Sie setzt auf eine teure Notfalllösung.

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  • 40 000 Tonnen Aluminium-Gussteile stellen die Handtmann-Mitarbeiter im Jahr her, unter anderem für die Autoindustrie. Firmenfoto 1/2
    40 000 Tonnen Aluminium-Gussteile stellen die Handtmann-Mitarbeiter im Jahr her, unter anderem für die Autoindustrie. Firmenfoto
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Arthur Handtmann hat in seinem Leben viel erlebt - und das Biberacher Familienunternehmen durch schwierige Zeiten gesteuert. Im Alter von 18 Jahren musste er nach dem Zweiten Weltkrieg den Kleinbetrieb übernehmen. Daraus formte er den Weltmarktführer für Füll- und Portioniermaschinen für pastenartige Massen wie Würste. Mit insgesamt rund 2700 Mitarbeitern stellt das Unternehmen jährlich 40 000 Tonnen Aluminium-Gussteile, Installationen für Brauereien und riesige Präzisionsfräsmaschinen her. Der Umsatz beträgt 550 Mio. EUR.

Mit seinen 85 Jahren könnte sich der Vorsitzende des Firmenbeirats normalerweise zurücklehnen und über diese Erfolgsgeschichte freuen. Doch durch die Energiewende sieht er das Unternehmen bedroht. Das gehört zu den großen Stromabnehmern. "Allein unser Metallgusswerk benötigt 12 Megawatt Strom", sagt Handtmann. Das entspricht dem Verbrauch von 26 000 Privathaushalten.

Längst hat sich die Stromversorgung zu einem kritischen Faktor entwickelt, vor allem im wirtschaftsstarken Süden Deutschlands. Das bereitet Handtmann ernste Sorgen, "In der Gießerei können wir uns keine Produktionsausfälle erlauben. Das 800 Grad heiße Aluminium darf nie erkalten. Die gewaltigen Druckgusswerke laufen deshalb rund um die Uhr", sagte Handtmann beim Besuch des baden-württembergischen Umweltministers Franz Untersteller in dem Biberacher Unternehmen. Stromsperren oder Stromausfälle wären der unternehmerische Tod. "Unsere Hauptkunden wie Daimler, VW, BMW oder Audi erwarten pünktliche und zuverlässige Lieferung. Unsicherheit wird mit Kündigung der Geschäftsbeziehungen bestraft", sagte Handtmann. Damit stünden rund 2000 Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Dass die Sorge vor Stromausfällen nicht unbegründet ist, hat erst jüngst der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Hohmann, deutlich gemacht. Auch er warnte vor Ausfällen und bemängelte, dass von den rund 1830 Kilometern Leitungen, die der Gesetzgeber als vordringlich eingestuft hat, erst 214 Kilometer verwirklicht seien. Für die Energiewende sei dies eine besorgniserregende Nachricht. Drei Mal musste im Winter auf die sogenannte Kaltreserve zurückgegriffen werden, um die Situation im Stromnetz zu entspannen. Auch mehren sich die Eingriffe der Gas- und Stromnetzbetreiber.

Vor diesem Hintergrund will Handtmann rund 15 bis 20 Mio. EUR in Notstromaggregate und ein Tanklager von 500 000 Litern stecken, um die Produktion zu jeder Zeit sicherzustellen. Den ursprünglichen Plan, ein eigenes Gaskraftwerk zu bauen, hat Handtmann verworfen.

Umweltminister Untersteller konnte bei seinem Besuch dem Unternehmer die Sorge vor einem Stromausfall nicht nehmen. Untersteller hat früh darauf verwiesen, dass Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit für ihn oberste Priorität haben. Ihm schwebt vor, dass die erforderlichen Strommengen ausgeschrieben werden, um Engpässe zu vermeiden, berichteten Teilnehmer der Veranstaltung.

Für Otto Sälzle, den Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Ulm, sind die Pläne Handtmanns ein Indiz für die Sorgen der Wirtschaft im Südwesten. Im Falle Handtmann sei das die rationale Überlegung eines erfahrenen Unternehmers. Kein schwäbischer Geschäftsmann würde einen solchen Betrag leichtfertig investieren. Ein Patentrezept sei das freilich nicht. Jeder Betrieb müsse sein eigenes Risikomanagement entwerfen. Das gelte aber auch für die Landesregierung, sagt Sälzle und fordert klare Vorgaben. "Die Firmen brauchen Planungssicherheit."

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