Streit um Millionengewinne bei WMF

Aktienbeteiligungen der Vorstände am eigenen Unternehmen sind üblich und sogar gewünscht. Bei WMF in Geislingen hat jetzt ein zu kurz gekommener Großaktionär einen Streit darüber angefacht.

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WMF-Vorstandschef Thorsten Klapproth (Bild) beteiligte sich 2006 mit einer Bareinlage"nicht in einer Millionen-Dimension" am Unternehmen. Foto: dpa

Zwei Mal wollte Andreas Weißenbacher die Mehrheit beim Besteck- und Kaffeemaschinenhersteller WMF. Beides Mal kam der österreichische Unternehmer und Finanzinvestor (Fiba) nicht zum Zug; er muss sich weiter mit 37 Prozent der WMF-Stammaktien begnügen. In einem großen Interview mit der"Stuttgarter Zeitung" machte der Mann jetzt seinemÄrger Luft. Sein Vorwurf: Das WMF-Management habe ihn 2006 abblitzen lassen und für den Verkauf des 52-Prozent-Aktienpaketes an den Schweizer Finanzinvestor Capvis votiert - weil der die vier damaligen Vorstandsmitglieder mit 20 Prozent an seinem Aktienpaket beteiligte.

Weil sich der Aktienkurs von WMF in den vergangenen sechs Jahren steil nach oben entwickelte, machte Capvis ein gutes Geschäft. Beim Verkauf seines Anteils vor einigen Wochen an den neuen Finanzinvestor KKR soll Capvis 238 Mio. EUR bekommen haben. Dem vierköpfigen Vorstand um Thorsten Klapproth wären also jetzt rund 40 Mio.EUR zugeflossen, vermutet Großaktionär Weißenbacher.

Diese Rechnung nennt WMF-Chef Klapproth"haarsträubend". Im Interview mit der SÜDWEST PRESSE stellt Klapproth zweierlei fest. Richtig daran sei erstens, dass Capvis bei seinem Einstieg vor sechs Jahren den WMF-Vorstand um eine Beteiligung an seinem Unternehmen bat. Diese Beteiligung sei damals auch ausgewiesen worden. Die Beteiligung des Management am eigenen Unternehmen giltals Anreiz für gute Arbeit und Ausdruck der Glaubwürdigkeit. Die WMF-Vorstände hätten ihren Anteil nicht von Capvis erhalten, sondern"gegen eine private Bareinlage" bekommen. Diese Bareinlage"liegt jeweils nicht in einer Millionen-Dimension", sagt Klapproth weiter."Keiner von uns hält mehr als 4,5 Prozent an der niederländischen Crystal Capital Nederland B.V."

Noch wichtiger ist ihm ein Zweites: Die Annahme, die vier Vorstände hätten zusammen 40 Mio. EUR als Gewinn kassiert, stimmten nicht im Entferntesten. Tatsächlich sei das, was sie durch die Wertsteigerung der Aktien verdient haben,"allenfalls ein Bruchteil".

Von den 238 Mio. EUR, die Capvis für seine Mehrheitspaket vom neuen Finanzinvestor KKR erhalten hat, ist zunächst das abzuziehen, was Capvis vor sechs Jahren selber bezahlt hat: 92 Mio. EUR. Außerdem seien in erheblichem Umfang Beratungs- und Transaktionskosten beim Kauf- und Verkauf abzuziehen. Laut Klapproth handelt es sich dabei"um substanzielle Millionenbeträge". Hinzu komme ein weiterer Punkt: Beteiligungsgesellschaften finanzieren ihre Investments zu einem erheblichen Teilüber Kredite; die entsprechenden Finanzierungskosten müssen ebenfalls vom Verkaufserlös abgezogen werden.

Nähere Zahlen nennt die WMF-Vorstandschaft nicht. Allerdings dürfte es sich bei der zur Verteilung anstehenden Summe keinesfalls um 238 Mio. EUR handeln, sondern um weit weniger als die Hälfte - und davon würde ein Vorstand maximal 4,5 Prozent bekommen.

Richtig ist für Klapproth auch, was er immer wieder betonte: Das Engagement des anfänglich als Heuschrecke gefürchteten Finanzinvestors Capvis habe dazu geführt,"dass sich die WMF in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich entwickelt hat". Entsprechend ist der Aktienkurs gestiegen - und mit ihm die Gewinne, die Aktionär Andreas Weißenbacher entgangen sind, weil er nicht Mehrheitsaktionär bei WMF geworden ist.

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