Solange es Spaß macht

Das Team ist der Star - so könnte die Devise des Sportartikelherstellers Erima lauten. Mit Fußball, Handball und Tennis kamen die Pfullinger aus den roten Zahlen. Wolfram Mannherz ist Vater des Erfolgs.

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Eine sportliche Erscheinung, obwohl er über sich selbst sagt, weniger sportlich zu sein: Erima-Chef Wolfgang Mannherz.  Foto: 

"Ich möchte die Firma kaufen", in etwa so lautete die E-Mail, die Wolfram Mannherz im Jahr 2000 seinem Arbeitgeber Adidas sendete. Es ging um den Sportartikelhersteller Erima, damals eine Adidas-Tochter. Mannherz war als angestellter Geschäftsführer seit 1996 dort tätig. Erima lag in den 90ern am Boden und Mannherz ist nach Pfullingen geschickt worden, um das Unternehmen zu sanieren und dann zu verkaufen.

Die Vorgeschichte: Mannherz, diplomierter Kaufmann aus Bruchsal, war in seinem Berufsleben schon für Adidas im Marketing tätig. 1996 ist Mannherz in Linz gewesen und arbeitete dort für einen Brillenhersteller, als ihn ein Anruf aus Herzogenaurach erreichte, der sein Leben verändern sollte. Mannherz nahm die "spezielle Aufgabe" Erima an.

Als er nach Pfullingen kam, fand er einen verstaubten, altmodischen Laden vor, sagt er heute. Er lacht, als er erzählt, dass es noch Bademode gab und Thomas Gottschalk Werbeträger gewesen sei. Heute ist beides undenkbar. Erima hat sich fokussiert: Es geht nicht vorrangig um Mode, sondern um Teamsport. Werbeträger sind keine Einzelpersonen, sondern Vereine.

Die neue Ausrichtung zeigte schnell Wirkung und 1999 schrieb Erima erstmals wieder schwarze Zahlen. Damit war der Auftrag von Wolfram Mannherz eigentlich erledigt. Der aber dachte gar nicht an einen Abschied: "Wenn man so viel Herzblut reingesteckt hat, gibt man es ungern jemand anderem."

Allerdings, ganz so leicht ist es auch nicht, ein Unternehmen einfach zu kaufen. "Ich war Angestellter mit drei Kindern und wohnte in Miete", erinnert er sich an den außergewöhnlichen Schritt. Es gab weitere Kaufinteressenten, deren Interesse bezog sich aber nur auf den Warenbestand und nicht darauf, das Unternehmen weiterzuführen.

Ein Modell, das für Adidas und Mannherz gut war, wurde ausgetüftelt. 2000 kaufte Mannherz 49 Prozent und 2005 schließlich die restlichen 51 Prozent von Adidas ab. Für Mannherz hat sich der Mut ausgezahlt. Seit 2000 gab es für Erima kein Verlustjahr mehr.

Mannherz und sein Team arbeiten kontinuierlich daran, den Nischenmarkt Teamsport perfekt zu bedienen. Dabei gilt es einige Kriterien zu beachten: Alles schnell zu liefern und alles vorrätig zu haben, gehören dazu. Vier Jahre können etwa Fußballteams und Volleyballmannschaften ihre Trikots in allen Größen nachbestellen. Wichtig ist auch die Veredlungsfläche auf den Produkten: Für Nummern, Sponsoren und Namen.

Den Markt für Teamsport teilen sich Mittelständler. Wettbewerber sind Jako, Uhlsport, Hummel und Kempa.

Wichtig für den Erfolg, sagt Mannherz, ist das Sponsoring-Konzept. Er hat auch ein Beispiel parat: Seit Erima die Handballvereine Flensburg-Handewitt und Rhein-Neckar-Löwen sponsert, stieg der Anteil im Handball. Die Nummer-1-Sportart ist Fußball. Etwa die Hälfte des Umsatzes kommt daher.

Der aktuelle Verkaufshit ist denn auch ein Fußball. Der Ball ist sowohl genäht als auch geklebt und ist in Pfullingen entwickelt worden. Dazu muss man wissen, dass geklebte Bälle besonders gute Flugeigenschaften besitzen und daher in Spielen eingesetzt werden. Genähte Bälle gehen nicht so schnell kaputt und werden im Training eingesetzt. Die Kombination sei für beides verwendbar und komme im Markt sehr gut an, sagt Michael Magnussen, Kommunikationsleiter bei Erima.

Mannherz hat seinen Mitarbeitern versprochen, dass alle gemeinsam auf Mallorca reisen, wenn 2016 doppelt so viele Bälle verkauft werden wie vergangenes Jahr.

Sind Erima-Mitarbeiter eigentlich sportlich? Ja, sagt Mannherz. Viele junge Mitarbeiter kommen auch aus dem Sport. Er selbst bezeichnet sich als weniger sportlich. Für seine Mitarbeiter hat er einen Fitnessraum bauen lassen, der - so sagen es die Mitarbeiter - auch rege genutzt wird.

Schwierigkeiten, Mitarbeiter in die Provinz zu locken, hat er nicht: "Wir haben wieder Renommee", das sei schon anders gewesen. Es gab Zeiten, in denen man Mitarbeiter anwerben musste.

Produzieren lässt Erima an 17 Standorten weltweit, die Hälfte in Asien. Hier pflegt das Unternehmen nach eigenen Angaben langlebige Partnerschaften und achtet auf soziale Standards.

In Kirchentellinsfurt entsteht ein Logistikzentrum für 20 Mio. EUR. Es soll im Sommer 2017 fertig werden.

Wofram Mannherz ist 62. Ans Aufhören denkt er nicht. "Solang Wolfgang Schäuble mit 73 noch Finanzminister ist", sagt er und lacht wieder einmal. Wichtig sei, dass die Arbeit Spaß mache.

Weltmeister in Erima-Trikots

Früher 1900 wurde der Sportartikelhersteller von Remigius Wehrstein in Reutlingen gegründet. Erima ist damit der älteste noch existierende Sportartikelhersteller in Deutschland. 1936 übernahm Erich Mak die Geschäfte. Seine Initialen sind es, die dem Unternehmen den Namen geben. Er konzentrierte sich auf Teamsport. In den 1960er Jahren stattete Erima die deutschen Olympiamannschaften aus. 1974 ist die deutsche Fußballnationalmannschaft in Erima-Trikots Weltmeister geworden. Damals war das Emblem noch nicht auf dem Trikot. 1976 hat Adidas das florierende Unternehmen mit damals 600 Mitarbeitern gekauft. Und die Pfullinger produzierten fortan Textilien für Adidas. Als Adidas seine Textilherstellung in den 1990er Jahren nach Asien verlegte, stürzte Erima in die Krise.

Heute Erima hat 300 Mitarbeiter, 260 davon in Pfullingen. Das Unternehmen hat Niederlassungen in Österreich, der Schweiz, Frankreich, Belgien und den Niederlanden. Bis zu 2000 Aufträge gehen pro Tag ein. Im Jahr 2015 betrug der Umsatz 58 Mio. Euro. (2014: 53 Mio.). mk

SWP

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