Siemens auf Sparkurs

Siemens kämpft mit einem Auftragseinbruch. Nicht nur in Europa, sondern auch in den Schwellenländern werden viel weniger Industrieausrüstungen und Kraftwerke bestellt. Die Folge: Der Konzern will sparen.

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Ein Arbeiter in der Siemens-Fabrik SFAE in Peking: Auf dem chinesischen Markt sind die Erwartungen des Münchner Elektrokonzerns nicht mehr so optimistisch wie noch am Jahresanfang. Foto: dpa

. Die Abkühlung der Weltwirtschaft hat Siemens unerwartet hart getroffen. Der Auftragseingang von Europas größtem Elektrokonzern fiel im abgelaufenen Quartal um 23 Prozent, der Gewinn blieb mit 850 Mio. EUR weit unter den Erwartungen, und der geplante Osram-Börsengang wurde abgeblasen. Vorstandschef Peter Löscher sagte, es werde schwieriger, das bereits im April gesenkte Gewinnziel von 5,2 Mrd. EUR für dieses Jahr noch zu erreichen, und kündigte ein Sparprogramm an. Ob das auch Stellenabbau heißt, bleibt noch offen.

In allen Sektoren "arbeiten wir gezielt an Kostensenkungen", sagte Löscher gestern in München. Siemens erwarte eine weitere Abkühlung der Weltwirtschaft. Deshalb lasse er jetzt ein Programm ausarbeiten, "das den Fokus auf die Verbesserung von Kosten, Produktivität, Effizienz und Prozessen legt", sagte Löscher. Siemens werde "aus dieser Krise schlanker, schneller und agiler" herauskommen. Heute beschäftigt Siemens in Deutschland rund 119 000 Mitarbeiter, das sind 3000 mehr als vor einem Jahr.

Vor allem in den beiden wichtigsten Geschäftsfeldern Energie und Industrie läuft es bei Siemens schlechter. "Wir spüren eine zunehmende Investitionszurückhaltung bei unseren Kunden und einen stärkeren konjunkturellen Gegenwind" sagte Löscher und warnte: "Angesichts des verschlechterten Umfelds ist es schwieriger geworden, unsere Prognose für das Geschäftsjahr zu erreichen." Erst im April hatte er das Gewinnziel von 6 Mrd. EUR auf 5,2 Mrd. EUR gesenkt.

Die Industrie bestellte weniger Industriemotoren und Automatisierungstechnik, und die Stromversorger orderten deutlich weniger Gaskraftwerke, Windparks und Stromnetze. Der Auftragseingang sank deshalb um 23 Prozent auf 17,8 Mrd. EUR. Nicht nur in Europa, "auch global wird das Terrain schwieriger", sagte Löscher. In Brasilien sinkt die Produktion, und in China erwartet der Konzernchef erst im nächsten Jahr wieder bessere Wachstumszahlen.

Dank eines dicken Auftragspolsters steigerte Siemens seinen Umsatz im abgelaufenen Quartal zwar um 10 Prozent auf 19,5 Mrd. EUR. Aber der Gewinn lag mit 850 Mio. EUR unter den Erwartungen. Er wurde durch Abschreibungen von 443 Mio. EUR bei Osram belastet, die die Lichttochter in die roten Zahlen rutschen ließen. Im Vorjahresquartal hatte Siemens trotz einer Belastung von 1,1 Mrd. EUR durch den Ausstieg aus der Atomkraft-Partnerschaft mit Areva und in der Medizintechnik noch 501 Mio. EUR Gewinn gemacht.

Wichtigste Säule von Siemens ist der Energiesektor. Mit dem Bau von Gaskraftwerken, Stromnetzen und Windrädern erwirtschaftete das Unternehmen ein Ergebnis von 683 Mio. EUR, nachdem der Sektor im Vorjahresquartal wegen der Areva-Strafzahlung noch Verlust gemacht hatte. Im Industriegeschäft fiel das Ergebnis von 708 auf 523 Mio. EUR. Siemens hält an dem Ziel fest, den Umsatz in dem im September endenden Geschäftsjahr moderat zu steigern. Der Auftragseingang dürfte aber nicht mehr darüber liegen.

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