Showdown im Tarifkonflikt

In der Metallindustrie stehen die Stunden der Entscheidung bevor. Vieles deutet darauf hin, dass sich IG Metall und Arbeitgeber heute in Böblingen oder morgen in München einigen. Die wichtigen Punkte in Kürze.

|

Um was geht es? Die Gewerkschaft fordert 5,5 Prozent mehr Geld für zwölf Monate, die Arbeitgeber bieten 2,3 Prozent für 13 Monate. Wegen zwei Nullmonaten würde die Erhöhung aber erst zum 1. Juli wirksam. Sogenannte qualitative Themen spielen in diesem Jahr anders als 2012 mit der unbefristeten Übernahme der Azubis und der Eindämmung der Leiharbeit keine Rolle. Damit gibt es zwei Stellschrauben für eine Einigung: Laufzeit und Prozentzahl.

Was bedeuten Forderung und Angebot konkret? Nach Berechnungen der IG Metall müssten die Unternehmen von ihren Bruttogewinnen des Jahres 2012 von bundesweit 52 Mrd. EUR rund 9,5 Mrd. EUR locker machen; aus Sicht der Gewerkschafter ist das finanzierbar, aus Sicht der Arbeitgeber wegen einer "differenzierten und teils schwierigen wirtschaftlichen Lage" der Firmen nicht verkraftbar. Auch darüber, was die von den Arbeitgebern vorgeschlagene Erhöhung für den Einzelnen bedeutet, wird gestritten: Bei der Gewerkschaft sind es gerade mal 1,9 Prozent mehr Geld für zwölf Monate, bei den Arbeitgeber aber 2,4 Prozent für das Jahr 2013.

Welche Anliegen spielen noch eine Rolle? Die Arbeitgeber haben - anders als offiziell angeboten - eine längere Laufzeit im Sinn. Warum sie nicht gleich mit einem "Langläufer" in die Verhandlungen gegangen sind, ist schwer nachzuvollziehen, zumal Südwestmetall-Chef Stefan Wolf zuvor 22 Monate ins Spiel gebracht hatte, um den Firmen Planungssicherheit zu geben. Auch IG-Metall-Chef Berthold Huber hatte eine Laufzeit von 18 Monaten nicht für unmöglich gehalten.

Welche Vor- und Nachteile haben längere Laufzeiten? Je länger die Laufzeit, desto höher die Zahl, lautet die Regel. Deshalb könnten die Arbeitgeber einer höheren Laufzeit zurückgeschreckt sein. Andererseits ermöglichen längere Laufzeiten auch mehr Möglichkeiten, die Tarifeinigung auf die unterschiedlichen Situationen von Betrieben anzupassen. Allerdings stoßen die Arbeitgeber damit auf taube Ohren bei der Gewerkschaft, die den Werkzeugkasten für ausreichend bestückt hält. Zu hören ist, dass die Arbeitgeber in Bayern eine Einigung auf Basis von 24 Monaten mit zwei Erhöhungen von 2,4 und 2,6 Prozent angeboten haben.

Warum kommen 13 Monate Laufzeit für die IG Metall nicht infrage? Dann würde der Tarifvertrag Ende Mai 2014 auslaufen und die nächsten Verhandlungen würden in die Sommerferien reichen. Die Mobilisierung der Metaller würde IG Metall dann schwer fallen.

Was würde ein Arbeitskampf für beide Seiten bedeuten? Laut Südwestmetall würde ein Streik wegen der labilen Wirtschaftslage nicht nur die Betriebe, sondern auch die Volkswirtschaft schädigen. Die IG Metall sieht das anders. Ihre Streikkassen sind wegen des lang zurückliegenden letzten Arbeitskampfes gut gefüllt. Und die Mitglieder seien "wild entschlossen", heißt es aus Kreisen der Gewerkschaft.

Wo ist ein Durchbruch zu erwarten? Die zeitliche Abfolge lässt einen Abschluss in der vierten Runde am heutigen Montag in Böblingen erwarten, aber auch am Dienstag in München wäre eine Einigung möglich. Die Großen Tarifkommissionen sind am Mittwoch im Südwesten und am Donnerstag in Bayern einberufen. Scheitern die Gespräche werden die Baden-Württemberger die ersten sein, die eine Urabstimmung über einen unbefristeten Arbeitskampf beschließen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Züge stehen still: Fahrgäste schlecht informiert

Donnerstagmorgen hatten es Bahnreisende schwer. So mancher Fahrgast, der im Filstal in einem Zug saß, musste lange auf eine Weiterfahrt warten. Die Probleme gibt es allerdings schon länger. weiter lesen