Schnelle Einigung in guter Atmosphäre

Die in Rekordzeit ausgehandelte Metall-Tariferhöhung weckt bei Ökonomen Hoffnung auf einen stabilen privaten Konsum. Im Vergleich zu anderen Branchen liegen die Metaller im vorderen Mittelfeld.

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Die bayerischen Verhandlungspartner: IG Metall-Chef Jürgen Wechsler und Angelique Renkhoff-Mücke vom Arbeitgeberverband. Foto: dpa

Der in Rekordzeit ausgehandelte Tarifvertrag für rund 3,7 Mio. Beschäftigte in der deutschen Metall- und Elektroindustrie ist überwiegend auf Zustimmung gestoßen. Auch ohne Streiks und nächtliche Dauersitzungen, dafür mit einer Portion mehr Charme und Sympathie haben IG Metall und die Arbeitgeber in München einen Abschluss gezimmert, der für die deutsche Schlüsselbranche bis Ende 2014 Planungssicherheit gibt.

Ein wenig Streit gibt es nur über den Umstand, dass keine flexiblen Elemente vereinbart wurden. Darüber beklagten sich die Maschinenbauer, die gerne die Lohnstufen je nach Ertragslage des einzelnen Unternehmens später in Kraft gesetzt hätten. Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater lobt das Ergebnis: "Nicht übertrieben sparsam, aber auch nicht so kräftig, dass man um die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Standortes bangen muss. Mit einem Wort: vernünftig."

Wie immer bei einem mehrstufigen Abschluss mit mehr als 12 Monaten Laufzeit geht hinterher die Rechnerei um die tatsächlichen Auswirkungen los, denn das einfache Addieren der Stufen-Prozentzahlen führt in die Irre. Bei den Berechnungen müssen sowohl die Laufzeit als auch die Auswirkungen des vorherigen Tarifvertrags wie die Nullmonate berücksichtigt werden. Doch in Summe herrscht selbst hier nahezu unheimliche Einigkeit: Gesamtmetall wie IG Metall gehen für das Gesamtjahr 2013 von einer Steigerung von knapp 3 Prozent aus, 2014 liegt das Plus für die Arbeitnehmer beziehungsweise die Belastung für die Betriebe bei 3,25 Prozent.

Rainer Bispinck vom WSI-Tarifarchiv der gewerkschaftlichen Boeckler-Stiftung hält den Abschluss im Vergleich zu den übrigen Tarifverträgen 2013 für "sehr solide", zumal die Metaller gerade für das erste Jahr der Laufzeit mit an der Spitze lägen. Eisenbahner, Stahlkocher, das Lufthansa-Bodenpersonal oder die Länderbediensteten müssen mit kleineren Zuwächsen auskommen.

Außergewöhnliche Steigerungen von bis zu 18 Prozent konnte bislang nur das Flughafen-Sicherheitspersonal erstreiken.

Rund 10,6 Mrd. EUR brutto werde die Tarifsteigerung in die Kassen der Arbeitnehmer spülen, hat die IG Metall ausgerechnet. Bei einer erwartbaren Inflation von unter 2 Prozent sind erneut Reallohnsteigerungen und damit ein stärkerer privater Konsum drin.

Dies hat schon in der Vergangenheit zur Stabilität in Deutschland beigetragen, erinnert Deka-Volkswirt Kater: "Nicht zuletzt war der Konsum die einzige Stütze der deutschen Konjunktur im ersten Quartal. Diese Stütze wird sich weiter stabilisieren." Wirklich neu an dem Abschluss sind die äußeren Umstände. "Die Tarifpartner sind in zwei Monaten sehr schnell zueinandergekommen. Seit dem Jahr 2000 haben wir im Schnitt eine Dauer von 3,4 Monaten beobachtet", sagt Hagen Lesch vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.

Selbst alte Tarifhasen können sich nicht erinnern, jemals vor Mitternacht zu einem Ergebnis gekommen zu sein. Gesamtmetall-Chef Dulger lobte in diesem Zusammenhang die Atmosphäre. "Vor allem in Baden-Württemberg war da viel Kampfgeist und Aggression in der Atmosphäre zu spüren. Das war hier in Bayern anders. Das war sehr lösungsorientiert und sehr konstruktiv." Seinem Kontrahenten aus alten Stuttgarter Zeiten, dem dortigen IG-Metall-Bezirkschef Jörg Hofmann, hat Dulger damit noch nach dem Spiel einen mitgegeben.

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