SAP investiert Milliarden in sein Cloud-Geschäft

Der Softwareriese SAP plant seine bisher größte Übernahme und kauft für 6,5 Milliarden EUR den US-Anbieter Concur. Der Kauf ist nicht unumstritten.

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Gibt Milliarden für seine Cloud-Sparte aus: SAP.  Foto: 

SAP plant einen weiteren Milliardenzukauf, um sein Cloud-Geschäft auszubauen. Der deutsche Dax-Konzern will Concur, einen US-Anbieter von Firmensoftware für Reisemanagement und Reisekostenabwicklung, für umgerechnet 6,5 Mrd. EUR übernehmen. Es wäre die teuerste Übernahme in der Geschichte des Softwarekonzerns.

"Es geht nicht darum, was wir dafür zahlen, sondern was wir damit machen", sagte SAP-Chef Bill McDermott. Mit Hilfe der Übernahme will SAP nicht nur sein Angebot im so genannten Cloud-Geschäft mit Software, die im Abo-Modell von fremden Servern angeboten wird, ausbauen. Der Softwarekonzern erweitert auch sein Handelsnetzwerk, auf dem seine mehr als 250 000 Firmenkunden miteinander in Kontakt treten können.

Am Aktienmarkt kam die Nachricht zunächst nicht gut an. Der Deal sei sehr teuer, urteilten die Analysten der Société Générale. Bernstein-Analyst Mark Moerdler beschrieb den Zukauf als "wirklich große Wette". Die Analysten der Citigroup urteilten aber, strategisch mache die Übernahme Sinn.

Mit 129 US-Dollar (100 EUR) je Concur-Aktie zahlt SAP einen Aufschlag von 20 Prozent. Die Übernahme werde mit Hilfe von Kreditlinien über 7 Mrd. EUR finanziert, die nicht nur Kaufpreis und Übernahmekosten, sondern auch die Rückzahlung bestehender Schulden von SAP abdecken, sagte ein SAP-Sprecher.

Damit würde SAPs Schuldenberg auf mehr als das Doppelte anwachsen. Die Ratingagentur Moodys attestierte dem Konzern dennoch eine Kreditwürdigkeit im relativ sicheren Bereich.

Concur hat eine Plattform entwickelt, um rund um Geschäftsreisen tätige Firmen wie Hotels und Mietwagenzentralen zu vernetzen. Zu den Partnern gehören auch Startups wie die Mitwohnzentrale Airbnb und der Mitfahrdienst Uber.

Concur solle als eigenständige Einheit weitergeführt werden, das Management bleibe an Bord, sagte McDermott. Die Concur-Aktionäre und die Kartellbehörden müssen dem Kauf noch zustimmen.
 

Ein Kommentar von Thomas Veitinger: Ein richtiger Husarenritt

 

Wenn das kein optimales Timing ist. SAP riskiert die teuerste Übernahme seiner Geschichte. Gleichzeitig gibt Larry Ellison beim Erzfeind Oracle die Geschäftsführung ab. Während die Deutschen angreifen und Neuem öffnen, sortieren sich die Amerikaner erst einmal.

Was das deutsche Softwareunternehmen plant, ist zunächst auch richtig. Bereits mit dem Kauf der Handelsplattform Ariba hat SAP begonnen, seine Kunden zu vernetzen. Cloud-Geschäft ist ein Zukunftsmodell. SAP hat sich dabei zu lange zurückgehalten. Noch machen die Walldorfer nur einen kleineren Teil ihrer Umsätze mit Mietsoftware. Kunden neue Möglichkeiten für Handelsbeziehungen an die Hand zu geben, ist wichtig.

Allerdings könnte die Übernahme von Concur durch SAP ein heißer Ritt werden. Der Milliarden Euro schwere Kredit verdoppelt auf einen Schlag die Schulden. Was ist, wenn der Cloud-Bereich in den kommenden Jahren nicht zweistellig wächst, wie gehofft? Intern ist SAP immer noch dabei, Großübernahmen vergangener Jahre zu verdauen. In diesem Jahr findet weltweit ein Personalabbau statt, von dem gut 3 Prozent der 67 000 Mitarbeiter betroffen sind. Vielleicht ahmt SAP aber auch Oracle nach, die sich für Husarenritte nie zu schade waren.

 

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