S-Klasse unter den Autos

Hot-Stone-Massage, Aroma-Therapie, Liegesitz: Was sich nach Wellness anhört, sind Funktionen in der neuen S-Klasse von Daimler. Der Konzern setzt auf Luxus und will lieber beim Verbrauch sparen.

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Daimler-Chef Dieter Zetsche präsentierte gestern das Selbstverständnis des Stuttgarter Konzerns. Sechs Jahrzehnte lang: das beste Auto der Welt. Foto: dpa

Wenn der Vorhang offen, die Musik erstorben und sich die Nebelschwaden gelichtet haben, kann eine Präsentation auch sehr ernüchternd sein. Was steht da nach der großen Show, den bedeutenden Worten und den geschürten Erwartungen? Ein Auto. Warum dann der ganze Zauber?

Die Antwort bei der gestrigen Vorstellung von Daimler in Hamburg lautete: Es ist eine S-Klasse. "Das Gefühl hatte ich früher nur beim ,Warten aufs Christkind", sagte Dieter Zetsche. "Jede S-Klasse ist ein Meilenstein für den Automobilbau." Und die wohl wichtigste Präsentation für den Konzern. Denn das vom Daimler-Chef wenig bescheiden "Beste Auto der Welt" bezeichnete deutsche Symbol für Macht und Geld muss Daimler helfen, wieder auf die Beine zu kommen (siehe nebenstehenden Artikel). Doch die S-Klasse ist für Daimler mehr als blanke Zahlen. "Kein anderes Modell verkörpert unseren Führungsanspruch nachdrücklicher als die neue S-Klasse", sagte Zetsche vor der aufwendigen Präsentation in einer Halle bei Airbus, wo sonst Kunden ihren A380-Flieger in Empfang nehmen. Das Luxusmodell ist nach dem Ende des Maybach das technische Vorzeigemodell für dessen Entwicklung viel Geld und Ressourcen zur Verfügung stehen und dessen Vorsprung Vorbild sein soll. Wenn der Konzern mit seinen vielen Tüftlern und Denkern hier nicht überzeugt, wobei dann?

So klotzten die Stuttgarter Autobauer auch anstatt zu kleckern. Ledersessel simulieren mit beheizten Luftkissen, Ventilatoren und Klimatisierung auf Knopfdruck eine Massage nach dem Prinzip heißer Steine. Im Fond lässt sich auf einem Liegesitz entspannen. Duftspender im Handschuhfach wollen mit vier speziell komponierten Parfums eine Aroma-Therapie bieten. Wo früher mal die klassischen Rundinstrumente waren, prangen Monitore von jeweils mehr als 30 Zentimetern Diagonale. Instrumente mit Grafiken und Animationen scheinen zu schweben. Für die standesgemäße Beschallung steht ein High-End-3D-System zur Verfügung.

Die "Ikone der Fortbewegung" - noch ein Superlativ von Daimler - kann für knapp 80 000 EUR natürlich auch gut fahren. So wird das vor einigen Jahren in Forschungsautos bewährte optische Abtasten der Straße durch Kameras übernommen. Dadurch werden etwa Bodenwellen frühzeitig erkannt und weggefedert - die Insassen sollen es luxuriös haben. Stereokameras erkennen durch eine Art räumliches Sehen Fußgänger oder Autos, die in Gefahr sind, und bremsen den Mercedes selbstständig ab.

Dem Ziel des autonomen Fahrens kommt Daimler mit der S-Klasse auch ein Stück näher. Das Auto kann sich an ein vorausfahrendes Fahrzeug in einem bestimmten Abstand hängen und ihm sogar beim Spurwechsel folgen. Aus rechtlichen Gründen dürfen allerdings die Finger nur kurz vom (beheizten) Lenkrad genommen werden.

Zum Start gibt es die S-Klasse mit einem V6-Diesel mit 190 kW/258 PS, einem V8-Benziner mit 335 kW/455 PS und in zwei Hybrid-Versionen. Im S 400 arbeitet der mit einem 205 kW/306 PS starken V6-Benziner zusammen und im S 350 mit einem Vierzylinder-Diesel, der auf 150 kW/204 PS kommt. Diese Variante ist mit einem Normverbrauch von 4,4 Litern (CO2-Ausstoß: 115 g/km) die vorerst sparsamste in der Modellpalette. Den vorläufig höchsten Verbrauch hat der V8 im S 500 mit 8,6 Litern (CO2: 199 g/km).

"Es gibt auch nur wenige Produkte, die ihren Spitzen-Anspruch seit Generationen so überzeugend einlösen", warb Zetsche. Allein für die vorangegangene Baureihe hätten sich mehr als 500 000 Kunden entschieden. Das Auto sei für Mercedes-Benz laut Zetsche was das Lied "Satisfaction" für die Rolling Stones sei: "das wichtigste Symbol für den Ruf des Ganzen". Dabei verbrauche das Auto deutlich weniger Sprit als Keith Richards zu seinen besten Zeiten, alberte der Daimler-Chef.

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