Rüstungssparte wackelt

Nach dem Scheitern der Fusion zwischen EADS und BAE stellt Tom Enders, der Chef des Luft- und Raumfahrtkonzerns, die Zukunft des Militärgeschäftes in Frage. Derweil wächst der Ärger über die Bundesregierung

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Zwei Mitarbeiter des Unternehmens Cassidian, arbeiten in Manching (Oberbayern) in der Produktion an einem Eurofighter. Die geplatzte Fusion trifft die EADS-Rüstungstochter hart. Foto: dpa

EADS und BAE trauern nach dem Scheitern ihrer Fusionspläne einer verpassten Chance hinterher. Beide müssen nun ihre Probleme alleine lösen. Und das könnte für EADS unangenehme Folgen haben. Rund 133 000 Beschäftigte fragen sich: "Was nun?" Konzernchef Tom Enders stellt kurz nach dem Aus in einem Brief an die Mitarbeiter klar, dass nun das kriselnde Rüstungsgeschäft auf den Prüfstand muss.

Enders räumt ein, die Gegenwehr unterschätzt zu haben. "Ich bin bereit einzugestehen, dass ich nicht mit so heftigem Widerstand gegen diesen Zusammenschluss gerechnet habe, vor allem nicht aus Berlin", heißt es in dem Schreiben, das der dpa vorliegt.

Dort musste sich der forsche Ex-Fallschirmjäger wohl vor allem dem Regierungskoordinator für Luft- und Raumfahrt, Peter Hintze (CDU), geschlagen geben. Der studierte Theologe hat mit seiner Kritik an dem Milliarden-Deal nie hinterm Berg gehalten. Er sah deutsche Technik, deutsches Know-how und deutsche Jobs in Gefahr.

Vor allem aber sorgte sich die Bundesregierung wohl um den eigenen Einfluss auf den Konzern. Dabei sehen viele, auch in den Reihen der Union, durch das Scheitern deutsche Interessen massiv gefährdet. In Bayern, wo viele Standorte der Rüstungssparte Cassidian liegen, ist der Ärger besonders groß - und die Kritik besonders scharf.

Auch in Frankreich ist das Unverständnis groß. Paris habe das Projekt befürwortet, weil es ein Baustein auf dem Weg zu einer europäischen Verteidigungsgemeinschaft sei, kommentierte Verteidigungsexperte Jean-Pierre Maulny in der Zeitung "Les Echos".

Auch Großbritannien habe es gewollt, um die Wettbewerbsfähigkeit von BAE zu bewahren. Sogar über die heiklen Fragen der Anteilsverteilung hätten sich beiden Seiten geeinigt. Doch Berlin habe Nein gesagt, auch weil eine gemeinsame europäische Verteidigungspolitik nicht das große Ziel der Bundesregierung sei.

Aber auch an Enders gibt es Kritik. "Niemand versteht, warum es einem deutschen Manager nicht gelungen ist, sein Land davon zu überzeugen, dass die Hochzeit mit BAE interessant ist," kommentiert "Le Figaro".

In Deutschland ist diese Kritik leiser. Doch das krachende Scheitern stellt Enders zumindest infrage. Auch deswegen beeilte sich der Verwaltungsrat von EADS dem Deutschen die volle Unterstützung zuzusichern und EADS-Sprecher griffen sofort danach zum Telefon, um die gute Nachricht zu verbreiten. Eine Personaldebatte kann der Konzern derzeit überhaupt nicht gebrauchen, auch wenn es die Bundesregierung in Kauf genommen hat, mit ihrem Nein zu dem Zusammenschluss den forschen, aber durchaus angesehenen Enders erheblich zu beschädigen.

Dabei dürfte sich in Berlin das Interesse an einer Ablösung Enders" in Grenzen halten. Denn die komplizierte deutsch-französische Balance erschwert nicht nur die Einigung über Strategiefragen, sondern auch die Personalsuche. Was die volle Rückendeckung des Verwaltungsrates am Ende aber wert sein wird, muss sich zeigen.

Warum wohl am Ende Merkel den Deal verhindert habe, können sich dabei viele nur schwer erklären. Selbst in der Bundesregierung habe es Befürworter gegeben, heißt es. So soll es etwa im Haus von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) Unterstützung geben haben. Auch weil die Hoffnung groß war, die Folgen der eigenen Etatkürzungen bei Projekten von Cassidian durch die Fusion mit BAE abzumildern oder zumindest hinaus zu zögern. Seit langem wird hier um Streichlisten gerungen, an manchen Standorte herrscht Kurzarbeit.

Einfacher wird dieses Geschäft jetzt nicht, auch nicht die Suche nach Investoren. Das Scheitern der Fusion zeigt klar und deutlich, wie sehr der Konzern von nationalen Interessen abhängig ist. Voraussichtlich wird Enders nun sogar machtlos mit ansehen müssen, wie der Staatseinfluss auf das Unternehmen weiter wächst, wenn sich der Stuttgarter Großaktionär Daimler tatsächlich von Anteilen trennt.

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