Rezessionsgefahr geht um

Die deutsche Wirtschaft sieht sich Rezessionsgefahren gegenüber, heißt es im Herbstgutachten, das acht Forschungsinstitute für die Bundesregierung erstellten. Sie halbieren daher die Wachstumsprognose für 2013.

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Die Dauerkrise um den Euro und die schwächelnde Weltkonjunktur bremsen die Wirtschaftslokomotive Deutschland aus Sicht der führenden Forschungsinstitute empfindlich ab. Die Ökonomen erwarten für das kommende Jahr nur noch ein Wachstum von 1,0 Prozent. Damit halbierten sie ihre Prognose aus dem Frühjahr.

"Die Eurokrise hat auch die Wirtschaft in Deutschland erfasst", sagte Joachim Scheide vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Berlin. Die konjunkturelle Expansion werde in den letzten Monaten dieses Jahres schwach bleiben und erst im Verlauf nächsten Jahres leicht anziehen. Für 2012 rechnen die Forscher mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 0,8 Prozent und bleiben damit annähernd bei ihrer im April errechneten Prognose von 0,9 Prozent. Im Vorjahr war die deutsche Wirtschaft noch um 3 Prozent gewachsen.

Die acht Institute legen dabei eine allmähliche Stabilisierung der Lage im Euroraum zugrunde, was aber nicht gesichert sei. "Über den gesamte Prognosezeitraum gesehen, überwiegen die Abwärtsrisiken, und die Gefahr ist groß, dass auch Deutschland in eine Rezession gerät."

Auf dem deutschen Arbeitsmarkt werde sich "die Lage vorerst kaum mehr verbessern", sagte Scheide. "Da aber Fachkräfte gesucht sind", erwarten die Institute, dass die Unternehmen ihre Mitarbeiter halten. In diesem und im nächsten Jahr rechnen die Wirtschaftsforscher mit rund 2,9 Mio. Erwerbslosen und einer Quote von 6,8 Prozent. In ihrem Frühjahrsgutachten hatten sie noch einen Rückgang der Arbeitslosenquote von 6,6 Prozent auf 6,2 Prozent für 2013 vorhergesagt.

Die Inflationsrate erwarten sie in diesem Jahr bei 2,0 Prozent und im kommenden Jahr bei kaum veränderten 2,1 Prozent. Dessen ungeachtet sehen die Forschungsinstitute im Euro-Raum wachsende Gefahr, dass es mittelfristig zu stärkerer Geldentwertung kommen könne. Grund sei die Bereitschaft der EZB, unbegrenzt Anleihen von Schuldenstaaten zu kaufen. Eine galoppierende Inflation mit zweistelligen Raten sehe niemand, sagte Ökonom Scheide. Bei Raten von 5 bis 7 Prozent wäre die Stabilitätsunion aber nicht mehr existent.

Mit Blick auf das Euro-Krisenmanagement halten die Institute wachstumsfördernde Reformen sowie Haushaltskonsolidierung weiter für "den Königsweg". Darüber hinaus plädieren sie im Blick auf Griechenland für einen weiteren Schuldenschnitt. Es sei unwahrscheinlich, dass Athen seine Schulden jemals werde begleichen können, sagte Oliver Holtemöller vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle. Daher wäre das Beste, man käme zu einer weiteren Restrukturierung oder Insolvenzlösung unter Beteiligung der Gläubiger.

Das Gutachten für das Bundeswirtschaftsministerium hat eine Gruppe von Instituten erstellt, darunter auch das Ifo-Institut München, das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim, das Institut für Wirtschaftsforschung Halle und das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sagte, die deutsche Wirtschaft sei "weiterhin eine Säule der Stabilität im Euroraum." Um die Euro-Vertrauenskrise zu überwinden, sei strikte Finanzdisziplin nötig. Ihre eigene Herbstprognose will die Regierung am 17. Oktober vorlegen. Sie hatte im Frühjahr 0,7 Prozent Wachstum für dieses und 1,6 Prozent für das kommende Jahr vorhergesagt.

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