Preisstopp für Medikamente

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe will Mondpreise für neue Medikamente ausbremsen. Trotzdem soll Deutschland für die Pharmaindustrie ein attraktiver Forschungsstandort bleiben.

|
Die Pharmaindustrie bringt immer neue Arzneien auf den Markt. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe will horrende Preise verhindern.  Foto: 

Lange gab es kaum ein Mittel gegen Hepatitis C, an der in Deutschland im Jahr etwa 5000 Menschen neu erkranken. Im Herbst 2014 brachte der US-Hersteller Gilead Sciences Sovaldi in Europa auf den Markt. Der stolze Preis: 700 EUR für eine einzige Filmtablette. Drei Monate Behandlung eines Patienten kosteten damit etwa 60.000 EUR. Die Folge: Allein für Hepatitis-C-Mittel mussten die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) 2015 rund 1,3 Mrd. EUR ausgeben.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) steckt in der Zwickmühle: Einerseits will er am Prinzip festhalten, dass Kassenpatienten jedes Medikament bekommen, das einen Zusatznutzen bietet. Andererseits muss er die explodierenden Ausgaben der Kassen für Arzneimittel im Zaum halten. Sie stiegen allein im vergangenen Jahr um 4,6 Prozent auf 37 Mrd. EUR.

Dazu wurde 2011 ein neues Verfahren eingeführt: Die Hersteller dürfen für neue Medikamente nur im ersten Jahr den Preis frei festlegen. Danach müssen sie den Zusatznutzen gegenüber bestehenden Medikamenten nachweisen und auf dieser Basis den Preis mit dem Spitzenverband der Krankenkassen aushandeln. Inzwischen ist der Preis von Sovaldi auf 600 EUR gefallen.

Gröhe ist immer noch ein Dorn im Auge, dass einzelne Hersteller innerhalb des ersten Jahres riesige Umsätze machen. Daher hat er sich mit allen Beteiligten geeinigt, eine Umsatzschwelle einzuführen. Wird diese übersprungen, gilt der mit den Kassen ausgehandelte Preis rückwirkend von Anfang an. Der Chef des Verbands forschender Arzneimittelhersteller, Hagen Pfundner, ist erleichtert, dass die Preisbildung im ersten Jahr im Prinzip nicht angetastet wird. Jetzt wird über die Schwelle diskutiert, die im Lauf dieses Jahres per Gesetz festgelegt werden soll.

Im Gespräch sind 500 Mio. EUR Jahresumsatz. Doch Gröhe deutete in Berlin an, dass ihm dies zu hoch wäre; er tendiert zur Hälfte. Der Spitzenverband der Krankenkassen hielte es dagegen für einfacher, konsequenter und besser, die ausgehandelten Preise generell ab dem ersten Tag gelten zu lassen, also ohne Umsatzschwelle.

Die grundsätzliche Übereinkunft ist ein Ergebnis des "Pharmadialogs", mit dem Gröhe die Weichen für eine starke Forschung und Produktion von Arzneimitteln in Deutschland auch in Zukunft sichern will. Mit am Tisch saßen das Bundesforschungs- und das -wirtschaftsministerium, die Pharmaindustrie, Wissenschaftler sowie die Chemie-Gewerkschaft IG BCE.

Die Partner wollen unter anderem eine bessere Versorgung mit Arzneimitteln für Kinder erreichen. Denn häufig bekommen sie Medikamente für Erwachsene in geringerer Dosierung, auch wenn diese eine unterschiedliche Wirkung haben. Daneben ist Gröhe die Entwicklung neuer Antibiotika ein großes Anliegen. Gegen die vorhandenen sind immer mehr Patienten resistent, sie wirken also nicht mehr. Allerdings muss es das Ziel sein, mit den neuen Mitteln wenig Umsatz zu machen, damit sich nicht gleich neue Resistenzen entwickeln.

In Deutschland sind etwa 640 Pharma- und Biotechnologie-Unternehmen registriert, die rund 110.000 Mitarbeiter beschäftigen. 2014 erreichte die Produktion im Inland 30,4 Mrd. EUR. Ein Ziel der Regierung ist es, Existenzgründern bei neuen Produkten und innovativen Geschäftsmodellen unter die Arme zu greifen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Vollsperrung der A 8 in Richtung München nach schwerem Unfall

Am frühen Freitagmorgen ist es auf der Autobahn 8 bei Leipheim zu einem schweren Unfall zwischen zwei Autos und einem Lkw gekommen. Dabei wurden zwei Personen lebensgefährlich verletzt. Die Autobahn in Richtung München musste für mehrere Stunden voll gesperrt und der Verkehr umgeleitet werden. weiter lesen