Preisschere öffnet sich immer weiter

Selten war der Preisunterschied beim Rohöl größer: Die Nordsee-Sorte Brent ist derzeit um mehr als 22 Dollar teurer als die wichtigste US-Sorte.

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Am Rohölmarkt entwickeln sich die Preise in Europa und den USA immer weiter auseinander: Gestern stieg die Differenz zwischen den meistgehandelten Ölsorten, der Nordseesorte Brent und US-Öl der Marke West Texas Intermediate (WTI), auf mehr als 22 Dollar. Größer war der Unterschied zuletzt vor etwa einem Jahr.

Zurzeit kostet ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent rund 114 Dollar. Rekordpreise von mehr als 140 Dollar liegen zwar in weiter Ferne. Allerdings hat der Brentpreis seit diesem Sommer um rund 25 Prozent angezogen. Ein Fass der amerikanischen Ölsorte WTI kostet aktuell 92 Dollar und damit viel weniger als Nordseeöl.

Bis Anfang 2011 hatten sich die Ölpreise auf etwa gleichem Niveau bewegt. "Die Gründe für die aktuelle Entwicklung liegen in den USA, in Europa und der Golfregion", sagt Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank. Den viel geringeren Preis von US-Rohöl erklärt er vor allem mit der Angebotsseite: So produzieren die USA zurzeit so viel Öl wie seit 16 Jahren nicht mehr. Hinzu kommt, dass die Transport-Kapazitäten knapp sind, insbesondere über die wichtigen Ölpipelines. Aus diesem Grund kann das geförderte Rohöl nicht schnell genug an den Golf von Mexiko transportiert werden, um dort weiterverarbeitet zu werden. Entsprechend niedrig sind derzeit die Lagerbestände an Ölprodukten wie Benzin oder Heizöl.

Ganz anders sieht die Lage in Europa aus: In der Nordsee sorgen seit Wochen Wartungsarbeiten an zahlreichen Förderanlagen für eine Verknappung des Angebots. Noch wichtiger schätzen Beobachter die politischen Risiken in der Golfregion ein, aus der Europa einen guten Teil seines Rohöls bezieht. Ob nun der Streit um das iranische Atomprogramm, der Bürgerkrieg in Syrien oder die angespannte Lage in Libyen: "In Europa herrscht die Angst vor, dass es zu Angebotsengpässen kommen könnte. Das lässt den Ölpreis steigen", sagt Experte Weinberg.

Neben spezifischen Faktoren aus den USA und Europa gibt es auch Gründe, die die Rohölpreise generell stützen. Hierzu zählt in erster Linie die sehr lockere Geldpolitik nahezu aller großen Notenbanken. Dementsprechend üppig ist die Liquidität an den Finanzmärkten, wovon riskantere Anlageformen wie Rohstoffe profitieren.

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