Pflegeversicherung auch für Kinder

Alt und krank - das heißt gleich pflegebedürftig. Was aber oft aus dem Blick gerät: Auch Kinder sind davon betroffen. Eltern stehen dann häufig alleine da. Doch es gibt für sie Hilfen - wie die Pflegeversicherung.

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Auch Kinder können Pflegefälle sein. Foto: Victoria Bonn-Meuser/dpa

Pflegebedürftig - das sind vor allem Senioren. Dass diese Einschätzung nur zum Teil richtig ist, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts. Rund 90 000 der 2,34 Mio. Leistungsempfänger der Pflegeversicherung waren Ende 2009 erst 20 Jahre und jünger. Mehr als 99 Prozent von ihnen werden zu Hause von den Eltern betreut. Diese stehen vor ganz anderen Problemen als Angehörige, die ältere Menschen pflegen.

"Die Hauptursachen der Pflegebedürftigkeit von Kindern sind angeborene Erkrankungen und Komplikationen bei der Geburt", sagt Claudia Groth, Vorsitzende der Selbsthilfeorganisation Kinder Pflege Netz in Berlin. Wenn Eltern erfahren, dass ihr Kind ein Leben lang behindert und auf die Hilfe anderer angewiesen sein wird, ist das zunächst ein Schock. "In diesem Moment brauchen sie dringend psychologische oder seelsorgerische Hilfe", sagt Christa Büker, Professorin für Pflegewissenschaft an der Hochschule München.

Die Betroffenen sind häufig - anders als Angehörige von Senioren - völlig unvorbereitet mit dieser Situation konfrontiert. Hinzu kommt: Viele Eltern wissen nicht, dass sie einen Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung haben.

Am Anfang steht das Sammeln von Informationen. Bei Kindern gebe es ein breites Spektrum von sehr unterschiedlichen Beeinträchtigungen, sagt Büker - zum Beispiel verschiedene Gendefekte. Auf Einzelfälle, noch dazu im Kindesalter, sind Beratungsstellen und Pflegestützpunkte jedoch kaum vorbereitet. Eltern sind auf sich gestellt. Der Pflegealltag bedeutet für die Eltern eine körperliche und seelische Dauerbelastung. "Oft besteht im Alltag ein anderer Versorgungsbedarf als bei einem älteren Pflegebedürftigen", sagt Büker. Laut Statistischem Bundesamt ist etwa jedes fünfte betroffene Kind in Pflegestufe III oder darüber eingestuft. Hinzu kommt, dass Eltern Therapien und Förderkurse organisieren müssen.

Um diese Herausforderung zu meistern, brauchen die Pflegenden Entlastung. "Sehr hilfreich ist, einen Plan zu erstellen", sagt Edith Heyde, Vorstand im Berufsverband Kinderkrankenpflege Deutschland in Hannover. "Eine ganz wichtige Rolle spielt dabei das soziale Netzwerk aus Familie und Freunden."

Darüber hinaus gibt es in regional sehr unterschiedlicher Form professionelle Hilfe, etwa durch familienunterstützende Dienste. "In Krankenhäusern oder bei sozialpädiatrischen Zentren kann man Kinderkrankenpflegedienste erfragen", rät Heyde. Sie könnten stundenweise aushelfen.

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