Personalchef stundenweise

Ein Personalchef muss nicht sein. Schließlich gibt es selbständige Personalleiter. Vor allem kleine und mittlere Firmen greifen auf diese zurück. Die Personalleiter machen dann als Freiberufler ihren Job.

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Ralf Riesner hat etwa zehn Visitenkarten unterschiedlicher Arbeitgeber. Alle sind aktuell und jede weist ihn als Personalleiter aus. "Ich muss ganz schön aufpassen, dass ich stets die richtige Karte ziehe."Riesner zieht als selbständiger Personalleiter durch Deutschland. Vormittags in der einen, nachmittags erledigt er in der anderen Firma anstehende Personalarbeit. Mitarbeitersuche, Arbeitsverträge schreiben, Trennungsgespräche führen, das Management in Personalfragen beraten. "Im Unterschied zum Berater setze ich meine Empfehlungen auch um." Riesner gibt zwar gerne gute Ratschläge. Er ist aber vor allem Praktiker mit starkem Drang zur Abwechslung: unterschiedliche Branchen, variierende Firmengrößen, ganz unterschiedliche Aufgabenstellungen an wechselnden Orten. Das ist Berufsalltag selbständiger Personalleiter.

Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre arbeitete der ehemalige Leistungssportler in einem Konzern in der Personalabteilung. Nach einigen Jahren wechselte er zu einem Mittelständler als Personalleiter. "Damals war ich 30 Jahre, hatte vier Kinder, ein Haus gebaut und fragte mich bei einem Glas Wein abends auf der Terrasse mit meiner Frau: Und was kommt jetzt?"

Sein damaliger Arbeitgeberhat etwa 600 Mitarbeiter in mehreren Tochtergesellschaften in Deutschland. "Ich betrieb mobile Personalarbeit, einige Stunden hier, mehrere Tage dort." Riesner stellte fest, dass Personalarbeit auch möglich ist, ohne ständig vor Ort und in der Firma angestellt zu sein. In der Zeit lernte er einen Personalleiter kennen, der bereits selbständig war. Die beiden tauschten sich aus, kurz darauf kündigte Riesner. Das war vor zwölf Jahren, seitdem ist er selbstständiger Personalleiter und lebt ganz gut davon, wie er sagt.

Etwa 200 selbständige Personalleiter gibt es in Deutschland, schätzt Lothar Hoss, Vorstand des Bundesverbands Selbständiger Personalleiter, dem auch Riesner angehört. "All unser Wissen aus großen Unternehmen bieten wir kleinen und mittelständischen Betrieben an", sagt der Verbandsvorstand. Fachkräftemangel, Personalentwicklung, Überalterung, Konfliktmanagement, das alles seien Themen, die auch in kleinen Firmen eine große Rolle spielen.

Typische Auftraggeber für selbständige Personalleiter sind Firmen zwischen 30 und 300 Mitarbeitern, die sich einen eigenen Personalchef in Festanstellung nicht leisten wollen oder können. Die Firma Bellin zum Beispiel, Riesners Kunde, mit Sitz in der Nähe von Freiburg. Bellin ist ein Software- und IT-Beratungs-Unternehmen. Die Firma ist in sechs Ländern vertreten und hat etwa 60 Mitarbeiter, Riesner ist seit vier Jahren deren Personalchef.

"Damals hatte Bellin etwa die Hälfte an Mitarbeitern, es ist ein wachstumsstarkes Unternehmen", so der Freiberufler. Sein Schwerpunkt liegt in der Rekrutierung von IT-Spezialisten und dem Entwickeln einer Arbeitgebermarke. "Mit Ralf Riesner haben wir einen professionellen Human-Resource-Manager. Wir profitieren von seiner Erfahrung ohne einen eigenen Personalleiter einstellen zu müssen", sagt Firmenchef Martin Bellin.

Die Konstellation mit dem selbständigen Personalleiter schätzt er, "weil Riesner aufgrund seiner Unabhängigkeit auf Augenhöhe mit allen Mitarbeitern und der Geschäftsleitung kommunizieren kann." Der Personaler ist alle zwei Wochen einen Tag bei Bellin, zudem wenn Not am Mann ist, etwa um zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern zu vermitteln.

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