Opelaner wehren sich

Die Verlagerung der Opel-Astra-Fertigung nach England und Polen schlägt an den deutschen Standorten weiter Wellen. Insbesondere in Bochum geht die Angst vor einer Werksschließung um.

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  • Opelaner stehen nach der außerordentlichen Betriebsversammlung in der Vorhalle. Die Beschäftigten setzen sich für den Erhalt des Bochumer Opelwerkes ein. Foto: dpa 1/2
    Opelaner stehen nach der außerordentlichen Betriebsversammlung in der Vorhalle. Die Beschäftigten setzen sich für den Erhalt des Bochumer Opelwerkes ein. Foto: dpa
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Die britische Regierung hat nach Informationen des Opel-Betriebsrats den Zuschlag für die Astra-Fertigung in England möglicherweise mit unerlaubten Subventionszusagen erkauft. Der Autobauer hatte in den vergangenen Woche bekanntgegeben, dass das Kompaktmodell künftig nicht mehr im Stammwerk Rüsselsheim sondern von 2015 an im britischen Ellesmere Port und in Gliwice (Polen) gebaut werden soll.

Derartige Subventionszusagen "würden gegen das EU-Beihilferecht verstoßen, da sie nach ernstzunehmenden Hinweisen an die Produktentscheidung für Ellesmere Port gekoppelt sind", sagte der Opel-Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug. Aus dem Europaparlament sei bereits eine entsprechende Anfrage an die EU-Kommission gestellt worden.

Er betonte, dass Kostenvorteile in der Produktion nicht der Grund für die Entscheidung für den britischen Standort gewesen sein können. Jährlich sollen dort mindestens 160 000 Fahrzeuge vom Band rollen. "Fakt ist, dass das modernste Werk im Opel/Vauxhall-Verbund - nämlich Rüsselsheim - circa 219 EUR pro Fahrzeug günstiger produziert als Ellesmere Port, und dass die Qualität im Vergleich hervorragend ist."

Unterdessen bangen die Mitarbeiter des von Schließung bedrohten Opel-Werks in Bochum weiter um ihre Zukunft. "Es gibt keine Entscheidung zu Bochum nach 2014", sagte Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gestern auf einer Betriebsversammlung. Bis zum 28. Juni werde das Management dem Aufsichtsrat ein Konzept vorlegen, aus dem auch die Zukunft des Bochumer Standortes hervorgehe. Die Beschäftigten reagierten mit Wut und Pfeifkonzerten.

Der Bochumer Betriebsrat verlangt eine Zusage, dass der bisher im Ruhrgebiet gefertigte Familienvan Zafira für die gesamte Laufzeit des Modells im Werk bleibt. Hintergrund ist die geplante Verlagerung der Astra-Produktion aus dem Stammwerk Rüsselsheim ins Ausland. Arbeitnehmervertreter befürchten nun, dass die Bochumer Zafira-Produktion von 2015 an auf die freigewordenen Kapazitäten in Rüsselsheim verlagert und Bochum geschlossen wird. Stracke wies das auf der Versammlung zurück: "Ich habe zu keinem Zeitpunkt den Zafira von Bochum in Rüsselsheim angeboten."

Er lobte ausdrücklich den Qualitätsstandard des Bochumer Werks mit knapp 3300 Beschäftigten. Andererseits müsse das Unternehmen die Kosten in den Griff bekommen und schnell in die schwarzen Zahlen kommen. Opel gehört zum US-Autoriesen General Motors (GM), der umfangreiche Sparmaßnahmen bei dem verlustreichen Autobauer plant. Bis 2014 sind die deutschen Standorte vertraglich gesichert.

Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel kündigte an, ohne klare Perspektive für das Werk den für 2010 bis 2014 vereinbarten zeitweisen Lohnverzicht etwa beim Weihnachtsgeld nicht mehr mitzutragen. Für das Bochumer Werk seien das gut 20 Mio. EUR jährlich. "Wir sind nicht bereit zu Einsparungen, wenn mit unserem Geld im Ausland Werke gebaut oder Managerboni bezahlt werden."

Einenkel kritisierte das Management zu Beginn der Betriebsversammlung scharf. Die Entscheidung, die Produktion des Kompaktwagens Astra ins Ausland zu verlagern, sei verhängnisvoll. "Das werden Sie bei den Verkaufszahlen in Deutschland merken", sagte er zu Stracke.

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