Online-Dienst Netflix verändert Fernsehen

Netflix ist da. Wie das Kaninchen auf die Schlange starren konkurrierende Streaming-Dienste und TV-Sender auf das US-Unternehmen. Zieht es die Deutschen vom Fernseher noch weiter ins Internet?

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„Hier ist das Deutsche Fernsehen mit der Tagesschau.“ Diese Worte waren lange Zeit nach einem Gong in Millionen Wohnzimmern zu hören. 20 Uhr – der Fernsehabend begann. 20.15 Uhr – der Spielfilm folgte. Diese zeitliche Fixierung gibt es heute noch. Allerdings seltener. Nach einer Umfrage des IT-Branchenverbandes Bitkom schauen drei von vier Internetnutzer Videos online an. Für Bitkom-Präsidenten Christian Illek verändern diese Streaming-Angebote Fernsehgewohnheiten dauerhaft: „Per Streaming bestimmen Verbraucher, wann und wo sie Filme, Serien und Nachrichten sehen.“

Jetzt dürfte die Entwicklung einen gewaltigen Schub bekommen. Gestern schnellte der US-Anbieter Netflix in Deutschland aus dem Block. 7,99 müssen Kunden hierzulande monatlich zahlen, um sich beliebig viele Filme anzusehen auf: Fernseher mit Web-Anschluss, Tablet-PC, Handy, Spiel-Konsole, Set-Top-Box, Blu-Ray-Player und Computer. Fernseher können dazu entweder mit einem internetfähigen Gerät oder – wenn sie neuer sind – direkt mit dem Web verbunden werden. 8,99 kosten HD-Inhalte mit zwei Streams.

Unter den Angeboten sind – und das ist das Besondere – auch aufwändige Eigenproduktionen. Die preisgekrönte Polit-Serie „House of Cards“ und die Frauengefängnis-Comedy „Orange is the New Black“ ist für 50 Mio. Kunden in 40 Ländern zu sehen.

Zwar gibt es Streaming-Dienste hierzulande schon länger. Doch Netflix spielt in einer anderen Liga. In den USA zog das Unternehmen bereits mühelos am einstigen Branchenprimus Hulu vorbei. Regelmäßig wird ein Drittel der US-Breitbandkapazität von den Nutzern belegt. Das Unternehmen aus dem kalifornischen Los Gatos arbeitet in Europa in immer mehr Ländern mit speziell auf Zuschauer zugeschnittenen Angeboten. Für den Chef des Kabelanbieters Unitymedia-Kabel-BW sorgt Netflix „für frischen Wind in der Branche, muss aber erst noch beweisen, was es auf dem deutschen Markt drauf hat“.

Eine Alternativen zu Netflix ist etwa Maxdome für ebenfalls 7,99 im Monat. Gezeigt werden neben US-Serien und Filmen deutsche Serien der Pro-Sieben-Sat1-Gruppe. Wachtever (8,99 ) bringt ein breiteres Angebot von Filmen und auch Serien. Ähnliches bietet Instant Video von Amazon für 7,99 .

Netflix startete 1997 mit einem Versand von DVDs, die per Post zurückgeschickt werden mussten. 2007 bot der Dienst den Abruf einzelner Produktionen online an. Später kam die Film-Flatrate dazu. Das Neue war: Es wurden nicht einzelne Folgen von Serien bereitgestellt, sondern gleich vollständige Staffeln. Derzeit hat Netflix in den USA harte Konkurrenz durch andere Streaming-Anbieter und – nach wie vor – durch illegale Angebote.

 

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