Nur zwölf Krankenkassen im Land haben Beitragssatz nicht erhöht

Nur gut ein Fünftel der gesetzlichen Krankenkassen, die in Baden-Württemberg aktiv sind, hat ihren Beitragssatz am 1. Januar nicht erhöht. Doch ein Wechsel ist einfach und kann viel Geld sparen.

|
Die Grafik zeigt die Krankenkassen, die von allen gesetzlich Versicherten in Baden-Württemberg gewählt werden können. Angegeben sind die Kassenbeiträge 2016 sowie die Vorjahresbeiträge.  Foto: 

Die Metzinger Betriebskrankenkasse (BKK) hat auch 2016 den niedrigsten Beitragssatz aller gesetzlichen Kassen in Deutschland. Als einzige gibt sie sich in diesem Jahr – wie schon 2015 – mit 14,6 Prozent zufrieden. Das hat ihr viele neue Versicherte beschert: Ihre Zahl verfünffachte sich innerhalb eines Jahres. Mit 10.000 Versicherten ist sie aber immer noch eine der kleinsten Kassen bundesweit.

Alle anderen Anbieter verlangen einen Zusatzbeitrag, an dem sich der Arbeitgeber nicht beteiligt. Ihr Anteil ist bei 7,3 Prozent eingefroren. Die Arbeitnehmer und Rentner müssen daher auch die Beitragserhöhungen alleine tragen, die bei vielen Krankenkassen am 1. Januar 2016 in Kraft traten. In Baden-Württemberg trifft dies 46 der 58 Kassen, die von allen Arbeitnehmern und Rentnern gewählt werden können, die in diesem Bundesland wohnen. Im Schnitt haben sie 0,2 Prozentpunkte aufgeschlagen.

Allerdings fällt das Bild wesentlich differenzierter aus als 2015. Damals konnten die Kassen nach Jahren eines bundesweiten Einheitsbeitrags erstmals wieder den Zusatzbeitrag selbst festlegen. Nur die Untergrenze ist mit 14,6 Prozent fix. Im vergangenen Jahr verlangten im Südwesten mit 28 Kassen fast die Hälfte 15,5 Prozent, was knapp über dem bundesweiten Durchschnitt lag. Für 2016 hatte das Gesundheitsministerium einen Anstieg um 0,2 Prozentpunkte im Schnitt vorhergesagt. Nach einer Übersicht von krankenkassen.net liegt er tatsächlich im Mittel bei 15,6 Prozent.

So viel verlangen in Baden-Württemberg 9 Kassen, darunter mit der AOK Baden-Württemberg auch der Marktführer. Seine Vertreterversammlung hatte den Beitrag angesichts eines deutlichen Überschusses im vergangenen Jahr nur um 0,1 Prozentpunkte erhöht. Der am häufigsten verlangte Satz im Südwesten ist 15,7 Prozent. Ihn hat mit der Barmer GEK auch der bundesweit zweitgrößte Anbieter.

Als Grund für die Erhöhungen nennen die Kassen steigende Kosten. Schon 2015 hätten sie für die Versorgung ihrer Versicherten mehr ausgegeben, als sie aus dem Gesundheitsfonds erhalten hätten. Hinzu kämen der medizinische Fortschritt, die älter werdende Bevölkerung und neue ausgabenträchtige Gesetze.

Besonders groß fiel der Aufschlag bei der DAK aus, die zu den größten Kassen gehört: Sie musste 0,6 Prozentpunkte zulegen und ist jetzt mit 16,1 Prozent eine der teuersten. Als wesentlichen Grund nannte sie, dass sie für besonders ausgabenintensive Patienten viel zu wenig Geld vom Gesundheitsfonds erhalte.

Der Wechsel der Krankenkasse kann viel Geld sparen: Wer von der Viactiv, die mit 16,3 Prozent am meisten verlangt, zur Metzinger BKK geht, zahlt 864 im Jahr weniger. Bei 3000 Brutto-Monatsgehalt entsprechen 0,1 Prozentpunkte Erhöhung monatlich 3 Euro.

Der Wechsel geht einfach: Erhöht die Kasse ihren Beitrag, gibt es ein Sonderkündigungsrecht. Wer es noch im Januar nutzt, kann zum 1. April wechseln. Gesetzliche Kassen können niemanden wegen des Alters oder Krankheiten ablehnen. Allerdings haben sie unterschiedliche Zusatzleistungen. So zahlen manche für alternative Medizin oder für Zahnreinigung, oder sie bieten einen Bonus.

Da die Erhöhung die Arbeitnehmer und Rentner tragen müssen, fordern SPD-Politiker eine Rückkehr zur vollen paritätischen Finanzierung durch die Arbeitgeber. Damit haben sie aber bei der Mehrheit der Union keine Chancen.

Rat im Internet

Alle Anbieter Die komplette Liste aller Krankenkassen in Deutschland samt der Höhe des Zusatzbeitrags ist im Internet unter www.gkv-spitzenverband.de zu finden. Von dort aus gibt es einen direkten Link zu allen Anbietern. Außerdem bieten Vergleichsportale wie krankenkassen.de oder krankenkasseninfo.de ihre Hilfe an. Kostenpflichtigen Rat bietet zudem die Stiftung Warentest unter test.de.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Kripo-Beamter der Ulmer Polizei vor Gericht

Wegen Strafvereitelung und Unterschlagung von Geldbußen in zig Fällen muss sich ein Polizist vor der Justiz verantworten. Der Angeklagte bestreitet alles. weiter lesen