Nur viele private Versicherer drehen an der Beitragsschraube

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Unerfreuliche Post haben viele privat Krankenversicherte in den letzten Wochen bekommen: Ihre Prämien steigen Anfang 2017 kräftig, im Schnitt um 11 bis 12 Prozent, teilweise noch mehr. Das trifft etwa zwei Drittel der 8,8 Mio. Privatversicherten. Unerwartet stabil bleiben dagegen die Beiträge der meisten gesetzlichen Krankenkassen. Grund sind die völlig unterschiedlichen Systeme und unerwartete Entwicklungen.

Noch im Sommer hatte der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) damit gerechnet, dass der durchschnittliche Beitragssatz von derzeit 15,7 Prozent im nächsten Jahr um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte klettert. Denn die Ausgaben drohen deutlich zuzunehmen. Tatsächlich geht Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) jedoch aufgrund der Prognose des GKV-Schätzerkreises davon aus, dass der Satz unverändert bleibt.

Das hat zwei Gründe: Zum einen entwickeln sich die Beitragseinnahmen durch die steigende Beschäftigung günstiger als erwartet. Zum anderen bekommen die Kassen 2017 eine einmalige Finanzspritze von 1,5 Mrd. € aus dem Gesundheitsfonds. Allerdings waren sie wenig begeistert, dass Gröhe dies mit den Kosten der Flüchtlinge und der elektronischen Gesundheitskarte begründete. Vielmehr hatten sie den Verdacht, dass er so eine Beitragserhöhung im Wahljahr vermeiden wollte.

Trotzdem ist es möglich, dass einzelne Kassen an der Beitragsschraube drehen, weil ihre Ausgaben besonders stark steigen. Die großen Anbieter wie Techniker Krankenkasse, Barmer GEK und DAK haben dies bereits ausgeschlossen. Bei kleineren Betriebs- und Innungskrankenkassen könnte es anders aussehen. Beschlüsse fallen aber erst im Lauf des Dezembers.

Die privaten Krankenversicherer haben nicht nur mit steigenden Ausgaben zu kämpfen, sondern auch mit den Rücklagen fürs Alter ihrer Kunden. Diese Vorsorge halten sie eigentlich für den großen Vorteil ihres Systems. Immerhin haben sie 189 Mrd. € angesammelt, weitere 30 Mrd. € bei der privaten Pflegeversicherung. Doch in Zeiten von Minizinsen haben sie immer größere Probleme, eine so hohe Verzinsung zu erreichen, wie sie in ihrer Kalkulation unterstellt haben. Wenn absehbar ist, dass ihnen das mittelfristig nicht mehr gelingt, müssen sie die Beiträge erhöhen. Damit sie aktiv werden können, reichen allerdings die Zinsprobleme allein nicht aus.

Vielmehr ist dies nur möglich, wenn auch ihre laufenden Ausgaben dies erfordern. Zudem muss je nach Tarif eine Erhöhung von mindestens 5 bis 10 Prozent zusammenkommen, ehe sie tatsächlich mehr verlangen können. Das führt dazu, dass ihre Prämien teilweise jahrelang konstant bleiben, dann aber auf einen Schlag umso stärker steigen, was für entsprechende negative Schlagzeilen sorgt. Alle Bemühungen, dieses System zu ändern, haben bisher nicht gefruchtet.

Gegen drastisch steigende Beiträge gibt es für privat Krankenversicherte mehrere Auswege. Möglich ist der Wechsel in einen anderen Tarif. Ab 60 müssen die Firmen von sich aus anbieten, welche Alternativen es gibt; viele tun dies bereits ab 55. Vorher müssen sie diese auf Anfrage nennen. Dabei gilt es für den Versicherten, die Leistungen genau zu vergleichen. Sind sie höher, kann eine Gesundheitsprüfung erforderlich sein. Zudem ist es möglich, in den Standard- oder Basistarif zu wechseln. dik

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