Noch eine Woche Galgenfrist

Ohne einen Investor wird es mit Schlecker nicht weitergehen. Zwei mögliche Käufer sind noch in Verhandlungen. Ihre Kaufangebote sind den Gläubigern zu niedrig. In einer Woche wird alles entschieden sein.

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Anfangs optimistisch, inzwischen ziemlich ernüchtert und enttäuscht: Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. Foto: Volkmar Könneke

Ja, er sei sehr ernüchtert, sagte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz gestern am frühen Abend. Seinen Optimismus, die Drogeriemarktkette Schlecker wenigstens im Kern zu erhalten, habe er inzwischen verloren. Die größte Ernüchterung ist für ihn, dass bislang 4400 der gekündigten Schlecker-Mitarbeiterinnen Kündigungsschutzklage eingereicht haben - jede Zweite. Vor allem dies habe den angestrebten Verkauf des Unternehmens an einen Investor bislang verhindert.

Nach der Sitzung des Gläubigerausschusses gestern ist die Lage "sehr ernst", sagte Geiwitz. Aber sie ist noch nicht hoffnungslos. Genau eine Woche Galgenfrist haben beide Seiten noch, sich auf einen Kauf beziehungsweise Verkauf zu einigen. Die verbliebenen zwei Kaufinteressenten - darunter der Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen - bieten bislang weniger als Schleckers einzelne Bestandteile im Falle einer Zerschlagung wert sind. Deshalb lehnten die Gläubiger - darunter vor allem die Kreditversicherung Euler Hermes und die Lieferantengruppe Markant - die beiden Angebote gestern ab.

Auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ist offenbar noch nicht bereit, beim Lohnverzicht der verbliebenen 14 300 Beschäftigten dem Insolvenzverwalter weiter entgegenzukommen: Geiwitz fordert 15 Prozent, Verdi bietet 10,5 Prozent. Der Insolvenzverwalter hält an seiner Forderung fest und begründet sie damit, dass Schlecker bei den Personalkosten um 20 Prozent teurer sei als die Konkurrenz.

Wenn sich beide Seiten bis am kommenden Freitagvormittag nicht einigen, "sind wir leider gezwungen, den Betrieb stillzulegen", sagte Geiwitz wörtlich. Dann wäre der einstmals größte Drogeriemarkt Europas nur noch Geschichte und 14 300 Mitarbeiter würden umgehend ihren Arbeitsplatz verlieren.

Ganz anders die Situation beim Schlecker-Tochterunternehmen Ihr Platz. Dort hat man sich laut Geiwitz geeinigt: Ein Investor - aber nicht einer der beiden Schlecker-Kaufinteressenten - wird das Unternehmen kaufen und weiterführen. Lediglich Formalitäten sind noch zu erledigen, weswegen der Insolvenzverwalter den Investor noch nicht namentlich nennen wollte.

Auch hier zeigte sich die Bedeutung der Kündigungsschutzklagen. Bei Ihr Platz klagten nur eine Handvoll Mitarbeiter gegen ihre Entlassung - "3 Prozent" von 650, sagte Geiwitz, während es bei Schlecker 50 Prozent seien. Gegen diese individuellen Klagen könne er wenig machen. Aber sie gefährdeten die Sanierung entscheidend. Geiwitz meint damit: Kaum ein Investor werde ein Unternehmen kaufen, bei dem die arbeitsrechtlichen Dinge in einem solch großen Umfang noch nicht geklärt sind.

Bei den übrigen Aspekten der so genannten Restrukturierung könne man durchaus Erfolge vermelden: "Beim Umsatz sind wir besser als geplant", beim Ertrag allerdings müsste sich der Konzern noch verbessern. Unterm Strich mache Schlecker weiterhin Verluste, allerdings längst nicht mehr wie vor der Insolvenz, als ein Jahresverlust von 200 Mio. EUR zu Buche schlug; im kommenden Jahr würde sich dieser Verlust auf 20 Mio. EUR verringern.

Wenn das Unternehmen aber weiter Verluste schreibt, kann der Insolvenzverwalter und wollen es die Gläubiger nicht mehr weiter führen. Dies könnte nur noch ein Investor machen. Er hat für diese Entscheidung noch eine Woche Zeit.

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Die Schlecker-Pleite

2012 meldete Schlecker, Europas ehemals größte Drogeriemarktkette, Insolvenz an. Damals hatte Schlecker noch 7000 Filialen und etwa 30.000 Mitarbeiter.

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