Neuling und alter Fuchs: Rainer Dulger und Berthold Huber

In der Metall-Tarifrunde sollten am Dienstag die Bayern die Kastanien aus dem Feuer holen. Doch den Segen mussten die Chefs der beiden Verbände geben. Berthold Huber und Rainer Dulger im Porträt.

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Nachdem die vierte Verhandlungsrunde in Baden-Württemberg am Montagabend, wie berichtet, ohne Ergebnis zu Ende gegangen war, konzentrierten sich die Hoffnungen auf die Metall-Tarifparteien in Bayern. Sie traten gestern in München zusammen, bis zum Redaktionsschluss dieser Seite gab es noch keine Einigung. Die Grundlagen für die Gespräche hatten zuvor Südwestmetall und IG Metall in Böblingen bei Stuttgart gelegt.

Ein Knackpunkt war der Wunsch der Arbeitgeber, Abweichmöglichkeiten vom Tarifvertrag durchzusetzen. Hintergrund ist die sehr unterschiedliche Lage der Unternehmen. Die Arbeitgeber bieten 2,3 Prozent mehr Geld für 13 Monate bei zwei Nullmonaten. Die IG Metall fordert für die 3,7 Mio. Beschäftigten der Branche 5,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt für zwölf Monate. Bei den Verhandlungen in München saß sich auch das Spitzenpersonal der bundesweiten Organisation gegenüber - hier IG-Metall-Chef Berthold Huber, dort der neue Gesamtmetall-Chef Rainer Dulger.

Berthold Huber, IG-Metall-Chef: Er schließt in München wohl den letzten Tarifabschluss seines Gewerkschafterlebens ab. Möglicherweise noch in diesem Jahr will der 63 Jahre alte Schwabe abtreten. Gemeinsam mit seinem designierten Nachfolger und jetzigen Zweiten Vorsitzenden Detlef Wetzel hat Huber die größte Einzelgewerkschaft Europas zu alter Stärke zurückgeführt. Der Mitgliederschwund ist gestoppt, die Streikkasse voll und die Machtposition in der Schlüsselbranche Metall und Elektro abgesichert.

In das Klischee des wortgewaltigen Gewerkschaftsbosses passt der eher stille und nachdenkliche Huber immer noch nicht. In seiner Zeit an der Gewerkschaftsspitze hat der schmale Schwabe seit 2007 alle Höhen und Tiefen mitgemacht und sich dabei als Krisen-Manager profiliert: Vom beispiellosen Boom der exportstarken Metall- und Elektrobranche im Jahr 2008 ging es direkt in die von der Lehman-Pleite ausgelöste Weltwirtschaftskrise.

Huber war ein gefragter Ratgeber in der Opel-Krise, in Kanzlerrunden oder bei der Rettung von wichtigen Unternehmen wie Continental und Schaeffler. Er gilt als wichtiger Impulsgeber für die Abwrackprämie im Krisenjahr 2009. Huber sitzt in den Aufsichtsräten von Siemens, VW, Audi und Porsche.

Der streng katholisch erzogene Ingenieurssohn aus Ulm hatte es nach dem Abitur als Werkzeugmacher schon mit 28 Jahren zum Betriebsratsvorsitzenden beim Busbauer Kässbohrer gebracht. Doch Huber verließ die gerade Linie des Funktionärslebens und studierte in Frankfurt Geschichte und Philosophie. Nach der Wende baute er die IG Metall in Sachsen auf, bis er aus familiären Gründen - er musste sich um seine kleine Tochter kümmern - in den Westen zurückkehrte.

Während seiner Zeit als Bezirkschef in Stuttgart von 1998 bis 2003 verhandelte das SPD-Mitglied wegweisende Abschlüsse.

Rainer Dulger, Chef von Gesamtmetall: Obwohl er als Gesamtmetallchef vor seinem ersten Tarifabschluss steht, ist Dulger mit seinen langjährigen Erfahrungen im Dauer-Pilotbezirk Baden-Württemberg längst ein erfahrener Verhandler. Seit 2004 mischt der Co-Chef der Heidelberger ProMinent Dosiertechnik GmbH im Vorstand von Südwestmetall mit, von 2009 bis 2012 als Vorsitzender, der dann im vergangenen Jahr als Nachfolger von Martin Kannegiesser nach Berlin wechselte. Der 49-Jährige hat seitdem viele Interviews gegeben, um sich außerhalb der Tarifszene bekanntzumachen.

Zu seinen vordringlichen Aufgaben zählt Dulger, die Tarifverträge an die moderne Arbeitswelt anzupassen. Den Verträgen seien noch immer die Denkmuster der Massenfertigung in der Industrie der 50er Jahre anzumerken, lautet eine der Thesen des Zwei-Meter-Mannes.

Praktische Erfahrung hat der verheiratete Vater zweier Kinder genug: Dulger leitet seit 1998 zusammen mit seinem Bruder Andreas das vom Vater gegründete Unternehmen, das Systeme zur Dosierung von Flüssigkeiten herstellt. Der promovierte Diplom-Ingenieur ist für die Produktion zuständig und bereist regelmäßig die Standorte des Unternehmens in China, Indien oder den USA. Rund 2300 Mitarbeiter zählt die Gruppe mit einem Umsatz von rund 300 Mio. EUR.

Ursprünglich hatte Dulger Pilot werden wollen, hat sich dann aber doch für den väterlichen Betrieb entschieden, in dem er praktisch aufgewachsen sei. Für sein Leben hat er sich nach eigener Aussage klare Prioritäten gesetzt. "In erster Linie bin ich Familienvater und Ehemann, in zweiter Linie bin ich Unternehmer und in dritter Linie Verbandsfunktionär."

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