Nachwuchs als Herausforderung

Der Nachwuchs, ob Lehrlinge oder Firmeninhaber, ist für den neuen Handwerkspräsidenten Hans Peter Wollseifer eines der wichtigsten Themen. Der Rheinländer kennt die Probleme aus eigener Erfahrung.

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Hans Peter Wollseifer ist der neue Handwerkspräsident.  Foto: 

Lieber solide Wertarbeit abliefern als Luftschlösser bauen - so charakterisiert Hans Peter Wollseifer das Handwerk. Es könnte auch das Motto des 58-Jährigen sein, der seit Jahresbeginn Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) ist. Der Rheinländer wurde Nachfolger von Otto Kentzler (72), der den Spitzenverband des Handwerks neun Jahre lang leitete, hoch geschätzt von der Bundeskanzlerin: Angela Merkel (CDU) kam persönlich zur Amtsübergabe und lobte, die von Kentzler initiierte Imagekampage für das Handwerk - "die Wirtschaftsmacht von nebenan" - sei gelungen und habe für ein Wir-Gefühl gesorgt.

Kentzler hat Wollseifer ein solides Fundament hinterlassen. Doch einfach wird es der neue Präsident nicht haben: Das Handwerk kämpft mit fehlendem Nachwuchs, unter anderem weil junge Leute lieber studieren, und die EU-Kommission in Brüssel stellt die Meisterprüfung als Voraussetzung zum Führen von Handwerksbetrieben in Frage.

Wollseifer kennt viele Probleme aus eigener Anschauung. Mit 21 Jahren hatte er gerade die Meisterprüfung im Maler- und Lackiererhandwerk abgelegt und wollte eigentlich in Köln Architektur studieren. Doch nach dem plötzlichen Tod seines Vaters übernahm er den elterlichen Drei-Mann-Malerbetrieb in Hürth bei Köln. Er baute ihn zu einem Unternehmen mit 100 Mitarbeitern aus, das bundesweit tätig war. Zudem gründete er weitere Betriebe, so einen Spezialgerüstbauer.

Doch dann wurde klar, dass weder sein Sohn noch seine Tochter die Familientradition fortführen, sondern Medizin beziehungsweise Politologie studieren wollten. Daher verkaufte Wollseifer die Unternehmen, auch in der Hoffnung, nach 33 Jahren mit 70-Stunden-Wochen mehr Freizeit zu bekommen: "Man muss im Leben auch Türen hinter sich zu machen können." Nur sein Sachverständigen-Büro und eine kleine Immobilien- und Projektentwicklungs-Gesellschaft führte er weiter.

Doch ganz ohne Handwerk ging es nicht: Ende 2009 gründete er einen neuen kleinen Maler- und Lackiererbetrieb. Das war letztlich die Basis für seine Wahl zum Handwerkspräsidenten in Köln im Jahr darauf. Dies wurde zum Sprungbrett an die Spitze des ZDH. Darum musste er heftig kämpfen, denn er hatte zwei Gegenkandidaten, unter anderem seinen Stuttgarter Kollegen Rainer Reichhold, der allerdings als erster ausschied.

Jetzt stellt sich Wollseifer darauf ein, mindestens drei Tage pro Woche fürs Handwerk unterwegs zu sein, ob in Berlin, Brüssel oder in ganz Deutschland. Als erstes muss er sich viel mit den sozialpolitischen Plänen der neuen Bundesregierung auseinandersetzen vom Mindestlohn mit möglichen Auswirkungen auf den Nachwuchs bis zur Rente mit 63 - letztlich alles Themen, die über die Zukunft des Handwerks entscheiden.

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