Moodys nimmt Bundesländer aufs Korn

Die Warnschüsse von Moodys richten sich jetzt auch gegen mehrere Bundesländer: So stuft die Ratingagentur den Ausblick auch für Baden-Württemberg und Bayern auf"negativ" herunter.

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Die Abwärtsspirale in der Eurozone dreht sich weiter: Nachdem die US-Ratingagentur Moody"s die Spitzenbonität von Deutschland in Zweifel gezogen hat, überprüft die Ratingagentur nun auch die Kreditwürdigkeit einzelner Bundesländer. Die Überprüfung der Länderratings erfolgt laut Moody"s, weil Bundund Länder eng verflochten sind und im Notfall füreinander einstehen.

Moody"s senkte den Ausblick von Baden-Württemberg (dazu auch nebenstehende Meldung), Bayern, Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt von"stabil" auf"negativ". Die genannten Bundesländer, die als einzige von Moody"s bewertet werden, besitzen sehr gute Ratings, Bayern und Baden-Württemberg sogar die Bestnote von"Aaa" - wie auch die Bundesrepublik als Ganzes.

Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) sagte der Nachrichtenagentur dpa:"Die bayerischen Finanzen sind top. Wir zahlen sogar Schulden zurück." Es sei aber ein Alarmsignal, zwar nicht für Bayern, sondern für Europa. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) kritisierte in der"Leipziger Volkszeitung":"Aus meiner Sicht sollten sich die Ratingagenturen um sich selbst kümmern und nicht um die Dinge, die intakt sind." Brandenburgs Finanzminister Helmuth Markov (Linke) verwies darauf, Brandenburg sei eines von vier Bundesländern, die 2011 einen Jahresabschluss ohne Neuverschuldung vorlegen konnten.

Entscheidet sich Moody"s am Ende tatsächlich für eine Abstufung, würde dies eine Kettenreaktion in Gang setzen. Auch Banken müssten dann mit schlechteren Ratings rechnen - genauso wie Staatsfirmen, die am Kapitalmarkt agieren. Moody"s überprüft momentan auch die Ratings der Deutschen Flugsicherung und der Deutschen Bahn. Auch dieErste Abwicklungsanstalt (EAA) - die Resterampe der gestrauchelten WestLB - könnte im Verbund mit Nordrhein-Westfalen abgestuft werden.

Moody"s hatte am Montag angekündigt, die Spitzenratings von Deutschland, den Niederlanden und Luxemburg unter die Lupe zu nehmen angesichts der steigenden Unsicherheit über den Ausgang der Schuldenkrise. Die Ratingagentur fürchtet, dass die wirtschaftlich starken Staaten weitere Lasten schultern müssen für die in Not geratenen Euroländer. Im Falle Deutschland hatte Moody"s überdies auf das starke Engagement der hiesigen Banken in den Problemstaaten verwiesen.

Dessen ungeachtet sank die Rendite von 30-jährigen deutschen Staatsanleihen auf ein neues Rekordtief. Die Verzinsung lag trotz der langen Laufzeit bei lediglich 2,17 Prozent, teilte die Deutsche Bundesbank mit. Bei der letzten vergleichbaren Auktion am 25. April hatte sie bei 2,41 Prozent gelegen. Die Nachfrage war stärker als im April. Die aktuelle Auktion war 1,5-fach überzeichnet.

Unmittelbar nahm der Bund gut 2,3 Mrd. EUR ein. Knapp 700 Mio. EUR behielt die Finanzagentur zurück, um sie später am freien Markt anbieten zu können.

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