Mieten und Kaufpreise für Immobilien steigen stetig

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Mietpreisbremse, Baugenehmigungen auf einem 16-Jahres-Hoch, immer mehr fertig gestellte Wohnungen – doch den Aufwärtstrend am deutschen Immobilienmarkt scheint all das kaum dämpfen zu können. Mieten und Preise steigen vielerorts immer höher.

Im dritten Quartal erhöhten sich die Mieten nochmals, wie neue Daten des Analyseunternehmens Empirica zeigen. Dieses stützt sich auf 2 Mio. Immobilieninserate. So legte der Miet-Index für alle Baujahre um 0,9 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu, das Barometer für Neubauten kletterte um 1,2 Prozent. „Es ist jedes Quartal dieselbe Prozedur“, sagt Reiner Braun, Geschäftsführer von Empirica. Seit Jahren stiegen die Mieten. Bei Neubauten etwa seien sie seit 2004 im Schnitt um fast 24 Prozent geklettert. „Ein Ende ist nicht absehbar.“

Mietpreisbremse hilft nicht

Den jüngsten Anstieg dämpfen kann offenbar auch nicht die vor gut einem Jahr eingeführte Mietpreisbremse. Sie schreibt vor, dass die Miete in Kommunen mit angespannten Wohnungsmärkten bei Neuvermietungen die „ortsübliche Vergleichsmiete“ um nicht mehr als 10 Prozent übersteigen soll.

Von steigenden Mieten betroffen seien mittlerweile alle Segmente, sagt Braun. „Es fehlt an Wohnraum jeglicher Preisklasse.“ Dabei sei die Lösung einfach: Man müsse einfach mehr bauen.

Tatsächlich gibt es auf dem deutschen Wohnungsmarkt eine Lücke zwischen Angebot und Nachfrage. Zwar stiegen die Baugenehmigungen kürzlich auf ein 16-Jahres-Hoch. Doch genehmigt ist nicht gleich gebaut. Jährlich gebe es einen Bedarf von 350 000 bis 400 000 Wohneinheiten, sagt Stefan Mitropoulos von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Zwar würde insgesamt mehr gebaut, doch die Marke von 300 000 fertig gestellten Einheiten werde vermutlich erst 2017 überschritten.

Das treibt auch die Kaufpreise für Immobilien. So ist der Index von Empirica für Eigentumswohnungen um 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal gestiegen und jener für Ein- und Zweifamilienhäuser um 1,8 Prozent.

Zuwanderung von Flüchtlingen

Für zusätzlichen Druck sorgt die Zuwanderung von Flüchtlingen – gerade in Großstädten. Denn die meisten Neuankömmlinge zieht es in die wirtschaftlich starken Metropolen. Den Immobilienboom befeuert zudem das billige Geld der Europäischen Zentralbank, das Kredite günstig macht.

Der Boom beschleunigt sich laut dem Immobilienverband IVD sogar. Die Preise für bestehende Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen seien im zweiten und dritten Quartal stärker gestiegen als im Vorjahreszeitraum, teilte der Verband mit. Eigentumswohnungen mit mittlerem Wohnwert haben sich demnach im Schnitt um gut 6 Prozent verteuert. 2015 hatte die Rate bei knapp 5 Prozent gelegen. Einfamilienhäuser kosteten 4,2 Prozent mehr, im Vorjahr waren es 3,1 Prozent.

Inzwischen warnen Experten vor einer Überhitzung. „Der Immobilienboom nimmt immer mehr Züge einer Blase an“, sagt beispielsweise Ralph Solveen von der Commerzbank. Problematisch sei vor allem, dass die Preise sich von anderen wichtigen Faktoren abkoppelten. „Seit 2010 steigen die Preise schneller als Mieten, Verbraucherpreise und das Einkommen der privaten Haushalte.“ Helaba-Experte Mitropoulos sieht vor allem in Großstädten Übertreibungen – aber nicht bundesweit. Als typisches Element einer Blase fehle ferner eine stark wachsende Vergabe von Immobilienkrediten. 

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