Merkel erwarten in Athen scharfe Proteste

Mit ihrer Reise nach Griechenland will Angela Merkel Solidarität zeigen. Doch die Bundeskanzlerin muss sich auf organisierten Volkszorn einstellen.

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Griechenlands Ministerpräsident Antonis Samaras spricht von einer "sehr positiven Entwicklung", wenn er nach dem für morgen geplanten Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel gefragt wird. Er freue sich, dass Merkel seine Einladung angenommen habe, und er versichert, man werde die Kanzlerin so empfangen, wie es der führenden Politikerin eines großen und befreundeten Landes wie Deutschland angemessen sei.

Doch viele Griechen sehen das anders. Der Gewerkschaftsbund GSEE, der die Beschäftigten der Privatwirtschaft vertritt, und der Dachverband ADEDY, der die meisten Staatsbediensteten repräsentiert, wollen Merkel am morgigen Dienstag mit Streiks und Demonstrationen vor dem Parlamentsgebäude in Athen begrüßen. Gerichtet seien die Proteste "gegen die neoliberale Politik Merkels und des führenden Kerns der EU", erklärten die Gewerkschaften.

Fünf Jahre liegt Merkels letzter Besuch in Athen zurück. 2007 traf sie den damaligen Regierungschef Kostas Karamanlis. Ihn versuchte die Kanzlerin damals unter anderem für den Kauf von Eurofighter-Kampfflugzeugen zu begeistern. Aber die Kassen in Athen waren schon damals so leer, dass Karamanlis die Kanzlerin vertrösten musste. Waffengeschäfte dürfte Merkel diesmal wohl kaum zur Sprache bringen, wenn sie mit dem griechischen Premier Antonis Samaras zusammentrifft. Der muss die Staatsausgaben drastisch senken, auch im Wehretat. Bei den Renten und Sozialleistungen gehen die Einschnitte bereits "bis auf den Knochen", wie Samaras in einem Handelsblatt-Interview sagte: "Wir bluten!".

Als Merkel kürzlich erklärte, beim Gedanken an die Entbehrungen der griechischen Rentner blute ihr das Herz, waren viele Griechen überrascht. Bis dahin war man von der Kanzlerin harsche Töne gewohnt.

In einer vergangenes Jahr erhobenen Umfrage war Merkel die mit Abstand unbeliebteste Politikerin in Griechenland - 84 Prozent der Befragten äußerten eine "negative Meinung" zu ihr. Daran dürfte sich nichts geändert haben. Viele Griechen machen vor allem Merkel für die harten Sparauflagen verantwortlich, die das Land immer tiefer in die Rezession treiben.

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