Mehr unbesetzte Lehrstellen

Wer eine Lehrstelle sucht, hat beste Chancen, eine zu finden. Das Angebot ist größer als die Nachfrage. Allerdings bleiben schwächere Jugendliche oft außen vor, und manchen Branchen fehlt der Nachwuchs.

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    Diese Ausbildungsberufe sind nicht sehr gefragt (von links): Verkäuferin, Koch und Bäcker. Fotos: dpa
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Im Südwesten waren zum Beginn des Ausbildungsjahres noch 5500 Lehrstellen unbesetzt. Das sind nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit vom Montag 20 Prozent mehr freie Ausbildungsplätze als im vergangenen Jahr. Damit ist die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage so groß wie lange nicht. "Der Markt hat sich erst 2011 in einen Bewerbermarkt gedreht", sagte die Leiterin der Regionaldirektion, Eva Strobel. Vor allem im Einzelhandel und der Gastronomie würden noch Nachwuchskräfte gesucht.

Insgesamt waren den Arbeitsagenturen fast 74 500 Lehrstellen gemeldet worden, ein Plus von 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dem Angebot standen 65 000 Bewerber gegenüber, ein Minus von 4,1 Prozent. Die Entwicklung beim Angebot verlief regional unterschiedlich: 14 von 19 Agenturen verzeichneten einen Zuwachs an Ausbildungsstellen. Die Spannbreite lag zwischen minus 2,4 Prozent in Ludwigsburg und plus 19,3 Prozent in Mannheim, plus 9 Prozent in Reutlingen und plus 7,6 Prozent in Schwäbisch Hall/Tauberbischofsheim. Mit Blick auf die Bewerber zeichnet sich laut Agentur ein Trend ab: Es wächst der Anteil derjenigen, die sich mit einem höheren Schulabschluss für eine betriebliche Ausbildung interessieren.

"Die Arbeitgeber, die auch schwächeren Bewerberinnen und Bewerbern eine Chance geben, gewinnen Fachkräfte von Morgen, eröffnen Lebens- und Berufsperspektiven und sichern sich zukünftige Wettbewerbsvorteile", sagte Strobel weiter. Aber auch die Bewerber müssten flexibel sein und nicht nur ihren Wunschberuf anstreben.

Die fundamentalen Veränderungen auf dem Ausbildungsmarkt zeigt der Blick auf Daten aus den Vorjahren. 2004 bewarben sich 86 500 junge Menschen auf 69 600 Lehrstellen, 2010 waren es noch 69 000 Bewerber auf 66 100 Stellen. Erst 2011 kippte der Markt zugunsten der Bewerber.

"Die hohe Zahl von 5500 unbesetzten Lehrstellen im Südwesten macht deutlich, dass wir die Sorgen der Unternehmen um geeigneten und ausreichenden Fachkräftenachwuchs sehr ernst nehmen müssen", sagte Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD). Er setzt vor allem darauf, den Schülern und deren Eltern besser zu vermitteln, "wie attraktiv die duale Berufsausbildung sein kann".

Auch auf Bundesebene hat sich aus der Sicht der Schulabgänger die Lage entspannt. Viele Unternehmen hätten mit Blick auf den zu erwartenden Engpass an Fachkräften die Zahl der Lehrstellen erhöht. Ende September standen 33 300 unbesetzte Ausbildungsstellen 15 700 unversorgten Bewerbern gegenüber. Die Partner des bundesweiten Ausbildungspakts plädieren dennoch dafür, dass Unternehmen, Schulen und Arbeitsagenturen in ihren Anstrengungen nicht nachlassen. Gerade für schwächere Jugendliche "gestaltet sich der direkte Einstieg in die Ausbildung nach wie vor schwierig", hieß es in der gemeinsamen Mitteilung des Bündnisses.

Deshalb sollen Jugendliche frühzeitiger und gezielter angesprochen und die vielfältigen Beratungsangebote besser aufeinander abgestimmt werden. Insbesondere betriebliche Praktika werden eine größere Rolle spielen als bisher.

"Wir müssen uns um die große Gruppe derer kümmern, die keinen direkten Weg in die Ausbildung finden", sagte der Präsident der Kultusministerkonferenz, Ties Rabe. In der Vergangenheit seien viele Berufsschulangebote "eher in Richtung Warteschleife" gegangen. Nötig sei ein "Haltungs- und Mentalitätswechsel". Die Berufswelt sei für viele Jugendliche, die mit 16 oder 17 Jahren die Schule verließen, ein "Buch mit sieben Siegeln". Das müsse sich ändern.

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