Mehdorn macht den Abflug

Er sollte nur Interims-Chef sein. Dafür blieb Hartmut Mehdorn ganz schön lange. Doch jetzt ist die Zeit des Air-Berlin-Vorstandsvorsitzenden vorbei. Der ehemalige Bahn-Boss macht einem Branchen-Insider Platz.

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    Hartmut Mehdorn legt das Amt als Air-Berlin-Chef nieder. Foto: afp
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Das Unternehmen steht mächtig unter Druck, der Aktienkurs erlebt alles andere als Höhenflüge, ein Sanierungsprogramm löst das andere ab - und in dieser Situation geht auch noch der Chef, der etwas anderes machen will. Das kennt man schon: Als René Obermann im Dezember sein Ausscheiden aus der Deutschen Telekom verkündete, zweifeln nicht wenige an der Freiwilligkeit des Schritts. Doch offiziell sucht sich der charismatische Unternehmenschef selbst einen neuen Job.

Jetzt ist Hartmut Mehdorn dran. Der Vorstandschef von Air Berlin packt zwar nicht seinen Koffer und verlässt das Unternehmen, aber er wechselt in den Aufsichtsrat.

Die zweitgrößte Fluggesellschaft Deutschlands steht unter erheblichem finanziellen Druck und schreibt seit 2008 rote Zahlen. Einen Umstand, den der ehemalige Bahn-Chef eigentlich ändern sollte. Der 70-Jährige hatte im September 2011 Joachim Hunold mit seinem glücklosen Expansionskurs abgelöst. Air Berlin wurde unter Mehdorns Ägide Sparprogramme verordnet. Er strich unrentable Strecken, baute eine Partnerschaft mit dem Großaktionär Etihad Airways aus, intensivierte eine Allianz mit dem Rivalen Air France.

Doch es reichte nicht: Etihad Airways griff seinem Partner unter die Arme und kaufte das Bonusprogramm von Air Berlin für 184 Mio. EUR.

Geld, das die deutsche Airline dringend braucht, um die kommende Zeit zu überstehen - auch weil durch die Verschiebung des Berliner Großflughafens weitere Verluste entstehen. Das neue Sparprogramm "Turbine 2013" soll der rot-weißen Airline außerdem bei der Rückkehr in die schwarzen Zahlen helfen - Stellenkürzungen nicht ausgeschlossen. Die Gehälter der Piloten könnten so schrumpfen, dass den Co-Piloten im schlimmsten Fall wenig mehr als das Existenzminimum bleibt, wird spekuliert. Die Piloten drohen mit Protesten.

Mehdorn dürfte sich von verbalen Muskelspielen aber nicht beeindrucken lassen. Der ehemalige Bahn-Chef hat den Ruf eines Sanierers, aber auch den eines Elefanten im Porzellanladens. Entsprechend heißt ein Buch über Mehdorn "Diplomat wollte ich nie werden". Im Zusammenhang mit Diskussionen zur Trennung von Schiene und Netz bei der Bahn sagte er 2007: "Wir freuen uns, wenn die anderen Staatsbahnen auseinandergenommen werden. Dann machen wir sie platt."

Mit der Datenschutz-Affäre, die ihn den Titel Bahnchef kostete, kam der Vorwurf des Herrschens nach Gutsherrenart hinzu. Gleichzeitig gefiel aber nicht wenigen Mitarbeitern die gerade Art des Haudegens. Verantwortliche lobten seine Arbeit als Sanierer, auch wenn er die Bahn nicht an die Börse brachte.

Bei Air Berlin hatte Mehdorn mit der Verankerung in der Allianz Oneworld etwa Erfolge verbucht. In den nur 16 Monaten seines offiziellen Übergangsposten konnte er zwar die Kosten begrenzen, nicht aber das Steuer herumreißen.

Seit längerem gab es Spekulationen, wonach Etihad-Chef James Hogan wegen anhaltender Verluste eine Ablösung Mehdorns fordern sollte. Nun erklärte der Charismatiker Mehdorn, "die richtige Zeit für den Führungswechsel" sei da.

An seiner Stelle nimmt nun der ehemalige Mitarbeiter der heutigen Lufthansa-Tochter Austrian Airlines Wolfgang Prock-Schauer Platz. Der 56-jährige Österreicher hat Erfahrung in der Branche und leitete die indische Airline Jet Airways. Die einstige Lufthansa-Tochter British Midland konnte Prock-Schauer aber ebenfalls nicht in die schwarzen Zahlen hieven.

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