Maschinenbauer im Südwesten strotzen vor Stärke

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Ein Trumpf-Mitarbeiter montiert in einem Reinraum einen CO2-Laserresonator. Diese Anordnung von Spiegeln dient dazu, Licht möglichst oft zu reflektieren. Das Ditzinger Unternehmen gehört zur Spitze des deutschen Maschinenbaus.  Foto: 

Manchmal kommt es anders als man denkt. Im vergangenen Jahr war die Sorge der exportstarken Maschinenbauer groß. Das Auslandsgeschäft  schwächelte. Auch die politische Lage mit Brexit, der Türkei, den anstehenden Wahlen in Frankreich und Österreich ließ wenig Raum für Zuversicht. „Die Situation war von Unsicherheit geprägt, heute sehen wir dagegen einen stabilen Aufschwung“, sagte Mathias Kammüller, der Präsident des Verbandes baden-württembergischen Maschinenbau (VDMA), bei der Vorstellung der Konjunkturumfrage.

Für den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg ist das eine ausgesprochen gute Nachricht. Mit fast 310 000 Mitarbeitern ist der Maschinenbau der größte Arbeitgeber im Südwesten. Kammüller erwartet dieses Jahr  ein Umsatzplus von 6 Prozent auf den Rekordwert von 81,2 Mrd. €.

Die konjunkturelle Lage der Unternehmen beurteilen  Kammüller und VDMA-Geschäftsführer Dietrich Birk als rundum gut. Das Geschäft im Inland, das schon 2016 ein „Stabilitätsanker“ war,  hat sich noch einmal verbessert. Der Auftragseingang in den ersten fünf Monaten aus dem Ausland erhöhte sich um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die allermeisten Firmen sind gut ausgelastet, fast jedes zweite Unternehmen bezeichnet seine aktuelle Ertragslage als gut oder sehr gut. Die Eigenkapitalquote  beträgt im Durchschnitt 33 Prozent. 80 Prozent der Unternehmen erwarten 2018  steigende Umsätze.

Zur Überraschung vieler Firmen hat das Geschäft in China angezogen. Die Maschinenlieferungen dorthin wuchsen im ersten Quartal um 25 Prozent. Damit sei der Abwärtstrend der vergangenen zwei Jahre gebrochen, sagte Kammüller. Auch in den USA, dem wichtigsten Exportmarkt der Südwest-Branche, laufen die Geschäfte wieder besser. 44 Prozent der 250 Unternehmen, die bei der Konjunkturumfrage geantwortet haben, bewerten ihre Geschäftsbeziehungen in die USA positiv – trotz des US-Präsidenten Donald Trump und dessen Devise „America first“.

Doch dieses Motto im Maschinenbau umzusetzen, dürfte dem US-Präsidenten schwer fallen, denn die Branche ist alles andere als gut aufgestellt. „Die USA und auch Großbritannien haben überwiegend auf den Dienstleistungssektor gesetzt und dabei über Jahre hinweg den Industriesektor vernachlässigt“, erklärte Kammüller. Auch andere Länder wie Frankreich hätten mit einer staatlich gelenkten Industriepolitik an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Daher geht die reflexartige Kritik an den deutschen Export-Überschüssen nach seinen Worten  am Kern des Themas vorbei.  Die  heimischen Maschinenbauer seien deshalb so erfolgreich, „weil die Branche hervorragend positioniert sei und ihre Kunden mit innovativen Produkten überzeugen kann“.

Dennoch steht die Branche selbst vor Herausforderungen. „Es gilt die Unternehmen fit zu machen für die Zukunft“, sagten Kammüller und Birk. Beide sehen die Maschinenbauer auf einem guten Weg.  Die Ergebnisse der Verbandsumfrage zeigten, dass die meisten Unternehmen sensibilisiert seien. Jedoch benötigten diese  Unterstützung, um digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln. Dabei helfe die beim VDMA angesiedelte Allianz „Industrie 4.0 Baden-Württemberg“.

Neben der Digitalisierung muss sich die Branche auf das Thema Elektromobilität einstellen. Die Hälfte aller deutschen Werkzeugmaschinenbauer sitzt in Baden-Württemberg und ist abhängig von den Entwicklungen in der Fahrzeugindustrie. Prognosen zufolge wird die Zahl der weltweiten Neuwagen-Zulassungen pro Jahr von heute 90 Mio. Autos auf 110 Mio. im Jahr 2025 steigen.  Klimapolitisch große Chancen steckten in Hybridlösungen, also der Mischung aus Benzinmotor und Elektroantrieb.

Die Maschinenbauer im Südwesten hätten die Kompetenz, alle Antriebstechnologien zu begleiten. Wichtig für das Automobilland Baden-Württemberg sei es, auch hierzulande eine Batteriezellen-Produktion aufzubauen. Hier sei auch die Politik gefordert, weil der Südwesten wegen seiner hoher Stromkosten nicht die erste Standortwahl sei.

Rund 1200 Arbeitsplätze haben die Maschinenbauer dieses Jahr geschaffen. Während 88 Prozent der Betriebe ihre Lehrstellen besetzen konnten, haben drei Viertel der befragten Firmen offene Stellen, so viele wie noch nie, sagte VDMA-Präsident Mathias Kammüller. Gesucht werden Elektroingenieure mit IT-Qualifikation, Informatiker, Datenbankspezialisten und Fachkräfte in der Produktion.  Künftig werde der Wettbewerb um die „digitalen Transformatoren“ an Härte zunehmen. Wegen  der guten Auftragslage  gebe es vielerorts Überstunden,  den Aufbau von Arbeitszeitkonten und eine höhere Zahl an Leiharbeitern. amb

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