Marokko wartet auf deutsche Investitionen

Marokko ist nicht nur bei der Energiewende ein Musterland in Nordafrika. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel verspricht Hilfe aus Deutschland -- auch zum Vorteil des hiesigen Mittelstands.

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Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (rechts) sprach in Marokko unter anderem mit seinem Amtskollegen Moulay Hafid el Alamy.  Foto: 

"Ich kenne kein Land, das die Energiewende mit solcher Klarheit und Geschwindigkeit vorantreibt." Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) lobte am Dienstag nicht etwa Deutschland, sondern Marokko über den grünen Klee. "Ganz so planvoll hat die deutsche Energiewende nicht begonnen." Das maghrebinische Königreich hat sich vorgenommen, 42 Prozent des Stroms schon 2020 mit erneuerbaren Energien zu erzeugen und 52 Prozent im Jahr 2030.

Dafür winken deutschen Firmen viele Aufträge. Der zweite Teil seiner Nahostreise steht ganz im Zeichen dieser Energiepartnerschaft, die bereits seit 2012 besteht und durch die Marokko unabhängiger werden will von Erdöl und Erdgas. Um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen, hat die staatseigene KfW-Bank bereits fast 800 Mio. EUR Kredite gegeben.

40 Prozent der Komponenten kommen von deutschen Herstellern, darunter vielen Mittelständlern. Gerade hat König Mohammed VI. das größte Solarkraftwerk der Welt eröffnet, das fast 500 Megawattstunden Strom liefert - gebaut von Siemens. Der Münchner Energiekonzern errichtet zudem eine eigene Fertigung von Rotorblättern für Windräder im Land. 700 Jobs sollen dadurch entstehen.

Gabriel ist mit dutzenden Firmenvertretern nach Rabat gekommen. Im Vergleich zu Ägypten, das er zuvor besuchte, erscheint Marokko geradezu paradiesisch. Das fängt mit der Luft an: Über der Hauptstadt hängt nicht, wie im chaotischen Kairo, eine Smogwolke. Über Rabat strahlt der blaue Himmel.

Gabriel lobte nach einem Gespräch mit Premierminister Adel-Ilah Benkirane den "Hort der Stabilität": Umso erstaunlicher, dass sich die deutsche Wirtschaft bisher mit Engagements zurückgehalten hat. Unter den Hauptlieferländern findet sich Deutschland auf Platz 7.

Die Exporte nach Marokko stiegen 2015 auf 1,9 Mrd. EUR, die Importe auf 1 Mrd. EUR - "ausbaufähig", meinte Gabriel. Frankreich und Spanien haben in dem Land mit 33 Mio. Einwohnern die Nase vorn. Es gilt als Tor zu Afrika - und es hat den Arabischen Frühling ohne die großen Turbulenzen der Nachbarländer überstanden. König Mohammed VI. konnte das Land und seine Monarchie stabilisieren, indem er früh einen Demokratisierungskurs fuhr und fundamentalistische islamische Bewegungen bekämpfte.

Ein Königreich mit demokratischer Verfassung ist die große Ausnahme in der Region. Traditionell ernennt der König den Chef der größten Partei im Parlament zum Regierungschef. So kam Benkirane 2011 als Chef der moderat islamischen Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung ins Amt.

Marokko sei ein Musterbeispiel, wie ein Land seine Werte beibehalten und trotzdem ein modernes, weltoffenes Land werden könne, sagte Gabriel. Die Wirtschaft in Marokko dürfte in diesem Jahr allerdings nur um 3,7 Prozent wachsen nach durchschnittlich 5 Prozent in den vergangenen Jahren. Trockenheit hat für eine schlechte Ernte gesorgt. Zitrusfrüchte oder Tomaten sind ein wichtiges Exportgut.

Wie in vielen Ländern ist die Jugendarbeitslosigkeit hoch. Gerade unter den Universitätsabsolventen wird sie auf 30 Prozent geschätzt, ein gefährliches Unruhepotenzial.

Kein Wunder, dass Benkirane den Gast insbesondere um Hilfe bei der Bildung bat - "nach deutschem Muster". Die duale Ausbildung etwa im Handwerk erweist sich erneut als Exportschlager. Zumindest in der Theorie. Praktisch ist es schwierig, es in Ländern zu etablieren, die nicht wie Deutschland über viele Jahrzehnte eine Lehrlingskultur entwickelt haben, weiß Gabriel. Nicht nur für den eigenen Bedarf auszubilden ist da leicht ein Kulturschock.

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