Manager mit Liebe zur Musik

Sich begeistern zu können und Leidenschaft zu entwickeln - beide Eigenschaften gehören für Stefan Noerpel-Schneider aus Ulm zu den Grundtugenden. Sein Werdegang zum Unternehmer ist ungewöhnlich.

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Logistik-Chef Stefan Noerpel-Schneider vor einem Bild seiner Schwester an seinem Lieblingsplatz im Unternehmen, der Aula: "Dies ist der offenste Ort im Unternehmen, hier laufen alle Bereiche zusammen." Foto: Volkmar Könneke

Nur wenige Männer dürften aufmerksamer Supermärkte durchstreifen als Stefan Noerpel-Schneider. Dabei befindet sich der Chef des Ulmer Logistikunternehmens nicht etwa auf Schnäppchenjagd. Vielmehr begutachtet er mit geübtem Blick, welche Produkte von Hand verpackt wurden, Aktions- oder Saisonware von Markenherstellern zum Beispiel, Bücher mit CDs, Adventskalender, Starter-Sets zum Schulanfang mit Zirkel und Lineal oder eigens für Handelsketten abgepackte Sonderangebote. "Es gibt unglaubliche viele Waren, die auch heute noch von Hand befüllt und verpackt werden", sagt Noerpel-Schneider. "Ich kann schon gar nicht mehr normal in einen Laden gehen. Den Blick dafür kriege ich nicht mehr los", merkt der Firmenchef schmunzelnd an.

Dass sein Unternehmen zu den großen Mittelständlern in der Branche gehört und sich im beinharten Wettbewerb der Logistik- und Speditionsbranche behauptet, hat auch damit zu tun, dass er und das Managementteam sich vor sieben Jahren dazu entschlossen haben, in dieses Geschäft einzusteigen.

Zum Spartenmodell des Mittelständlers gehören Leistungen rund um Spedition, Transport, Lagerhaltung, Verpacken bis hin zur Arbeitnehmerüberlassung. "Wir haben viele Kunden mit starkem Saisongeschäft und wollten das mit eigenen Leuten machen", begründet der Logistiker die Gründung einer eigenen Zeitarbeitsfirma. "Deren Beschäftigte würden sich als Noerpel-Mitarbeiter fühlen und würden übertariflich bezahlt", betont Noerpel Schneider, der seit 21 Jahren im Familienunternehmen arbeitet, davon seit 14 Jahren an der Spitze.

Der Einstieg des 44-Jährigen in seine unternehmerische Karriere verlief ungewöhnlich. Musik war seine große Leidenschaft. "Dass ich Musiker werden will, war schon in der Schule klar. Mein Vater ist ein sehr offener Mensch. Er hat mir gesagt: Ich halte Dir, bis Du 26 Jahre bist, den Weg ins Unternehmen frei. Das hat funktioniert", erzählt Noerpel-Schneider.

Schon als Teenager hatte er mit anderen Musik gemacht, später studierte er Pop und Jazz (Schlagzeug, Klavier). Mit 24 Jahren arbeitete er als Musiklehrer, spielte in Bands, wohnte mit seiner Frau bei den Schwiegereltern unter dem Dach, als das junge Paar zu Eltern wurde. "Mein Impuls war: Ich muss die Familie ernähren können", erinnert sich der Unternehmer.

Daher klopfte er bei seinem Vater an, der 1989 die German Parcel Logistik GmbH gegründet hatte. Dort stieg Noerpel-Schneider ein. Mit der gleichen Ernsthaftigkeit, mit der er zuvor Musik gemacht hatte, engagierte er sich von da an im Paketgeschäft - von der Pike auf bis zum Geschäftsführer und entdeckte sein Talent für den Vertrieb.

"Damals herrschte eine euphorische Stimmung bei German Parcel. Die Begeisterung steckte mich an. Das hat Spaß gemacht, weil man etwas entwickeln konnte." Mit 25 Jahren wählten ihn die anderen Gesellschafter in den Beirat. Als das Ulmer Unternehmen sich von German Parcel Logistik wieder trennte, wechselt er zum Mutter-Unternehmen, und erfüllte die Vorgabe seines Vaters, in St. Gallen nebenberuflich ein BWL-Schnellstudium zu absolvieren.

Als Unternehmer komme ihm sein analytisches Vorgehen und gutes Zahlenverständnis zugute. Vielleicht hänge das mit seiner Liebe zur Musik zusammen. Musik habe sehr viel mit analytischen Fähigkeiten zu tun, erläutert Noerpel-Schneider.

Anfangs führten Vater und Sohn das Familienunternehmen gemeinsam. "Das hat gut geklappt. Wir haben uns gut ergänzt. Mein Vater war der vorsichtige, ich der expansivere", erzählt der Firmenchef. Der Übergang von der einen auf die andere Generation sei reibungslos verlaufen. Noch heute profitiert das Unternehmen vom Know-How seines Vaters, der im Beirat sitzt und sein Büro in der Firma hat.

Durch das Wachstum und Zukäufe hat die Gruppe viel Know-How dazugewonnen. "Wir sind ein managementgeführtes Familienunternehmen." Die Entscheidungen fällen heute Noerpel-Schneider, vier Geschäftsführer und die Niederlassungsleiter gemeinsam. "Natürlich muss man als Chef auch mal eine Ansage machen, doch die Zeiten, dass der Chef von oben regiert, sind vorbei."

Zu schätzen weiß er, wie er sagt, dass seine Frau zu 100 Prozent hinter ihm und seiner Aufgabe steht. Nach Arbeitstagen von 12 bis 14 Stunden kommt er gerne nach Hause. Dort geht es ein bisschen ruhiger zu als früher. Beide Kinder sind bereits beim Studieren und haben sich fürs das Gleiche entschieden: Nach einem Jahr Musik für die "Seele" studieren sie BWL.

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