Elektromobilitäts-Schau EVS: Mit Strom auf Streife

Über 350 Aussteller aus 53 Ländern zeigen in Stuttgart die Mobilitätstrends von morgen. Ein endgültiges Aus für Verbrennungsmotoren sehen die meisten Experten noch nicht.

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Symbolisch für die echten E-Streifenwagen zeigt Oliver Suckow (links) in Stuttgart ein Polizei-Bobbycar mit Stromanschluss.  Foto: 

Mit dem E-Golf auf Verbrecherjagd, im Opel Ampera im Streifendienst – was wie eine Zukunftsvision klingt, ist für die Polizei in Niedersachsen bereits Realität. Als deutschlandweit einzige Landespolizei testet sie in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Braunschweig und dem Niedersächsischen Forschungszentrum Fahrzeugtechnik den Einsatz von batterieelektrischen und Plug-In-Hybrid-Fahrzeugen im Alltag und in Extremsituationen.

Die Anforderungen an die Technik sind dabei hoch: „Unsere Fahrzeuge müssen rund um die Uhr verfügbar sein“, sagt Projektleiter Oliver Suckow. Eine hohe Fahrleistung und Reichweite seien ebenso wie die Möglichkeit zum ultraschnellen Laden sehr wichtig. „Noch funktionieren reine E-Fahrzeuge im Streifendienst nicht optimal“, sagt er. „Der Markt gibt noch nicht das her, was wir brauchen.“ Die Polizei in Niedersachsen will daher nach vorne gehen und den Herstellern rückmelden, worauf es für sie ankommt. „Wenn wir den Beweis antreten, dass Elektromobilität für die Polizei funktioniert, dann kann sie auch jeder Privatmann nutzen“, so Suckow.

Leistungsstarke Ladetechnik

Welche Innovationen die Mobilität von morgen bereithält, zeigt dieser Tage die Messe EVS in Stuttgart, die am Mittwoch endet. Forscher, Regierungsvertreter sowie Industrieexperten aus der ganzen Welt verschaffen sich in der Geburtsstadt des Automobils ein aktuelles Bild von allen Formen der Elektromobilität. Mehr als 350 Aussteller aus 53 Ländern präsentieren aktuelle Trends, beginnend beim autonomen Fahren und nachhaltigen Antrieben über leistungsstarke Ladetechnik bis hin zu intelligenter Software.

„Elektromobilität entwickelt sich ständig weiter“, sagte Espen Hauge als Vorsitzender der europäischen E-Mobilitätsvereinigung Avere und des Weltverbands Weva bei der Eröffnungszeremonie. Zur 30. Elektromobilitätsmesse EVS stellte er die „Stuttgarter Erklärung“ vor. Das vierseitige Dokument aus der Feder der Avere sei „eine hoffnungsvolle Nachricht“. Es lege dar, warum eine neue Ära von Mobilität machbar sei: „Es ist nicht mehr die Frage, ob Elektrifizierung unsere Lösung für die Zukunft ist, sondern nur noch, wann und wie schnell sie umgesetzt wird.“

Tatsächlich hat sich in Sachen Elektromobilität in der Vergangenheit schon vieles getan. Einen Schwerpunkt der Messe bilden Innovationen im Bereich der Ladetechnik: Der Hannoveraner Automobilzulieferer Continental präsentiert etwa seinen Antrieb „All Charge“, der als eine Art Universalschlüssel für jede Form des kabelgebundenen Ladens fungiert und für jede heute verfügbare Ladesäule passt.

Für Durchblick im Anbieter- und Tarifdschungel sorgt der baden-württemberger Energieversorger ENBW. Mit einer speziellen Ladekarte ermöglicht er seinen Kunden ab sofort, ihr E-Auto an über 8000 Ladepunkten verschiedener Ladesäulenbetreiber in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz aufzutanken – und das immer zum selben Tarif. Dazu hat die ENBW entsprechende Partnerverträge geschlossen.

Der Ausbau der Infrastruktur schreitet voran. „Unser Schwerpunkt wird zukünftig in der Fläche liegen“, sagte Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). An Autobahnen sei das Netz bereits gut ausgebaut. Ziel in den kommenden Jahren ist es, durch den Aufbau von landesweit 2000 E-Ladesäulen eine maximale Entfernung von zehn Kilometern bis zur nächsten Lademöglichkeit zu erreichen. Finanziert wird das Projekt über die Landesinitiative Elektromobilität III, die bis 2021 insgesamt 43,5 Mio. € bereitstellt.

Trotz aller Fortschritte im Bereich Elektromobilität sehen Experten Fahrzeuge mit konventionellen Verbrennungsmotoren noch nicht vor dem Aus. „Es gibt kein Entweder-Oder“, sagt Mercedes-Entwicklungsvorstand Ola Källenius. Er rechnet damit, dass bis 2025 reine E-Autos 25 Prozent des Umsatzes ausmachen. „Das bedeutet, dass 75 Prozent nach wie vor Diesel und Benziner sein werden.“ Diese gelte es weiterzuentwickeln – insbesondere im Hinblick auf einem Einsatz in hybriden Fahrzeugen.  agr

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