Lagarde will Krisen-Ländern mehr Zeit geben

IWF-Chefin Christine Lagarde will den Euro-Schuldenländern mehr Zeit zum Abbau ihrer Defizite einräumen. Im Blick auf Griechenland spricht sie sogar von einem weiteren Schuldenschnitt.

|
IWF-Chefin Christine Lagarde in Tokio: Sie will von den Krisenländern mehr Taten sehen. Foto: dpa

Die Lage in Griechenland und in der Eurozone bestimmt maßgeblich die Agenda der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Tokio, aber auch Differenzen zwischen dem Fonds und der deutschen Delegation.

Einen Tag vor dem offiziellen Beginn der Versammlung bekräftigte IWF-Direktorin Christine Lagarde die Bemühungen des Fonds, Griechenland wieder auf die Beine zu helfen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zeigte sich allerdings erkennbar genervt über die anhaltende Kritik am Management der Euro-Schuldenkrise

"Wir erwarten Taten, um den Schleier der Unsicherheit zu verdrängen", sagte Lagarde. Sie hatte mit ihrem Appell zu mehr Entschlossenheit in der Krisenbekämpfung aber nicht nur die Europäer, sondern auch Japan und die USA im Auge.

Nicht nur Griechenland, auch Portugal und Spanien will IWF-Chefin Lagarde noch mehr Zeit zur Überwindung der Probleme geben. Ein Aufschub von zwei Jahren für die Regierung in Athen sei notwendig, um das Konsolidierungsprogramm zu bewältigen, sagte sie in erstaunlicher Deutlichkeit. Es mache keinen Sinn, an nominalen Zielen für die Konsolidierung der Staatsfinanzen festzuhalten. Ein zu heftiger Sparkurs, so ließ Lagarde durchblicken, bremse die Wirtschaft unerwünscht stark. Der IWF befürwortet überdies auch einen weiteren Schuldennachlass für Griechenland.

Zu Lasten der öffentlichen Gläubiger käme ein solcher Schritt aber nicht in Frage, entgegnete Schäuble in Tokio. Es sei einer der Vorschläge des IWF, der nicht zielführend sei. Derweil hat die US-Ratingagentur Standard & Poor"s (S & P) die Kreditwürdigkeit Spaniens nahezu auf Ramschniveau gesenkt. Sie stufte die Bonität des Euro-Landes um zwei Stufen auf BBB- herunter und behielt einen negativen Ausblick bei.

Als Begründung für die Herabstufung nannte S&P die zunehmenden wirtschaftlichen und politischen Probleme in Spanien sowie die Krise der Banken. "Die sich vertiefende Rezession begrenzt die Politikmöglichkeiten der spanischen Regierung", erklärte die Ratingagentur. Steigende Arbeitslosigkeit und Einschränkungen bei den Staatsausgaben vergrößerten die soziale Unzufriedenheit und führten zu Spannungen zwischen der Regierung in Madrid und den Regionen. Außerdem gebe es Zweifel am Willen einiger Mitgliedsstaaten der Euro-Zone, die Kosten für eine Rekapitalisierung der spanischen Banken mitzutragen.

Spanien kämpft seit geraumer Zeit mit massiven wirtschaftlichen Problemen, die Arbeitslosenquote beträgt fast 25 Prozent. Für die Rettung der spanischen Banken haben die internationalen Geldgeber bereits bis zu 100 Mrd. EUR zugesagt. Die Krise hat in den vergangenen Wochen zudem zu vermehrten Überlegungen spanischer Regionen zur Abspaltung von Madrid geführt.

Die Herabstufung sorgte gestern zwar im frühen Handel für einen deutlichen Anstieg der Zinssätze bei richtungsweisenden spanischen Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren. Die Lage entspannte sich aber und die Rendite lag wieder nahezu unverändert bei 5,76 Prozent.

Dessen ungeachtet sehen Marktbeobachter nunmehr einen erhöhten Verkaufsdruck für spanische Staatsanleihen. Zur Begründung heißt es, mit schlechteren Ratings steige die Gefahr, dass spanische Schuldtitel nicht mehr in wichtigen Indizes vertreten sein könnten.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Stellenabbau: Bittere Pille für Ratiopharm

Der Mutterkonzern Teva streicht weltweit 14.000 Stellen. Es bleibt vorerst offen, inwieweit Ulm betroffen ist. weiter lesen