Läden in den Innenstädten verlieren Kunden

Im deutschen Einzelhandel wächst nur noch das Online- geschäft kräftig. Die traditionellen Läden dagegen kämpfen mit rückläufigen Umsätzen. Das beschleunigt den Strukturwandel in den Innenstädten.

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In den großen Städten wird noch kräftig eingekauft, vor allem der Handel in Mittelstädten und auf dem Land leidet an Umsatzeinbußen. Foto: dpa

Die Kühlschränke der Bundesbürger sind gut gefüllt, die Kleiderschränke quellen über. Dazu kommen noch Wetterkapriolen im letzten Jahr wie Eiseskälte im März und Wärme im Dezember. Der deutsche Einzelhandel hat schwer zu kämpfen. Dabei macht der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands HDE, Stefan Genth, bei den Verbrauchern eine positive Konsumstimmung aus. Doch viel Geld geht für steigende Strompreise und Gesundheitskosten drauf sowie für Autos und Reisen.

Daher fallen die Erwartungen für 2014 eher bescheiden aus: Genth hofft, dass der Einzelhandel (ohne Apotheken, Brennstoffe und Autos) um 1,5 Prozent auf 439,7 Mrd EUR wächst. Preisbereinigt wäre das nicht viel mehr als Stagnation. Mit kräftigen Zuwächsen glänzt nur der Online-Handel: Er dürfte um 17 Prozent auf 38,7 Mrd. EUR zulegen und damit 9 Prozent zum gesamten Handelsumsatz beisteuern. Umgekehrt heißt das: Der stationäre Handel, also die Läden in den Innenstädten und am Stadtrand, setzt immer weniger um. Genth versucht sich damit zu trösten, dass viele traditionelle Händler längst auch im Internet aktiv sind.

Schon das vergangene Jahr verlief eher schwach: Der Umsatz des gesamten Einzelhandels stieg um 1,1 Prozent. Inflationsbereinigt bedeutete das sogar ein leichtes Minus. Insbesondere das Weihnachtsgeschäft verlief enttäuschend. Gegenüber dem schon schwachen Jahr 2012 wuchsen die Umsätze nur um 0,3 Prozent. Der Start im November war zwar gut. Aber im Dezember gab es deutliche Verluste. Für die Textilhändler war es viel zu warm, dicke Winterkleidung blieb ein Ladenhüter.

Ein rabenschwarzes Jahr hatten 2013 die Uhren- und Schmuckhändler. Auch Heimwerkerbedarf, Spielwaren und Bücher machten weniger Umsatz. Dagegen legte der Lebensmittelhandel deutlich zu, was allerdings zu einem erheblichen Teil den deutlich steigenden Preisen geschuldet war. Auch Haushaltswaren und Schuhe waren mehr gefragt. Der Star aber war der Onlinehandel, der 2013 um 12 Prozent zulegte. Seit 2005 konnte er seine Umsätze mehr als verdoppeln. Das beschleunigt den Strukturwandel im Einzelhandel, der verstärkt zu spektakulären Pleiten wie Weltbild oder Praktiker führt. Insbesondere die jungen Leute kaufen viel im Internet und weniger in den Läden.

Kein Wunder, dass mehr als die Hälfte der stationären Geschäfte klagt, die Zahl ihrer Kunden sei rückläufig. Während die Läden in den Toplagen und Einkaufszentren der Großstädter gut besucht sind, sieht es in Mittelstädten mit 50 000 bis 100 000 Einwohnern deutlich schlechter aus. Noch mehr zu kämpfen hat der Handel auf dem Land.

Daher sieht der HDE-Hauptgeschäftsführer politischen Handlungsbedarf. Städte und Gemeinden sollen sich mehr um Attraktivität und Erreichbarkeit der Innenstädte kümmern. Zudem sieht sich der Handel bei der Gewerbesteuer übermäßig belastet, weil Mieten und Pachten nicht als Kosten anerkannt werden. Der HDE plant einen runden Tisch, um den Strukturwandel mit allen Beteiligten zu gestalten.

Weitgehend abgeschlossen ist die schwierige Tarifrunde, die innerhalb von zwei Jahren Lohnerhöhungen von 5,1 Prozent bringt. Über einen neuen Manteltarifvertrag, der auch den Internethandel berücksichtigt, will der Handel in diesem Jahr mit Verdi verhandeln.

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