Kuba lockt Investoren

Kuba will seine Wirtschaft behutsam für ausländische Investoren öffnen. Was das genau heißt, hat Bundeswirtschaftsminister Gabriel mit einer Delegation erkundet. Darunter auch Baden-Württemberger.

|
Vorherige Inhalte
  • Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel war mit einer Delegation von Unternehmern und Politikern in Kuba. Im Hintergrund ein Gemälde des kubanischen Revolutionsführers Che Guevara. 1/2
    Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel war mit einer Delegation von Unternehmern und Politikern in Kuba. Im Hintergrund ein Gemälde des kubanischen Revolutionsführers Che Guevara. Foto: 
  • BWIHK-Präsident Peter Kulitz (rechts) mit Fidel Castro Díaz-Balart. 2/2
    BWIHK-Präsident Peter Kulitz (rechts) mit Fidel Castro Díaz-Balart. Foto: 
Nächste Inhalte

Normalerweise hält es ausländische Besucher deutlich länger in Kuba. Schließlich hat der sozialistische Karibikstaat Sonne satt, Strand und türkisfarbenes Meer zu bieten, dazu pittoreske Städtchen, Zigarren, Rum und viel Musik. Doch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) war nur knapp 50 Stunden da. Mit ihm kamen auch keine Touristen, sondern Vertreter von Politik und Wirtschaft.

Mit der historischen Annäherung an die USA will der jahrzehntelang abgeschottete Karibikstaat seine marode Wirtschaft behutsam öffnen. Wichtigster Devisenbringer des Landes ist neben den Überweisungen der Exil-Kubaner der Tourismus, der rasant wächst. 2014 kamen 3 Mio. Urlauber auf die Insel. Gäste aus Deutschland sind nach Kanadiern und Amerikanern die drittgrößte Gruppe. Allein schon diese Einnahmequelle ließe sich ausbauen, meint Peter Kulitz, der Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags (BWIHK), der Gabriel begleitet hat. Bisher bietet Kuba den Touristen nur 40.000 Betten, berichtet Kulitz unserer Zeitung.

In den zahlreichen Gesprächen mit Vertretern von Regierung, Verbänden und Unternehmen hätten die Gastgeber "erstaunlich viele Themen sehr offen angesprochen", sagt Kulitz. "Kuba möchte vor allem Kapital zum Auf- und Ausbau seiner Wirtschaft und Infrastruktur." Das Land gebe jährlich allein 2 Mrd. Dollar (1,86 Mrd. EUR) für Lebensmittel aus, 70 Prozent aller Nahrungsmittel müssen importiert werden. "Das Ziel lautet deshalb, schnellstmöglich unabhängig zu werden", schildert Kulitz.

Die Regierung wolle vor allem die Stromerzeugung, die Pharmabranche sowie die Industrie auf den neuesten Stand bringen. Mehr als 300 Großprojekte sind in der Planung. "Es gibt praktisch keine modernen Fabriken", berichtet Kulitz. "Die Produktionsanlagen sind durchweg museumsreif."

Um Investoren zu locken, bietet Kuba Ausländern 100-Prozent-Beteiligungen an, die acht Jahre lang steuerfrei bleiben. Danach gilt ein Steuersatz von 15 Prozent. Obendrein gelte ein Enteignungsschutz. Nicht aus der Hand geben wollen die Kubaner Kulitz zufolge aber alles, was mit Gesundheit, Bildung oder den Streitkräften zu tun habe.

Bisher sei das Geschäft mit Kuba mühsam: "Nur 3000 Firmen weltweit sind als Lieferant lizensiert. Alles muss über eine kubanische Importfirma abgewickelt werden, das bedeutet viel Bürokratie." Nun soll alles einfacher werden.

Das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Kuba liegt bei 236 Mio. EUR - davon kommt ein Fünftel aus Baden-Württemberg. Aktuell sind nur rund 50 Unternehmen aus Deutschland auf der Karibikinsel aktiv. Dabei geht es vor allem um Maschinen, Autos und Chemie. Kulitz sieht gute Chancen, dass dieses Volumen deutlich wachsen kann: "In der Nach-Castro-Ära und nach der marktwirtschaftlichen Öffnung werden die USA und dort vor allem die Exil-Kubaner massiv investieren und die Wirtschaft auf Trab bringen." Ausländische Konkurrenten sind ist natürlich auch schon vor Ort, die Chinesen zum Beispiel: "Die bringen die Finanzierung gleich mit", berichtet Kulitz.

Der Bundeswirtschaftsminister hat nun Hilfe bei der Modernisierung angeboten: "Wir kommen nicht als Besserwisser nach Kuba, sondern als Partner." In Havanna soll ein Handelsbüro der deutschen Wirtschaft entstehen. Die Kubaner baten Gabriel zudem darum, Geschäfte mit Bundesbürgschaften abzusichern.

Der Bundeswirtschaftsminister hält Kuba vor allem für Mittelständler für chancenreich. Davon hat Baden-Württemberg genug zu bieten, doch bei denen hält sich das Interesse laut Kulitz bisher in Grenzen. Nur fünf der 60 Wirtschaftsvertreter kamen aus dem Südwesten: Herrenknecht (Schwanau), ABB, Prominent (beide Heidelberg) sowie Hirschmann Labore (Eberstadt) und Bosch (Stuttgart).

Kulitz selbst war zum ersten Mal in Kuba. Sein Fazit: "Ich bin fasziniert von dem immer noch spürbaren Charme der Hemingway-Zeit. Man möchte gerne länger als nur zwei Tage dort verweilen."

Treffen mit Fidels Sohn

Begegnung "Ich habe heute Abend den Sohn von Fidel Castro in der Residenz des deutschen Botschafters getroffen und ihn sofort nach Baden-Württemberg eingeladen. Er schätzt unser Land sehr", berichtete BWIHK-Präsident Peter Kulitz und schickte als Beleg gleich ein Foto mit. Fidel Castro Junior ist Vizepräsident der Wissenschaftlichen Akademie in Havanna. Kulitz würde ihn gerne mit der baden-württembergischen Wissenschaftsministerin Theresia Bauer zu einem Gedankenaustausch zusammenbringen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Kripo-Beamter der Ulmer Polizei vor Gericht

Wegen Strafvereitelung und Unterschlagung von Geldbußen in zig Fällen muss sich ein Polizist vor der Justiz verantworten. Der Angeklagte bestreitet alles. weiter lesen