Kreuzfahrtbranche entdeckt Umweltschutz

Die Kreuzschifffahrt boomt: In Europa sind diese Urlaube so beliebt wie nie, neue Schiffe sind im Bau. Wegen strengerer Umweltauflagen wird in Technik investiert, was Naturschützer seit Jahren fordern.

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Das Kreuzfahrtschiff Aida Bella: Nicht nur Aida versucht, die Schiffe immer umweltfreundlicher zu machen. Foto: Aida

Die weltweit agierenden Kreuzfahrtreedereien müssen sich in den nächsten Jahren mehr Umweltschutz auf die Fahne schreiben. Wie die Handelsschifffahrt werden sie durch Auflagen der Internationalen Maritime Organisation (Imo) dazu verpflichtet, in Etappen bis 2020 Schadstoffemissionen noch stärker zu reduzieren.

Mehr Umweltschutz auf See und in den Häfen, den Verbände wie der Naturschutzbund Deutschland fordern, bedeutet für die Reedereien Investitionen in neue Technologien - und Pionierarbeit. "In der Industrie gibt es einen Wettbewerb der Ideen", sagt der Neubau-Direktor von Aida Cruises (Rostock), Christian Schönrock. Auch er ließ sich am Donnerstag in Hamburg nicht alle Details über das Filtersystem zur Abgasnachbehandlung entlocken, das auf einer japanischen Werft derzeit in zwei Aida-Neubauten installiert wird.

Wer aus seinen Prototypen Serienprodukte entwickeln kann, sei in der Schifffahrtindustrie ganz weit vorn. Die zum US-Kreuzfahrtriesen Carnival gehörende Aida Cruises (Rostock) investiert bis 2016 rund 100 Mio. EUR in Umwelttechnik. Ein Teil fließt auch in ein Projekt mit Becker Marine Systems (Hamburg) zur externen Stromversorgung in Häfen.

Auch der Kreuzfahrtanbieter Tui Cruises ("Mein Schiff") setzt mehr Umwelttechnologie auf seinen beiden Neubauten (je 2500 Passagiere) ein. "Rußpartikelfilter gibt es für Schiffe dieser Größenordnung noch nicht von der Stange", berichtete Geschäftsführer Richard J. Vogel im Mai. Für ein System aus Entschwefelungsanlage, Katalysatoren sowie Waschwasserbehandlung hat er einen zweistelligen Millionenbetrag veranschlagt. Wie Aida hat sich Tui Cruises, ein Gemeinschaftsunternehmen der Tui AG (Hannover) und des US-Anbieters Royal Carribean Cruises, an einem Projekt E-Power-Barge der Eckelmann-Gruppe (Hamburg) beteiligt, einer Art schwimmenden Kraftwerks.

Die dänische Fährreederei DFDS nimmt 400 Mio. Kronen (54 Mio. EUR) in die Hand, um 12 Schiffe mit Anlagen (Srubbern) zur Abgasentschwefelung auszurüsten, Vorlage ist ein eigener Prototyp.

Hapag-Lloyd Kreuzfahrten setzt auf seiner im Mai in Fahrt gebrachten "Europa 2" einen Katalysator ein, der den Stickoxidausstoß gegen Null bringen soll und teilweise auch Ruß filtert, wie das ebenfalls zur Tui AG gehörende Unternehmen mitteilte.

Mit einer Abgasreinigung können Reedereien vom 1. Januar 2015 an geltende strengere Umweltauflagen in Nord- und Ostsee erfüllen. Sonst dürfen sie in dieser Region - inklusive Ärmelkanal - nur noch mit leichterem Treibstoff mit einem Schwefelgehalt von maximal 0,1 Prozent fahren. "Die derzeit verfügbaren Treibstoffkapazitäten reichen nicht aus, um die gesamte Schifffahrt mit schwefelarmem Marine-Diesel zu versorgen", mahnte der Kreuzfahrtverband Cruise Lines International Association (CLIA).

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) begrüßte die Aida-Pläne. Bei den 20 Neubauten, die internationale Reedereien bis 2016 für den europäischen Markt in Fahrt bringen wollen, verfügten 17 über keinerlei Abgasreinigung, hatte er noch Anfang August bilanziert. "Jetzt sind die Mitbewerber gefragt, es Aida gleich zu tun und ebenfalls den Ausstoß hochgiftiger und umweltschädlicher Luftschadstoffe zu reduzieren", forderte Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

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