Kräftiger Zuschlag für Zeitarbeiter

Zeitarbeiter in der Metall- und Chemieindustrie bekommen ab dem 1. November deutlich mehr Geld, wenn sie sechs Wochen im gleichen Betrieb arbeiten. Ob daher künftig weniger beschäftigt werden, ist offen.

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170 EUR mehr Lohn pro Monat sind für einen Zeitarbeiter in der untersten Lohngruppe viel Geld. 15 Prozent Zuschlag winken ab dem 1. November etwa 200 000 Beschäftigten, die mindestens sechs Wochen an den gleichen Betrieb der Metall- oder der Chemieindustrie ausgeliehen sind. Dann treten die Zuschläge in Kraft, die für beide Branchen im Frühjahr ausgehandelt worden waren. Zusätzlich steigt der Mindestlohn um 30 Cent auf 8,19 EUR pro Stunde im Westen und um 49 Cent auf 7,50 EUR im Osten.

Für Gewerkschafter und Politiker war es schon lange ein Ärgernis, dass Zeitarbeiter meist deutlich weniger als die Stammbelegschaft verdienen, auch wenn sie die gleiche Arbeit verrichten. So liegt der unterste Tariflohn in der Metallindustrie in Baden-Württemberg bei 13,18 EUR. Das sind 60 Prozent mehr als der Zeit-Tarif. Nach langen Verhandlungen einigte sich die IG Metall im Frühjahr mit den großen Arbeitgeberverbänden der Zeitarbeit auf Zuschläge für Mitarbeiter, die längere Zeit im gleichen Betrieb der Metall- und Elektroindustrie beschäftigt sind. Es beginnt mit 15 Prozent nach 6 Wochen und endet bei 50 Prozent nach 9 Monaten.

Allerdings wird dies nur schrittweise eingeführt: Start ist im November mit 15 Prozent für alle, die bereits die Mindestzeit erreicht haben. Danach geht es in Stufen hoch. Mitte Juni 2013 erhalten die ersten nach 9 Monaten im gleichen Betrieb 50 Prozent Zuschlag. Der Vorsprung der Stammbelegschaft schrumpft so auf rund 6 Prozent. Die Regeln gelten für alle Unternehmen, auch wenn sie nicht Mitglied im Arbeitgeberverband sind.

Die Metall- und Elektroindustrie beschäftigt über ein Viertel der 867 000 Zeitarbeiter, die im August registriert waren. Nach einer Umfrage war im Jahr 2008 in der größten deutschen Branche jeder dritte Zeitarbeiter 6 bis 12 Monate im gleichen Metallbetrieb beschäftigt, 19 Prozent länger als ein Jahr.

Die Regeln für die Chemieindustrie sehen ähnlich aus. Sie hat in den niedrigen Lohngruppen die gleichen Stufen, in den höheren fallen sie mit 10 bis 35 Prozent Zuschlag etwas geringer aus. Nach Angaben der IG Bergbau, Chemie, Energie kommen Leiharbeiter damit auf 85 bis 90 Prozent des Lohns der Stammbelegschaft.

Ob die deutliche Verteuerung der Zeitarbeit negative Folgen für die Beschäftigung in der Branche hat, ist umstritten. "Zeitarbeit wird in der Bezahlung deutlich attraktiver und behält gleichzeitig die Vorteile einer flexiblen Arbeitsform", macht Werner Stolz vom Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen seiner Branche Mut. Dagegen sieht die Deutschland-Chefin von Manpower, Vera Calasan, 150 000 Zeitarbeitsjobs auf der Kippe. Allerdings dürfte auch ein Abflauen der Konjunktur dafür sorgen, dass die Beschäftigung zurückgeht.

Die Arbeitgeberverbände atmen hauptsächlich auf, dass Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) nicht mehr über eine gesetzliche Regelung nachdenkt. Die wäre wohl noch teurer geworden.

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