Kräftiger EEG-Aufschlag

Privathaushalte, kleine und mittlere Unternehmen sowie Gewerbetreibende müssen mit höheren Stromkosten rechnen. Die Vergütung für Strom aus Sonne oder Wind sind aber nicht die Hauptpreistreiber.

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  • Auch der beständige Zubau bei der Windkraft sorgt für einen Anstieg der EEG-Umlage. Im Bild drehen sich Windräder vor dem Umspannwerk bei Wittlich. Foto: dpa 1/2
    Auch der beständige Zubau bei der Windkraft sorgt für einen Anstieg der EEG-Umlage. Im Bild drehen sich Windräder vor dem Umspannwerk bei Wittlich. Foto: dpa
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Noch ist die Höhe der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) für das kommende Jahr nicht festgelegt. Die Bundesnetzagentur geht aber davon aus, dass sie auf mehr als 5 Cent pro Kilowattstunde steigt. Gerechnet wird mit einem Anstieg auf bis zu 5,4 Cent. Bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden (kWh) im Jahr muss ein Privathaushalt dann mit 189 EUR rechnen. Bisher zahlte er ohne Mehrwertsteuer 125 EUR. Die EEG-Umlage liegt zurzeit für Kleinverbraucher bei 3,59 Cent pro kWh.

Der wachsende Anteil an Strom aus Sonne, Wind oder Biomasse ist aber nur eine Ursache für diesen kräftigen Anstieg. Der Energieexperte Gunnar Harms nennt vier weitere Gründe:

Strom aus erneuerbaren Energien erreicht 2012 rund 20 Prozent des gesamten Stromverbrauchs. Das Absenken der Vergütung für den eingespeisten Strom wirkt dämpfend. Seit Oktober bekommt der Besitzer einer Solaranlage 18,36 Cent pro kWh. Bei Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes 2001 erhielt er mehr als 50 Cent. Harms bilanziert die Effekte: "Weniger als ein Viertel des neuen Umlageanstiegs geht auf die direkte Förderung zurück."

Große Stromverbraucher zahlen statt 3,59 Cent nur 0,05 Cent pro kWh. Nach Beschluss der schwarz-gelben Bundesregierung wird dieser Abgabesatz fällig, wenn der Verbrauch mehr als 1 Mio. Kilowattstunden im Jahr beträgt und die Energiekosten mehr als 14 Prozent der Bruttowertschöpfung ausmachen. Harms: "Viele versuchen, die Kennzahlen zu reißen, bilden etwa Verbrauchpools. Manche treiben gar den Verbrauch in die Höhe. Statt 400 zahlen 2000 Unternehmen die Privilegierten-Umlage. Sie war eigentlich nur für stromintensive Unternehmen gedacht, um sie wettbewerbsfähig zu halten Harms: Die Entlastungen machen rund ein Drittel der Erhöhung aus.

Umlageerhöhend wirkt der Verkauf des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen. Da der Preis an der Strombörse gefallen ist, erzielen die Netzbetreiber dafür weniger Geld. Die Umlage errechnet sich aus der Differenz von Vergütung und Verkaufserlös. Zudem nutzen Betreiber von Windanlagen die Möglichkeit, ihren kostengünstig erzeugten Strom direkt zu vermarkten. Übrig bleibt etwa der teurere Strom aus Solaranlagen und Offshore-Windparks - sehr kostspielig ist die Netzanbindung. Dafür wird im kommenden Jahr diese Vergütung noch angehoben. "Das macht knapp ein Viertel der Umlagenerhöhung aus", schätzt Energieingenieur Harms.

Die großen Stromnetzbetreiber - zuständig für die Abwicklung der EEG-Umlage - verfügen über eine Liquiditätsreserve. Sie beläuft sich auf 3 bis 10 Prozent der Gesamtsumme von 14,1 Milliarden EUR in diesem Jahr. Wegen des starken Zubaus von Ökostromanlagen im Vorjahr fehlt den vier Unternehmen ein Betrag von 711 Millionen EUR. Dieser Betrag fließt in die Umlagenerhöhung ein. Billigt ihnen die Bundesnetzagentur als Aufsichtsbehörde mehr als 3 Prozent Reserve zu, wird diese Summe in die Umlage eingepreist. Dies wird allerdings erst kommenden Montag bekanntgegeben.

Der Politik traut Harms nicht zu, dass sie den Strompreisauftrieb dämpft. "Seit zehn Jahren laufen die Maßnahmen ins Leere" - vom Reduzieren der Vergütung einmal abgesehen. In einem Gutachten hat der 53-Jährige die Preisentwicklung seit 2007 analysiert. Ergebnis: Im vergangenen Jahr sind die Strompreise im Börsenhandel je nach Marktsegment um 10 bis 20 Prozent gesunken. Aus diesen niedrigeren Einkaufspreisen "ergibt sich ein Entlastungspotential für die Privathaushalte von 500 Millionen EUR für das Jahr 2013." Jetzt zeigt sich, dass die Preissenkungen nicht weitergereicht werden. Aktuell, so seine Berechnungen, müsste der Strompreis um 2 Cent niedriger liegen.

Harms verkennt nicht, dass Kraftwerksbetreiber für das notwendige Vorhalten von Anlagen bei wenig Wind und Sonneneinstrahlung sowie hohem Stromverbrauch - etwa im Winter - bezahlt werden müssen. Allerdings gelte auch da wie im Strommarkt insgesamt: Die Kosten müssen nachvollziehbar sein - auch für Verbraucher. Denn sie werden diese bezahlen müssen.

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