Klage über Nadelöhr A 8: Bauverband verlangt mehr Investitionen in Infrastruktur

Ein milder Winter, die Flucht von Kapitalanlegern in Immobilien und die Bundestagswahl haben der Bauwirtschaft im Südwesten ein gutes Jahr verschafft. Unzufrieden ist die Branche mit der Politik.

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Autobahnbaustelle A8 bei Bollingen  Foto: 

"Wahljahre sind gute Jahre für den Bau", sagt Thomas Schleicher, der Präsident der Landesvereinigung Bauwirtschaft. Die baden-württembergischen Bau-Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern vermelden bis einschließlich November 2013 um 5 Prozent steigende Auftragseingänge und einen um 4,9 Prozent auf 11,05 Mrd. EUR gewachsenen Umsatz. Die Zahl der Beschäftigten aller Betriebe ist um 2,2 Prozent auf rund 89.700 gestiegen. Ganz so gut werde es im laufenden Jahr nicht kommen, gleichwohl rechnet der Verband, dem etwa 5100 Betriebe aller Größen angehören, dieses Jahr mit einem Plus von bis zu drei Prozent.

Kummer bereitet dem Team vom Bau die Nachwuchslage: Bis 2018 wird gut die Hälfte der Mitarbeiter altershalber ausscheiden. Vor allem aus Osteuropa erhofft sich Schleicher Ersatz: "Wir machen Klimmzüge, um an diese Leute zu kommen." Schon jetzt leisten Rumänen und Bulgaren wichtige Arbeit auf den Baustellen in Süddeutschland.

Sorgen bereitet Schleicher die Infrastruktur. Zwar flossen in die Aufträge öffentlicher Bauherren im vergangenen Jahr knapp 15 Prozent mehr als im Jahr zuvor, aber es waren eben auch Wahlen. Jetzt tue man sich wieder schwer mit Großprojekten. Trotz deutlich gestiegener Steuermehreinnahmen kämen selbst dringlichste Bauprojekte wie etwa der 6-streifige Ausbau der A8 am Albaufstieg nicht voran.

Dabei zählt dieser Streckenabschnitt zu den am meisten befahrenen in Deutschland: "Seit 1999 wird hier geplant, geschehen ist nichts. Mehr als 70.000 Fahrzeuge quälen sich täglich auf vier Spuren durch den Engpass zwischen Mühlhausen und Hohenstadt. Ein unhaltbarer Zustand", bemängelt der Bau-Präsident. Seit 15 Jahren wird der Ausbau der Vorkriegsstrecke auf sechs Spuren geplant, Geld gab es jedoch nicht. "Wir können uns dieses Nadelöhr nicht länger leisten", sagt Schleicher und fordert für derartige Projekte einen eigenen Fonds. Die Baukosten belaufen sich auf geschätzte 500 Mio. EUR.

Problematischer allerdings ist die Umsetzung: Weil die Politik einen Bypass zur mautpflichtigen Strecke verlangt, findet sich niemand, der das wirtschaftliche Risiko eingehen will, obwohl ihm die Mauteinnahmen der nächste drei Jahrzehnte zugesprochen würden. Wenn aber die Hälfte der 70.000 Fahrzeuge auf der mautfreien Umgehung fährt, rechnet sich der Ausbau des sieben Kilometer langen Abschnitts nicht. Der Sonderfonds, den die Bauwirtschaft nun fordert, müsse zusätzlich zum laufenden Verkehrsetat eingerichtet werden, so Schleicher. Über die Bauzeit von fünf Jahren sollten jährlich 120 Mio. EUR ausgeschüttet werden. Derzeit gibt der Bund für neue Straßenbauten im Land aber nur etwas mehr als 80 Mio. EUR pro Jahr aus, Tendenz deutlich sinkend. "Wenn das so bleibt, wird Deutschland zur infrastrukturellen Bananenrepublik," kritisiert Schleicher.

Wirtschaftlich hingegen lief es gut für das Baugewerbe. Die Aufträge zogen in der zweiten Jahreshälfte an. Das Plus von 14,7 Prozent im öffentlichen Bau konnte ein leichtes Minus bei Unternehmenskunden ausgleichen. Im Wohnungsbau ist die Nachfrage laut Schleicher nach wie vor stabil.

Angesichts der positiven Konjunkturvorzeichen nimmt er an, dass der wirtschaftliche Bau in den kommenden Monaten wieder anziehen wird. Für 2014 erwartet er ein Umsatzplus von 2,5 Prozent bis 3 Prozent.

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