Fachmesse „Kind + Jugend“: Kinderwagen mit Sitzheizung

Klassiker sind in, für Eltern zählen Qualität und Funktionalität. Der Branche geht es gut – nur den Bekleidungsherstellern nicht.

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Beheizbare Kinderwagen, die beim Schieben selbst Energie erzeugen, vollüberwachte Kinderbettchen und ein Koffer, der zum Bett oder Wickeltisch wird – Neuigkeiten gerade auch im Bereich Digitalisierung gibt es auf der größten internationalen Fachmesse für Kinderausstatter „Kind +  Jugend“ in Köln genug. 1200 Aussteller aus 50 Nationen zeigen dort seit gestern ihre Produkte. Im Laden greifen Eltern allerdings vor allem zu Klassikern: Schicke Kinderwagen in gedeckten Farben und Holzmöbel zum Beispiel.

In die Sparte Kinderausstatter fallen mehrere Branchen: Spielwaren, Kleidung, Möbel, Kinderwagen, Autositze, Pflegeprodukte und mehr. Deshalb wird die Messe auch mit dem Spruch: „Alles für die nächste Generation“ beworben. Zur Einordnung: Allein in Deutschland handeln rund 1000 Händler mit Baby- und Kinderausstattung und rund 3500 Händler mit Spielwaren.

Eltern machen „Lustkäufe“

Insgesamt geht es der Branche gut. Sie vermeldet ein Plus von 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 2016 zahlten Eltern 2,5 Mrd. € für die Ausstattung ihrer Kinder in den ersten drei Lebensjahren, wie der Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels (BVS) berichtet – das sind 1125 € pro Kind. Grund für die guten Geschäfte sei nicht zuletzt ein „Babyboom“.

Immer mehr Kinder werden geboren, 2016 waren es 780.000. Steffen Kahnt, stellvertretender Geschäftsführer des Verbandes, begründet den Babyboom mit der wirtschaftlichen Lage in Deutschland, also dem Arbeitsmarkt, mehr Möglichkeiten der Kinderbetreuung und gestiegenes Haushaltseinkommen.

So wird der Erwerb eines Kinderwagens laut Verband gar zum „Lustkauf“. Denn: „Kinderkriegen ist für viele Eltern heute ein Projekt, zu dem sie auch das passende Fahrzeug haben wollen.“ Im Trend sind immer noch hochwertige Kinderwagen in gedeckten Farben und Kombiwagen, die zum Beispiel zu einem Buggy umgebaut werden können.

Eltern kaufen wieder mehr Kinderwagen mit vier Rädern, nicht mit drei. Laut dem Marktforscher Interconnection Consulting erwarben die Deutschen vergangenes Jahr rund 773.200 Kinderwagen – 2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.  Ebenso stieg der Absatz von Autositzen um 2 Prozent auf rund 2,4 Mio. Stück.

Bei der Kinderbekleidung gab es laut Bundesverband des Textileinzelhandels dagegen einen Umsatzrückgang um 1,5 Prozent auf 2,6 Mrd. €. Dieser Trend setzt sich fort. Das merkt auch Playshoes aus Albstadt. Der Hersteller produziert Regen- und Badebekleidung für Kinder. Vertriebsleiter Oliver Rauch spricht von einem schwierigen Jahr vor allem wegen des Wetters. „Es hat geregnet, wenn eigentlich die Sonne scheinen sollte und es war sonnig in Zeiten, in denen es normalerweise regnet.“ Die Lager seien vielerorts noch voll.

Als Trend macht er Bademode mit UV-Schutz aus. Das sei vor ein paar Jahren noch kein Thema gewesen, jetzt achten Eltern verstärkt darauf. So gebe es für die Sonnentage am Strand auch komplette Sets aus Hosen und Oberteil mit UV-Schutz. „Generell zählen Qualität, Preis und Funktion“, sagt Rauch.

Während der Gesamtmarkt von Spielwaren 2016 um 3,6 Prozent zulegte, stieg der Umsatz bei Spielzeug für unter 3-Jährige nur um 0,8 Prozent. Insgesamt gaben die Deutschen 529 Mio. € für Spielwaren aus.  Jörg Wolters ist Leiter Marketing und Produktentwicklung bei VTech aus Filderstadt, einem Hersteller von elektronischem Lernspielzeug. „Aktuell sehen wir den Trend, verschiedene Materialien in einem Spielzeug zu verwenden: Beispielsweise fördern verschiedene flauschige und glatte Stoffe die Sensorik. Dabei steht gleichzeitig die Funktionalität im Fokus“. Außerdem seien Bewegung und das spielerische Fördern der Motorik relevante Themen.

Die Möbelindustrie verbuchte einen leicht gestiegenen Umsatz von 2,4 Mrd. € für Kinder- und Jugendmöbel.  Damit ist jedes achte in Deutschland produzierte Möbelstück für Kinder. Pro Kind geben Eltern 412 € pro Jahr aus, rechnet Ursula Geismann vor, Pressesprecherin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie. Neben dem Qualitätsversprechen „Made in Germany“ seien gutes Design, Innovationen, Multifunktionen und die Verwendung ökologischer Materialien mehr denn je gefragt, außerdem zähle Sicherheit.

Idyllische Wohnwelten

Im aktuellen Kindermöbelangebot überwiegen Möbel, „die romantisch, leicht, manchmal märchenhaft und träumerisch anmuten. Das Idyll ist die Gegenwelt zu harten Realität“. Wer heute ein Kind bekomme, wolle es behüten. Dabei seien auch bunte Kombinationen aus Möbeln, Wandfarbe, Dekorationen und Accessoires beliebt. Dauerbrenner seien weiterhin Holzmöbel, außerdem wandelbare und mitwachsende Gegenstände. Nicht zu verachten sei auch der anhaltende Trend zu Themenzimmern. In diesen werde das Mädchen zur Prinzessin und der Junge zum Bewohner einer Piratenwelt.

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