KfW strotzt vor Kraft

Gewinnmaximierung ist nicht das Ziel der KfW, sagt ihr Chef Ulrich Schröder. Die Förderbank des Bundes, die in Krisenzeiten stark gefragt ist, sieht ihren Aufgabenschwerpunkt eher in der Mittelstandsförderung.

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Vorstandschef Ulrich Schröder: "Kredite an den deutschen Mittelstand bleiben das größte Geschäftsfeld der KfW." Foto: Bankengruppe KfW

Herr Schröder, Sie kommen gerade von einer Reise nach Brasilien und Peru zurück. Warum so weit in die Ferne schweifen?

ULRICH SCHRÖDER: Der Fokus unserer Arbeit als Förderbank des Bundes liegt schon lange nicht nur auf dem Inland. Wir begleiten deutsche Unternehmen über unsere Tochter KfW IPEX-Bank und über die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) schon seit Jahren auch im Ausland. Und natürlicher Fokus des Geschäftsbereichs KfW Entwicklungsbank sind Schwellen- und Entwicklungsländer, wo wir im Auftrag des Entwicklungsministeriums (BMZ) aktiv sind, um die soziale und wirtschaftliche Infrastruktur zu verbessern. Dafür setzen wir zum erheblichen Teil auch eigene Mittel ein.

Damit rückt eine öffentliche Förderbank im Ausland immer mehr in den Blickpunkt. Dabei zieht die KfW schon in Deutschland immer mehr Geschäft an sich. Das kann nicht Aufgabe einer Förderbank sein.

SCHRÖDER: Es stimmt: Wir sind mit Blick auf die Bilanzsumme von rund 520 Mrd. EUR mittlerweile in Deutschland die Nummer drei. Und beim Gewinn stehen wir mit erwarteten rund 2 Mrd. EUR in diesem Jahr wie auch 2011 an zweiter Stelle hinter der Deutschen Bank. Wir haben gerade dank der deutschen Staatsgarantie auch die Auszeichnung als sicherste Bank der Welt erhalten.

Wo wollen Sie noch hin?

SCHRÖDER: Gewinnmaximierung und Bilanzsummenwachstum sind nicht unser Ziel. Wir wollen vielmehr wirtschaftliche und gesellschaftliche Prozesse begleiten. Mittelfristig wird sich das Gewinnniveau auf etwa 1,1 bis 1,2 Mrd. EUR pro Jahr einpendeln und das jährliche Zusagevolumen wieder zurückgehen. Grund für die Entwicklung der letzten Jahre sind vor allem die Finanz- und Euro-Staatsschuldenkrise sowie die verschärfte Regulierung und höhere Eigenkapitalanforderungen an Banken. Als Konsequenz sind die Institute bei der Kreditvergabe zurückhaltend und geben kaum noch großvolumige, langfristige Darlehen. Eine Förderbank ist in einer solchen Krise immer besonders gefragt. Deshalb ist die Nachfrage nach Mittelstandskrediten und vor allem nach langfristigen Investitionskrediten der KfW deutlich gestiegen. Diesem Wachstumsschub können wir uns nicht entziehen. Gleichzeitig können wir uns aufgrund der Garantie des Bundes so günstig refinanzieren wie nie zuvor.

Über die satten Gewinne freut sich der Finanzminister.

SCHRÖDER: Ich denke, er ist nicht unzufrieden, aber die KfW schüttet ihren Gewinn nicht aus. Sie darf es gar nicht. Er fließt in unsere Rücklagen, stärkt unser Eigenkapital und somit das Fördergeschäft.

Trotzdem könnte es politisch nicht opportun sein, wenn die KfW immer mehr Aufgaben übernimmt und ständig hohe Gewinne einfährt.

SCHRÖDER: Das ist tatsächlich ein Spagat. Wir wollen Banken und Sparkassen kein Geschäft wegnehmen, wir wollen und sollen subsidiär agieren, also genau da, wo die Institute nicht aktiv sind. Das ist die klassische Aufgabe einer Förderbank. Deshalb werden wir uns in der KfW auf unsere traditionellen Bereiche konzentrieren: auf Förderung des Mittelstandes, auf Klima- und Umweltschutz, auf die Energiewende sowie im Auftrag des Bundes auf die Unterstützung von Schwellen- und Entwicklungsländern. Die Förderung der allgemeinen, nicht energieeffizienten Wohnungssanierung haben wir zurückgefahren, die ungebundene Kommunalfinanzierung, die nicht für bestimmte Investitionszwecke wie etwa im Energieeffizienzbereich verwendet wird, eingestellt.

Kann sich die KfW beschränken? Die Finanz- und Euro-Schuldenkrise mit all ihren Folgen für die Banken ist nicht ausgestanden.

SCHRÖDER: Tatsächlich haben einige Institute noch mit den Auswirkungen der Krise zu kämpfen. Deshalb können viele ja nur schwer langfristige, großvolumige Kredite vergeben. Also werden wir uns noch einige Zeit darauf einstellen müssen, in diesem Feld mehr zu tun als in normalen Zeiten, also etwa mit Krediten für Infrastrukturprojekte, für den Ausbau der Windenergie oder durch die Aktivitäten der KfW IPEX-Bank bei der Unterstützung deutscher Exporteure.

Was ist mit kleinen Handwerksbetrieben und Einzelhändlern?

SCHRÖDER: Kredite an den deutschen Mittelstand bleiben das größte Geschäftsfeld der KfW. Deswegen werden wir Existenzgründer und junge Unternehmer, Studenten mit unserem Studienkredit oder Hausbesitzer, die im Blick auf Energieeffizienz und Klimaschutz sanieren wollen, weiterhin fördern. Da wir kein Direktkundengeschäft betreiben dürfen, sondern unsere Förderkredite über Banken und Sparkassen ausreichen, werden wir aber künftig noch klarer als bislang im Internet über unsere Produkte informieren und deren Kundenberatern die Möglichkeit geben, dass sie die Förderfähigkeit eines Antrags bestätigen können, während der Kunde einen Cappuccino trinkt. Bislang dauern diese Prozesse zu lange und sind zu kompliziert.

Die KfW ist Großaktionär von Telekom und Post und sitzt bei EADS wohl bald mit im Boot ...

SCHRÖDER: Es sind Zuweisungsgeschäfte des Bundes. Bei Telekom und Post sitze ich im Aufsichtsrat, bei EADS wird die KfW keinerlei strategische Mandate übernehmen. Auch die Entscheidung über die mögliche Übernahme von Anteilen an EADS liegt nicht bei uns.

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