Keine Angst vor dem großen Crash

Die Börsen boomen, die US-Notenbank steuert sachte beim billigen Geld dagegen. Spielen die Finanzmärkte wieder verrückt? Experten sagen: nein.

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Die Aktienkurse zeigen seit Tagen nach unten, davor hatte es immer neue Höchststände gegeben. Übermäßige Sorgen scheinen sich Börsianer nicht zu machen. Auch Staatsanleihen der Euro-Krisenländer sind wieder gefragt. Unternehmen locken Anleger mit zinsstarken Anleihen. Die Immobilienpreise in manchen Großstädten klettern und klettern. Die Lage in etlichen Schwellenländern ist turbulent, die Währungen gehen in die Knie. Jetzt dreht die US-Notenbank den Geldhahn weiter zu.

Macht sich auf den Finanzmärkten neue Sorglosigkeit breit? Vorsichtige Beobachter in Frankfurt winken zwar nicht ab, sehen aber auch keine übermäßigen Gefahren. Anleger seien risikobewusster und zurückhaltender als vor der Krise 2007, das Umfeld sei dank schärferer Regeln sicherer. Der Anlagedruck aber bleibt wegen der niedrigen Zinsen hoch. Dies begünstige riskante Entscheidungen.

Ein Warnsignal sendete unlängst die DZ Bank. Die Stimmung am Aktienmarkt laufe heiß. Zwar sei das keine Blase, sagt Anlage-Stratege Christian Kahler. "Aber die aktuelle Euphorie sollte Anlass zur Warnung geben." Ein Teil der Aktien sollte verkauft werden ebenso wie Anleihen der Euro-Krisenstaaten.

Das erwartete Zeichen setzte jetzt die US-Notenbank Fed. Sie reduziert das Volumen der monatlichen Anleihekäufe. Das könnte den Finanzmärkten sauer aufstoßen. Vor allem auf die Zentralbanken gelte es zu achten, sagt Olaf Stotz, Professor für Asset Management an der Frankfurt School of Finance. "Insgesamt ist die Gefahr größer als sie derzeit von Marktteilnehmern eingeschätzt wird", sagt Stotz.

Und doch unterscheidet sich die Situation heute erheblich von der Lage vor sieben oder acht Jahren. Die Geldanlage konzentriert sich auf transparente Standardprodukte, auch bei großen Investoren: Aktien, Staats- und Unternehmensanleihen. Intransparente Papiere sind auch dank strengerer Regulierung die Ausnahme. "Es wird an den Finanzmärkten heute viel weniger auf Kredit investiert, strukturierte Produkte wie Zertifikate sind weniger gefragt. Und wir haben eine andere, viel kritischere Aufsicht mit schärferen Regeln", glaubt Frank Naab, Chef-Anlagestratege beim Bankhaus Metzler. "Das Anlageumfeld ist heute viel sicherer."

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