Karstadt-Retter interessiert sich für Schlecker

Heute heißt es für die insolvente Drogeriemarktkette Schlecker hopp oder top. Die Gerüchteküche brodelt: Von einer Zerschlagung ist die Rede und auch von einem neuen Investor: der Berggruen-Holding.

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Quo vadis Schlecker? Wohin gehst du Schlecker? Heute entscheidet sich wohl das Schicksal der insolventen Drogeriemarktkette. Die Gläubiger tagen. Foto: dpa

Was passiert nun mit Schlecker? Heute treffen sich die Gläubiger und entscheiden über das Schicksal der insolventen Drogeriemarktkette. Senken Sie den Daumen, bedeutet dies das Aus für das Unternehmen. Der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz muss dann eine Einzellösung suchen. Dies hieße: Die Drogeriemarktkette wird zerschlagen, ihre Einzelteile verkauft und die knapp 14 000 Mitarbeiter werden entlassen. Heben die Gläubiger den Daumen, kann Geiwitz weiter das Ziel verfolgen, Schlecker zu sanieren.

"Entscheidend sind die Zahlen", sagt Professor Tobias Huep, Insolvenzexperte von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, der SÜDWEST PRESSE. Das sei das Kriterium, nach dem die Gläubiger handeln. Der Größte von ihnen ist der Kreditversicherer Euler Hermes. Er soll die Hälfte der Forderungen an Schlecker halten. Der Versicherer hat es nun in der Hand, was mit Schlecker passiert, zumal ihm laut Medienberichten ein Geschäftskonzept eines neuen Investors vorliegen soll. Der Karstadt-Retter Nicolas Berggruen habe Interesse an Schlecker bekundet, berichtet das "Manager Magazin" in seiner Onlineausgabe und verweist auf Verhandlungskreise. Berggruen sei erst vor zwei Wochen in den Investorenprozess eingestiegen. Er sei an dem gesamten Konzern interessiert und biete einen Kaufpreis zwischen 100 Mio. EUR und 150 Mio. EUR. Der Milliardär wolle Teile Schleckers erwerben und verwerten, berichtet das Magazin. Er stelle allerdings harte Bedingungen für einen möglichen Einstieg. Demnach müsste der größte Gläubiger, Euler Hermes, auf einen Großteil seiner Forderungen verzichten. Denn Berggruen will offenbar für den Warenbestand Schleckers, der an Euler Hermes verpfändet und rund 300 Mio. EUR wert ist, bislang lediglich nur 100 Mio. EUR zahlen. Für das Geld möchte der deutsch-amerikanische Unternehmer auch die Immobilien der Gruppe bekommen. Ob Euler Hermes sich auf dieses Geschäft einlässt oder eher auf die Zerschlagung von Schlecker drängt, dürfte sich bei der heutigen Sitzung des Gläubigerausschusses entscheiden. Ein bindendes Angebot von Berggruen liege jedoch noch nicht vor. Das Berliner Büro der Holding gab zu einem möglichen Engagement bei Schlecker gegenüber unserer Zeitung keine Stellungnahme ab.

Die insolvente Drogeriemarktkette macht derweil täglich weitere Verluste. Die Kündigungsschutzklagen belasten die Insolvenzmasse zusätzlich. Nur ein risikofreudiger Investor könnte da noch helfen. Auch vier Monate nach dem Insolvenzantrag konnte Geiwitz aber bislang keinen Geldgeber präsentieren. Ein Interessent nach dem anderen ist abgesprungen. Zuletzt das Emirat Katar mit der Begründung, Schlecker sei ein "Risikogeschäft".

Das könnte aber auch Taktik sein. "Manchmal warten die Investoren ab, verzögern den Prozess, um den Preis zu drücken", erklärt Huep. Das sei in solchen Fällen nicht unüblich.

Die Insolvenzverwaltung wollte einen möglichen Einstieg Berggruens nicht kommentieren. Patrick Hacker, Sprecher des Insolvenzverwalters ließ dazu alle Fragen offen: "Alles kann, nichts muss. Kein Mensch weiß, was die Gläubiger heute entscheiden. Es ist alles möglich." Auch der Betriebsrat und Verdi halten sich bedeckt: "Wir wollen uns nicht an den Spekulationen beteiligen - weder den positiven wie negativen. Noch haben wir nicht aufgegeben."

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Themenschwerpunkt

Die Schlecker-Pleite

2012 meldete Schlecker, Europas ehemals größte Drogeriemarktkette, Insolvenz an. Damals hatte Schlecker noch 7000 Filialen und etwa 30.000 Mitarbeiter.

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