Kammerherren proben die Transparenz

Die Industrie- und Handelskammern bemühen sich um mehr Transparenz, auch bei den Gehältern ihrer Führungskräfte. Die meisten Zahlen, die sie veröffentlichen, sind allerdings wenig aussagekräftig.

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DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben hat sein Jahresgehalt offengelegt. Manche seiner Kollegen tun sich mit soviel Transparenz schwer.  Foto: 

Gemessen an Dieter Zetsche ist Martin Wansleben ein armer Schlucker. Dabei erreichte 2015 das Jahresgehalt des Hauptgeschäftsführers des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) 368.000 EUR. Das ist zwar mehr als das Achtfache des Durchschnittsgehalts eines Arbeitnehmers, aber nur so viel, wie der Daimler-Chef in 14 Tagen verdiente.

Ob Gehälter angemessen sind, darüber lässt sich trefflich streiten. Wansleben ist immerhin einer der wichtigsten Wirtschafts-Lobbyisten. Er vertritt die 79 Industrie- und Handelskammern (IHK) in Berlin und damit Millionen von Unternehmen, die Pflichtmitglieder sind. Der promovierte Volkswirt kümmert sich ums Alltagsgeschäft, während der ehrenamtliche DIHK-Präsident Eric Schweitzer eher wie ein Aufsichtsratsvorsitzender agiert.

Immerhin hat der DIHK jetzt erstmals im Geschäftsbericht recht detaillierte Angaben zu den Gehältern seiner Führungskräfte gemacht. Bei Wansleben nannte er die genaue Summe, die auch Sonderzahlungen enthält, nicht dagegen Rückstellungen für die Altersversorgung. Für seine beiden Stellvertreter ist nur eine Gesamtsumme aufgeführt: 490.000 EUR. Alle 37 Führungskräfte - dazu zählen auch die Delegierten der deutschen Wirtschaft im Ausland - kamen auf 5,4 Mio. EUR.

Zu so viel Transparenz konnten sich bisher die wenigsten IHKs durchringen. Zumindest noch - Wansleben könnte eine Lawine losgetreten haben, die schwer zu bremsen ist. Die Kammern haben nur vereinbart, die Gehälter ihrer Führungsebene im Internet zu veröffentlichen. Schon ein Blick auf die Liste, die beim DIHK etwas versteckt unter "IHKtransparent" zu finden ist, zeigt, dass die Werte kaum zu vergleichen sind. Denn sie nennen nur eine Summe für alle Führungskräfte. Doch hat jede IHK ihre eigene Organisationsstruktur und Definition, was eine Führungskraft ist.

So nennt beispielsweise die IHK Ulm immerhin 12 Führungskräfte, die aber zusammen nur auf 1,07 Mio. EUR kommen, also pro Kopf 89.000 EUR - ziemlich wenig im Vergleich zu Karlsruhe: Dort führt die IHK nur 6 Führungskräfte an, die aber pro Nase fast 150.000 EUR erreichten. "Die Kammerwelt ist sehr differenziert", begründet der Ulmer Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle die unterschiedlichen Angaben. Die Ulmer bemühten sich zwar um viel Transparenz. Aber bei den Gehältern sieht er keine Veranlassung, mehr zu veröffentlichen.

Etwas weiter geht da die IHK Region Stuttgart: Ihrem Wirtschaftsplan ist zu entnehmen, dass der Hauptgeschäftsführer und seine beiden Stellvertreter 2015 auf zusammen 685.000 EUR kamen, die 17 weiteren Geschäftsführer einschließlich Stellvertretern auf 2,1 Mio. EUR.

Das sind bescheidene Summen im Vergleich zu Hamburg. Dort sorgte für Aufsehen, dass der Hauptgeschäftsführer samt Tantieme 475 000 EUR im Jahr erhält. Das ist bundesweit offenbar die absolute Ausnahme. Samt Versorgungsansprüchen sind es gar 625.000 EUR, behauptet der Bundesverband für freie Kammern.

Der Druck dieser Gegner der Pflichtmitgliedschaft der Unternehmen in der IHK ist ein Grund für die neue Transparenz. Sie fragen unter anderem immer wieder, ob die Kammern durch mehr Sparsamkeit mit weniger Beitrag auskämen. Zudem müssen sich die Kammern als öffentlich-rechtliche Körperschaften für ihre Aktivitäten rechtfertigen.

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