Junge Mittelständler streben in die erste Reihe

An der Spitze der wichtigsten Wirtschaftsverbände bahnt sich ein Generationswechsel an. In die Verantwortung als Präsidenten gehen durchweg Mittelständler, die mitten im aktiven Berufsleben stehen.

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  • Bei Gesamtmetall sind die Weichen für die Ablösung von Präsident Martin Kannegiesser (links) schon gestellt. Rainer Dulger steht zur Verfügung. Fotos: dpa 1/2
    Bei Gesamtmetall sind die Weichen für die Ablösung von Präsident Martin Kannegiesser (links) schon gestellt. Rainer Dulger steht zur Verfügung. Fotos: dpa
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Rainer Dulger löst nach 12 Jahren Martin Kannegiesser als Präsident von Gesamtmetall ab - diese Nachricht überraschte viele Beobachter, auch wenn schon viel spekuliert worden war, wie lange Kannegiesser an der Spitze des Arbeitgeberverbands bleiben würde. Ist der 70-Jährige doch immer noch als geschäftsführender Gesellschafter eines Herstellers für professionelle Wasch- und Bügelmaschinen im westfälischen Vlotho aktiv.

Auch sein Nachfolger, der Inhaber des Heidelberger Dosierpumpen-Herstellers Prominent, ist Mittelständler - und mit 48 Jahren für einen Präsidenten-Posten ungewöhnlich jung. Doch das ist der Trend bei den Spitzenverbänden.

Erfahrungen hat Dulger seit 2009 als Vorsitzender des baden-württembergischen Verbands der Metallindustrie gesammelt. Im Frühjahr bewährte er sich beim Pilotabschluss für die größte Industriebranche. Südwestmetall erweist sich erneut als Sprungbrett für höhere Weihen - wie bei Dieter Hundt: Erst machte sich der Uhinger Unternehmer acht Jahre lang inStuttgart einen Namen. Jetzt ist er schon seit 1996 Arbeitgeberpräsident.

Kannegiesser hat Gesamtmetall nachhaltig geprägt. Zwar werden die Tarifverhandlungen in aller Regel regional geführt. Doch die Fäden im Hintergrund zieht der Präsident - mit dem IG-Metall-Chef auf Gewerkschaftsseite. Bei allen unterschiedlichen Interessen hatte er sich stets um ein faires Verhältnis unter den Sozialpartnern bemüht. Vom wirtschaftlichen Erfolg sollen auch die Mitarbeiter ihr Stück abbekommen. Das bewährte sich nicht zuletzt in der Krise 2010, als Kannegiesser ohne große öffentliche Debatten einen Tarifvertrag mit erheblichen Entlastungen einfädelte.

Sein Nachfolger Dulger könnte es mit einem alten Bekannten zu tun bekommen: Spekuliert wird, dass der baden-württembergische IG-Metall-Chef Jörg Hofmann stellvertretender IG-Metall-Vorsitzender wird. IG-Metall-Chef Berthold Huber könnte dagegen im Herbst 2013 abtreten.

Selten war bei den Spitzenverbänden so viel Wechsel wie derzeit. Die Rezepte dafür sind unterschiedlich. Auch beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) kündigte Hans-Peter Keitel nicht nur an, nach vier Jahren als Industriepräsident im November abzutreten. Er präsentierte auch gleich seinen Nachfolger: Ulrich Grillo,Chef des Duisbuger Familienunternehmens Grillo-Werke AG. Das setzt gleich mehrfach Zeichen: Er ist selbst Unternehmer, der noch in der Verantwortung steht, während Ex-Hochtief-Chef Keitel ein angestellter Manager im Ruhestand ist. Zudem ist Grillo erst 52 Jahre alt. Solche Präsidenten"mitten aus der Wirtschaft" sind zwar bei den Verbänden heiß begehrt, aber angesichts des Zeitaufwands, der mit den Ehrenposten verbunden ist, nur schwer zu finden.

Beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) wählte Hans Heinrich Driftmann einen anderen Weg: Der 64-Jährige kündigte zwar frühzeitig an, sich im März 2013 nach vier Jahren nicht erneut zur Wahl zur stellen. Er präsentierte aber noch keinen Nachfolger. Der soll erst im November offiziell nominiert werden. Als aussichtsreicher Kandidat gilt Eric Schweitzer, Inhaber des Berliner Recyclingkonzerns Alba und mit 46 Jahren für Verbandsverhältnisse ebenfalls noch ungewöhnlich jung.

Auch das Handwerk weiß, dass es sich einen neuen Präsidenten suchen muss, allerdings erst im nächsten Jahr. Denn Otto Kentzler kann nach dreimal 3 Jahren nicht erneut kandidieren. Der 70-Jährige hat seinen Dortmunder Klempnerei- und Bedachungsbetrieb längst an seinen Sohn übergeben und dadurch die Zeit für den Ehrenposten.

Damit bleibt Dieter Hundt nicht nur altersmäßig der Senior unter den Präsidenten. Der Inhaber der Uhinger Allgaier-Werke ist bis Herbst 2013 gewählt. Dann war er 17 Jahre im Amt - und dann ist er 75. Schon vor drei Jahren wollte er sich eigentlich zurückziehen, ließ sich aber angesichts der bevorstehenden Bundestagswahl noch einmal indie Pflicht nehmen.

Jetzt wird spekuliert, seine Nachfolge könne Arndt Günter Kirchhoff übernehmen. Der 57-Jährige ist - wie Hundt bis 2008 - Geschäftsführender Gesellschafter eines Autozulieferers, der Kirchhoff-Gruppe im südwestfälischen Iserlohn.

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