Junge Arbeitnehmer unter Stress

Schon junge Arbeitnehmer unter 35 klagen über viele Überstunden und Stress sowie über schlechte Bezahlung und unsichere Jobs. In der Pflicht sind für DGB-Vize Ingrid Sehrbrock insbesondere die Arbeitgeber.

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Über den Fachkräftemangel wird immer mehr geklagt. Doch die wenigsten jungen Arbeitnehmer haben deswegen besonders gute Beschäftigungsbedingungen: Viele sind nur befristet beschäftigt, sie leisten jede Menge Überstunden trotz schlechter Bezahlung, und sie klagen über steigenden Arbeitsdruck. "Auch den jüngeren Kolleginnen und Kollegen macht die moderne Arbeitswelt enorm zu schaffen", schließt die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock aus einer repräsentativen Umfrage.

"Von Planungssicherheit kann bei vielen Befragten keine Rede sein", klagt Sehrbrock. Denn nur zwei von drei jungen Leuten haben einen unbefristeten Job, ergab die Befragung von 1238 Arbeitnehmern unter 35 Jahren. Auszubildende und jobbende Studenten wurden dabei nicht berücksichtigt. Jeder fünfte ist befristet beschäftigt. 4 Prozent sind Zeitarbeiter. 7 Prozent haben nur einen Minijob, darunter besonders viele Frauen: Jede zehnte verdient maximal 400 EUR im Monat. Das erstaunt Sehrbrock am meisten. Sind doch gerade junge Frauen besonders gut ausgebildet, und sie wollen ihren Beruf auch ausüben. Möglicherweise schlage da noch das alte Rollenbild von der hinzuverdienenden Frau durch, sucht sie nach einer Erklärung.

Nur gut die Hälfte der jungen Arbeitnehmer sind mit ihrer Einkommenssituation zufrieden. Im Schnitt liegt ihr Einkommen bei brutto 1960 EUR im Monat. Immerhin beurteilen aber zwei Drittel ihre berufliche Zukunft zuversichtlich.

Morgens um 8 Uhr zur Arbeit und abends um 17 Uhr nach Hause - diese klassische Arbeitszeit gilt für viele nicht mehr: 40 Prozent arbeiten oft am Abend, ähnlich viele am Wochenende, jeder achte nachts. Überstunden sind die Regel, bei jedem fünften sind es 10 Stunden und mehr pro Woche.

Immer mehr verschwimmen Arbeit und Privates: 14 Prozent erledigen häufig in der Freizeit Aufgaben für ihren Betrieb. Auch können viele nicht abschalten: Jeder vierte klagt darüber. Das mag ein Grund dafür sein, dass der Stress insgesamt zunimmt: Mehr als die Hälfte der jungen Leute hat den Eindruck, in den letzten Jahren immer mehr in der gleichen Zeit schaffen zu müssen. Unter den Älteren ab 35 Jahren sind es allerdings noch mehr.

"Burn-out ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen", schließt daraus DGB-Bundesjugendsekretär René Rudolf. Im Baugewerbe wird über die Arbeitsverdichtung am meisten geklagt, bei den sozialen Dienstleistungen am wenigsten. Dabei fühlen sich fast zwei Drittel nicht über-, sondern unterfordert, und etwa ebenso viele klagen, immer das Gleiche tun zu müssen.

"Es gibt kein Patentrezept, um die Probleme der jungen Beschäftigten mit einem Schlag zu lösen", bekennt Sehrbrock. In der Pflicht sieht sie in erster Linie die Arbeitgeber: Befristete Jobs dürften nicht zum Normalfall bei Neueinstellungen werden. Bei Minijobs dürfe es ebenso keinen Missbrauch mehr geben wie bei Praktika. Daneben fordert die DGB-Vize einen gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 8,50 EUR, auch wenn sie bekennt: Tariflöhne sind noch besser.

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