Jobvermittler kooperieren europaweit - Kulturelle Hürden sind aber hoch

Entlang der Grenzgebiete setzen die Agenturen für Arbeit verstärkt auf Kooperationen mit Arbeitsämtern in Nachbarländern. Vom Gedanken her ein simples Unterfangen - mit kleinen und großen Hindernissen.

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Hier in Kehl machen französische und deutsche Arbeitsvermittler gemeinsame Sache.  Foto: 

Wenn Anne François für einen ihrer Kunden Arbeit sucht, muss sie zwei Computer bedienen. Auf einem PC läuft die Software für den deutschen, auf dem anderen die für den französischen Arbeitsmarkt. So sieht in diesem Bereich die europäische Integration im Jahr 2014 aus. Dabei klingt die Idee simpel: Freie Stellen grenzübergreifend an Arbeitssuchende vermitteln.

Seit einem Jahr arbeitet die Französin mit drei weiteren Kollegen - insgesamt ein Team aus zwei Franzosen und zwei Deutschen - im Servicebüro in Kehl, einem Kooperationsprojekt der deutschen Agentur für Arbeit und deren französischem Pendant, der Pole Emploi. Eine Kooperation, die Eva Strobel, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit, ein "Beispiel für ein gelungenes Europa" nennt.

Arbeitsvermittlerin François aus Frankreich jedenfalls ist zufrieden. Die Arbeit sei "viel dichter" als in ihrer Heimat. Dort müssten Vermittler etwa auch am Empfang arbeiten und viel Organisatorisches erledigen. Auf deutscher Seite dagegen stehe das Vermitteln freier Stellen vor allem anderen. "Hier ist man viel näher dran am Kunden."

Von 600 betreuten Arbeitssuchenden konnte das Servicebüro bislang 219 Frauen und Männer vermitteln, meist von Frankreich nach Deutschland. "Das kann sich sehen lassen", sagt Horst Sahrbacher, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Offenburg. Das Potential sehen alle Beteiligten dagegen noch nicht ausgeschöpft. Vielmehr soll das Team das Zusammenwachsen der Regionen weiter vorantreiben, damit ein gemeinsamer Arbeitsmarkt entsteht.

"Aber es ist einfacher, darüber zu sprechen als es umzusetzen", sagt Ivane Squelbut, Regionaldirektorin der Pole Emploi für das Rhein-Becken auf französischer Seite. So gilt auch nach einem Jahr noch vieles als verbesserungswürdig. Sahrbacher spricht dabei von "Hürden" und "kulturellen Unterschieden". Sprache, Arbeitszeit, Mindestlohn und Ausbildung zählen zu den größeren (siehe Infokasten). Kleine Abweichungen zeigen sich etwa im Bewerberverfahren. Arbeitszeugnisse etwa sind in Frankreich unüblich, was die Vermittlung an deutsche Arbeitgeber erschwert.

Solange aber die Menschen im Elsass mit einer hohen Arbeitslosigkeit leben müssen und manche Branchen im Ortenaukreis fehlende Fachkräfte beklagen, bestehen Anreize, solche Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Und weil die Situation entlang der deutsch-französischen Grenze nahezu überall so ausschaut, gibt es ringsum Kehl weitere Kooperationen.

In Freiburg und im Raum Karlsruhe, wozu auch das Gebiet im angrenzenden Rheinland-Pfalz gehört, arbeiten mobile Teams. Dass die Vermittler nicht an einem fixen Ort sitzen, ist der dortigen dünnen Besiedelung geschuldet. Zu jedem Team gehört ein Franzose und ein Deutscher. Gemeinsam arbeiten die beiden abwechselnd je eine Woche in Frankreich und eine Woche in Deutschland. "Wanderzirkus" nennt Thomas Mares von der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz und Saarland das Konzept.

Anders die Lage im Saarland. Seit September gibt es hier die grenzübergreifende Vermittlung, mit Büros in Saarbrücken und im französischen Sarreguemines. "Wir sind damit allerdings nicht in der schönen Situation, nur über die Brücke zu gehen wie in Kehl", sagt Mares.

Gemeinsame Büros sucht man entlang der bayerisch-tschechischem Grenze vergebens. Das System in Kehl habe man nicht übernommen, weil "wir die Intensität nicht haben", sagt Manfred Stamm, Leiter der Eures-Koordination Regionaldirektion Bayern. Das Grenzgebiet hier ist weniger dicht besiedelt als jenes am Rhein.

Die grenzübergreifende Zusammenarbeit funktioniert entlang Bayerns östlicher Grenze in Subregionstreffen. Arbeitsagenturen in Deutschland, Tschechien und Sozialpartner, etwa Gewerkschaften, treten gemeinsam auf Messen auf, informieren Arbeitssuchende und tauschen sich aus. "Das funktioniert auch", sagt Stamm. Zudem arbeiten sechs Eures-Berater im Auftrag der Europäischen Kommission in den Arbeitsagenturen, vermitteln grenzübergreifend Stellen - und sprechen fließend tschechisch. Das Büro in Pilsen konnte so vergangenes Jahr knapp 480 Beratungen verbuchen. Die Arbeit allerdings verläuft unter vergleichbaren Umständen wie in Kehl: immer an zwei PCs.

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