iTV: Spekulationen um neues Apple-Gerät

Nun erwischt es also auch die Hersteller von Fernsehern. Wie das Kaninchen auf die Schlange starren sie derzeit auf Apple: Das Unternehmen soll in diesem Jahr einen Fernseher auf den Markt bringen.

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Natürlich ist es nicht irgendein Gerät, das nur gut aussieht. Mit dem Musikspieler iPod, der Medien-Verkaufsplattform iTunes, dem Handy iPhone und dem Tablet-PC iPad hat Apple die Branche jeweils umgewälzt. Für weniger als eine Revolution ist die Firma aus Cupertino nicht zu haben.

Deshalb gibt es viel Wirbel um ein TV-Gerät, dessen Existenz noch nicht einmal bestätigt ist. Wie immer bei Apple-Produkten tauchen Monate vor der offiziellen Vorstellung Gerüchte auf. Diese verdichten sich, werden durch fragwürdige Bilder und Informationen in Blogs, Tweets, auf Internetseiten und in Zeitungen befeuert. Erst langsam, unmittelbar vor der Präsentation, kristallisiert sich schließlich das wirkliche Gerät heraus. Aber auch dann kann es noch Enttäuschungen geben, wie etwa bei der Vorstellung des jüngsten iPhones, das kein radikal anderes iPhone5 wurde, wie erhofft, sondern nur ein überarbeitetes iPhone4s.

Diesmal jedoch glauben die Auguren, Informationen aus erster Hand zu haben: von Steve Jobs höchstpersönlich. Der Spiritus Rector des Unternehmens ist zwar gestorben, seinem Biografen hat er aber kurz vor dem Tod noch in den Block diktiert, er habe den "Code geknackt" für einen leicht zu bedienenden Fernseher.

Nach Erscheinen der Biografie überschlagen sich die Vermutungen, was damit gemeint sein kann. Lässt sich die Glotze durch Gesten bedienen? Oder durch Sprache, wie beim neuen iPhone? Ebenfalls denkbar wäre eine Fernbedienung ohne Tasten mit berührungsempfindlichem Display. Oder eine Steuerung via kleinem Programm (App) vom Mobiltelefon aus. Sicherlich aber ließe sich das Gerät doch in ein Netz einbinden, in dem schon der Apple-Computer hängt, der Internetspeicher iClouds zum Abspielen von Inhalten wartet und natürlich das Internet für das Überspielen von Filmen eingesetzt wird. Aber: Alles nur Spekulation.

Experte Christoph de Leuw ist zurückhaltender. Zwar kann sich auch der Redakteur von "Audio Video Foto Bild" kein normales Gerät vorstellen, wie es jetzt schon in den Läden zu haben ist. "Eine Sprachsteuerung wird aber nicht kommen, dafür sitzen oft zu viele Menschen vor dem Gerät und machen die Bedienung störanfällig." Auch an eine Fernbedienung ohne Tasten glaubt de Leuw nicht: "Zum Umschalten und für die Lautstärke ist das Gefühl von Tasten sinnvoll."

Vielmehr dürfte Apple mit seinem iTV - oder wie der Name auch lauten mag - die Vertriebswege revolutionieren. So könnte der Benutzer angeben, dass er zunächst die Tagesschau, dann den Tatort vom vergangenen Sonntag und anschließend einen Teil seiner Lieblingsserie sehen will, und das Gerät sucht die Inhalte aus den Sender-Portalen, Verkaufsplattformen und aktuellem TV-Programmen zusammen und präsentiert sie. Das würde Apple beim Geld verdienen helfen: Im iTunes-Shop von Apple gibt es Spielfilme, Serien und Musikvideos zu kaufen.

"Möglicherweise wird der Apple-Fernseher auch zunächst nur in den USA auf dem Markt kommen", überlegt de Leuw. "Weltweit gibt es eine Vielzahl von TV-Empfangs- und Verschlüsselungssystemen, das wird sicherlich nach und nach erschlossen werden."

Bereits jetzt hat Apple die Tür zum Fernsehmarkt einen Spalt weit geöffnet: Seit 2009 gibt es eine Set-Top-Box von dem Unternehmen mit dem angebissenen Apfel im Firmenlogo. Die Bedeutung der im vergangenen Jahr immerhin viermillionenfach verkauften Box wurde aber stets heruntergespielt: "Appel-TV ist für uns aktuell nur ein Hobby", sagte der heutige Konzernchef Tim Cook im Jahr 2010. Vielleicht, weil sich viele TV-Sender bislang weigerten, ihre Programme einspeisen zu lassen und dadurch zum Misserfolg von Internet-TV-Angeboten geführt haben. Möglicherweise hat sich dies geändert - so wie einst Plattenfirmen ihre Vorbehalte gegen Internetverkauf aufgaben und den Erfolg von iTunes ermöglichten.

Spannend wird das Interesse des Unternehmens an Fernsehern in jedem Fall: Der Verkauf von TV-Geschäft ist derzeit weltweit selten profitabel. Beinahe alle Produzenten fahren durch einen harten Konkurrenzkampf Verluste ein. Zwar wurden 2011 weltweit 206 Millionen Flüssigkristallbildschirme verkauft - 7 Prozent mehr als im Vorjahr. Doch Hersteller aus China, Taiwan und Südkorea bringen mit Billigpreisen selbst so große Hersteller wie Sony, Philips und Panasonic in die roten Zahlen. Preisabsprachen hatten für Samsung und Sharp erst jüngst Wiedergutmachung und Strafe zur Folge.

Apple könnte dennoch versuchen, sich vom bestehenden Kuchen einen Teil abzuschneiden. Oder aber eine neue Gattung von Fernseher auf den Markt zu bringen, der auch der Konkurrenz den Verkauf neuer hochpreisiger Geräte erlaubt - und sich die Revolution gut bezahlen lassen.

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