INTERVIEW: Desaster mit Ankündigung

Auch im Bundestag gibt es Kritik am Gerangel um den Hauptstadtflughafen, etwa von Anton Hofreiter (Grüne), dem Chef des Verkehrsausschusses.

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Andreas Hofreiter leitet den Verkehrsausschuss. Foto: Stefan Kaminski

Herr Hofreiter, Sie haben sich bereits im vergangenen September skeptisch bezüglich der Flughafeneröffnung im Oktober ausgesprochen. Fühlen Sie sich nun bestätigt?

ANTON HOFREITER: Traurig bestätigt. Ja. Im Grunde hat sich das Desaster schon angekündigt, als nach dem 3. Juni 2012 praktisch alle Planer entlassen wurden. Das gesamte planerische Wissen ist verloren gegangen. Der Aufsichtsrat hat aus einer Baustelle eine Ruine gemacht.

Es herrscht Verwirrung darüber, wer wann was gewusst hat. Das Bundesverkehrsministerium will erst am Wochenende von der erneuten Verschiebung erfahren haben. Ist das aus Ihrer Sicht glaubwürdig?

HOFREITER: Die Zeitabläufe sind im Moment nicht so leicht zu entwirren. Auffällig ist aber schon, dass der Bundesverkehrsminister Ramsauer am Ende des vergangenen Jahres immer wieder Zweifel an dem Eröffnungstermin geäußert hat. Ich kann mit nicht vorstellen, dass er das so einfach ins Blaue hinein gesagt hat. Außerdem gab es klare Hinweise darauf, dass es zu Verzögerungen kommen wird. Es wurde ja schließlich gar nicht mehr gebaut.

Aus der CSU kommt jetzt die Forderung, der Bund solle so schnell wie mögliche seine Anteile an der Flughafengesellschaft los werden. Was halten Sie davon?

HOFREITER: Los werden? Der Bund soll sich gefälligst um seine Anteile kümmern. Die 26 Prozent, die der Bund hält, sind doch dafür da, dass die Verantwortlichen im Bundesverkehrsministerium sich um das Projekt kümmern können. Der Bund hat ganz andere Erfahrungen mit Großprojekten als die Länder und soll eigentlich ein Desaster, wie wir es jetzt erleben, verhindern. Offensichtlich hat aber Minister Ramsauer wenig Interesse erkennen lassen. Und die Vertreter des Bundes im Aufsichtsrat haben so versagt, wie alle anderen auch.

Sollten Politiker überhaupt nicht mehr in den Aufsichtsräten von solchen Großprojekten sitzen?

HOFREITER: Da bin ich nicht so sicher. Wenn es sich um Projekte handelt, die der Staat in Auftrag gibt, muss es auch eine Kontrolle durch die Politik geben. Aber wir brauchen eine andere Kultur in diesen Aufsichtsräten. Und die bekommen wir nur, wenn nicht an den Parlamenten vorbei agiert wird.

In einem Punkt sind Sie sich mit dem Bundesverkehrsminister einig. Sie wollen die Entlassung von Flughafenchef Rainer Schwarz. Verlöre das Projekt damit nicht das letzte Fachwissen?

HOFREITER: Das glaube ich nicht. Der Fisch stinkt immer vom Kopf her. Der Flughafenchef muss dafür sorgen, dass die einzelnen Bereiche gut zusammenarbeiten. Die Ingenieure beherrschen schon ihr Metier. Das nützt aber nichts, wenn der Chef keinen Überblick hat. Das Management von Herrn Schwarz ist einfach eine Katastrophe.

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