Verwalter: Es gab keinen Investor für Schlecker-Sanierung

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Schlecker hatte Anfang 2012 Insolvenz angemeldet.  Foto: 

Mit anderem Konzept und deutlich weniger Filialen wäre die untergegangene Drogeriemarktkette Schlecker nach Ansicht des Insolvenzverwalters möglicherweise sanierbar gewesen - letztlich fehlte aber ein Käufer.

Es sei eine Art Tankstellenkonzept geplant gewesen: weniger Drogerie, dafür auch Lebensmittel, ein Paketshop und ähnliches, sagte Verwalter Arndt Geiwitz im Prozess gegen Anton Schlecker am Landgericht Stuttgart.

„Seven-Eleven war unser Benchmark“, erläuterte er mit Verweis auf die US-amerikanische Einzelhandelskette. „Wir hatten am Ende des Tages auch einen Käufer für dieses Konzept.“ Nur sei der letztlich doch abgesprungen.

Schlecker hatte Anfang 2012 Insolvenz angemeldet, danach hatte Geiwitz mehrere Wochen lang versucht, die Kette zu verkaufen. Vor Gericht stellte er am Montag auch dar, wie Europas größte Drogeriemarktkette in den Abwärtsstrudel geraten war.

Schleckers zentraler Fehler sei vor allem gewesen, dass er zu lange an seinem Geschäftsmodell mit vielen kleinen Filialen festgehalten und sich zu wenig an den Wünschen der Kunden orientiert habe.

Die Anklage wirft Anton Schlecker vorsätzlichen Bankrott vor. Er soll außerdem Geld aus dem Unternehmen gezogen und an seine Kinder Lars und Meike verschoben haben, die wegen Beihilfe angeklagt sind. Die Staatsanwaltschaft ist der Auffassung, dass spätestens Ende 2009 die Zahlungsunfähigkeit drohte und der Gründer über die Lage im Bilde war. Schlecker weist das zurück.

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Kommentare

17.07.2017 14:55 Uhr

Antwort auf „Herr Schlecker wird vor Gericht mit falschem Maßstab gemessen”

Insofern für ein Konzept lebendiger Arbeit "Philosophie und Soziologie nicht als arbeitsteilig getrennte Disziplinen behandelt werden dürfen" (Negt, O.: Das Unabgegoltene der Utopie, in: Frankfurter Rundschau v. 23.02.2017), ist zu bezweifeln, ob Herr Geiwitz als Diplom-Kaufmann die Voraussetzungen erfüllt, sich dazu zu äußern, ob es ein zentraler Fehler von Herr Schlecker war, an seiner bewährten Geschäftsleitung festzuhalten. Um diesen Schluss begründen zu können, sind immerhin theoretisch angeleitet und empirisch kontrolliert erhobene Befunde ins Feld zu führen, die eine Wirtschaftskanzlei nicht zu gewinnen vermag. Es könnte daher sein, dass manche Zeugen vor Gericht ihre Befugnisse überschreiten.

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17.07.2017 13:07 Uhr

Herr Schlecker wird vor Gericht mit falschem Maßstab gemessen

Schon vor über einem Jahrzehnt wies der heutige Alterspräsident des SOFI ausdrücklich auf die Notwendigkeit eines Konzepts für lebendige Arbeit hin (Schumann, M.: Hört auf die Malocher!, in: Die Zeit Nr. 45 v. 3.11.2005, S. 26). Bereits an dem inzwischen sehr langen Zeitraum lässt sich sehr anschaulich ablesen, wie enorm viel einschlägiges Wissen auf diesem Gebiet zu mobilisieren ist. Herrn Anton Schlecker heute im Nachgang zu seiner Zahlungsunfähigkeit vorzuwerfen, keine solche Leistung erbracht zu haben, grenzt daher schon an eine ungeheure Vermessenheit, wenn man bedenkt, dass weltweit bislang kein einziges Unternehmen eine dementsprechende Anstrengung erfolgreich umsetzen konnte. Würde das Gericht solch einen Maßstab anlegen, wären zuvörderst die hiesigen Vertreter der an der Börse im DAX notierten Kapitalgesellschaften zur Rechenschaft zu ziehen und nicht beliebig ein ehedem in Ehingen/Do. ansässiger Einzelhändler, der über keinerlei Zugang zu den Finanzmärkten verfügt, die ihm die dafür erforderlichen Mittel an die Hand geben.

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Themenschwerpunkt

Die Schlecker-Pleite

2012 meldete Schlecker, Europas ehemals größte Drogeriemarktkette, Insolvenz an. Damals hatte Schlecker noch 7000 Filialen und etwa 30.000 Mitarbeiter.

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